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Die Hex' ist tot
Von Stefan Schmöe / Fotos von Michael Hörnschemeyer
Die Wuppertaler Bühnen haben angeblich im Vorfeld Ohrwurmwarnung herausgegeben: Nicht ohne Grund, denn nach der Premiere des Zauberers von Oz singen Scharen von Kindern im Foyer des Wuppertaler Schauspielhauses Ding dong, die Hex' ist tot. Streng genommen sind es sogar zwei Hexen, die von der kleinen Dorothy mehr aus Versehen als mit tödlicher Absicht ins Jenseits befördert worden sind. Die erste räumt sie aus dem Weg, als sie ein Wirbelsturm in das Land hinter dem Regenbogen verschlägt, für die Hexe unglücklicherweise mitsamt ein paar Trümmern, unter denen die Hexe begraben wird. Auch das Ableben der zweiten bösen Hexe ist mehr ein Betriebsunfall, denn das vorsätzliche Beseitigen selbst einer bösen Hexe könnte den Frieden eines Märchens trüben, dessen Verfasser Lyman Frank Baum (1856 1919) sich bewusst von den Grausamkeiten etwa der Grimmschen Märchen absetzt. In der Wuppertaler Produktion kommt es ohnehin nicht so genau darauf an, denn gute wie böse Hexen dienen in erster Linie zum Anlass für allerhand Bühnenzauber.
Auf der Suche nach dem Zauberer: Ängstlicher Löwe, Blechmann ohne Herz, Vogelscheuche ohne Verstand und Dorothy mit Hund
Die kleine Dorothy, hinreißend kindlich und dazu ordentlich frech gespielt von Pirkko Cremer, gerät mehr Kraft ihrer Imagination in ein Zauberreich, in das sie vor ihren öden Verwandten entflieht aber, besonders logisch ist das eigentlich nicht, sofort hat sie Heimweh und pilgert zum großen Zauberer von Oz, der ihr die Rückkehr ermöglichen soll. Eine Vogelscheuche ohne Verstand, ein Blechmann ohne Herz und ein Löwe ohne Mut werden ihre Begleiter, alle in der Hoffnung, der Zauberer könne ihnen die fehlenden Attribute verschaffen. Sabine Flack, Matthias Gall und Eckhard Ischebeck spielen mit viel Charme und erkennbarem Spaß an der Sache. Der Zauberer (mit Freude an ironischen Zwischentönen: Bernd Kuschmann) entpuppt sich als plumper Hochstapler, aber Verstand, Herz und Mut haben Dorothys Gefährten längst in ausreichendem maße bewiesen: Glaube an dich selbst, das ist die Botschaft des Stückes. Die gute Hexe sorgt schließlich für ein gutes Ende von zwei für Kinder wie für Erwachsene kurzweilige Theaterstunden.
Hüte dich vor Klatschmohn: Die zarten Pflänzchen hier entfalten opiatische Wirkung, der sich Vogelscheuche und Löwe unterschiedlich effektiv erwehren können.
Dass die Gestalten aus dem Zauberreich Doppelgänger der ansonsten so öden Verwandtschaft sind, kann man als psychologische Spitzfindigkeit des Regisseurs Marc Hoffmann zur Kenntnis nehmen oder sich einfach an den hübschen Effekten auf der Bühne freuen. Zwischendurch wird zur Musik von Stefan Hüfner auch gesungen, Songs im Stil irgendwo zwischen Broadway und Hollywood., und getanzt. Ganz perfekt sieht das nicht aus, und auch musikalisch ist nicht zu überhören, dass hier Schauspieler am Werke sind (die Instrumentalbegleitung kommt vom Band). Der Aufführung tut das keinen Abbruch, denn das Fehlen filmischer Perfektion verleiht den permanent an sich selbst zweifelnden Figuren eine besonders sympathische Note und sorgt für eine leichte ironische Brechung. Das Publikum jedenfalls forderte vehement Zugaben, aber mehr als zwei davon wollten die Darsteller nicht geben mit den bekannten Konsequenzen: Da sangen sich die jugendlichen Besucher die Fortsetzung eben selbst.
Nettes Weihnachtsmärchen für die ganze Familie!
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Produktionsteam
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Choreographie
Dramaturgie
SolistenDorothyPirkko Cremer
Zauberer - Torwächter - Onkel Henry
Hexen - Lehrerin
Vogelscheuche - Tante Em
Blechmann - Nachbar
Löwe - Nachbar
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