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Spiel mit dem Feuer
Von Silvia Adler
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Fotos von Milena Holler Auf hohem Sockel thronen in weißen, blütenreinen Kleidern Fiordiligi und Dorabella. Weit entfernt vom erdverkrusteten Bühnenboden. Von ihren Verlobten Guglielmo und Ferrando in den Himmel gehoben. Ein anbetungswürdiges Bild der Unschuld. Tief unter ihnen agieren die Männer. Voller Bewunderung blicken sie zu ihren Bräuten auf. Der Höhenunterschied beträgt mindestens zwei Meter. Das Bühnenbild der Wuppertaler Inszenierung von "Cosi fan tutte" spricht eine eindeutige Sprache. Ein aufragender weißgetünchter Kubus dominiert das Zentrum der Bühne. Mehr braucht der junge Regisseur Sebastian Hirn nicht, um die hinter einem romantisch überhöhten Liebesideal verborgenen Konflikte deutlich werden zu lassen..
Guglielmo Thomas Laske und Ferrando
Raphael Pauß
Frauen sind für Ferrando und Guglielmo vor allem Statussymbole, die der Bestätigung des männlichen Selbstbewusstseins dienen. Ausgestattet mit allen Attributen der Schönheit und Tugend werden sie der Wirklichkeit entrückt und auf einen Sockel gehoben. Die beiden Männer sonnen sich im hehren Glanz des Ideals. Das glorreiche Bild, das sie von ihren Geliebten entwerfen, lässt sie selbst in schmeichelhaftem Licht erscheinen. Nur einzigartige Männer können solch wunderbare Frauen haben. Vor Selbstbewusstsein strotzend wetten sie mit dem schmierigen Intriganten Don Alfonso um die Treue ihrer Verlobten. Wechselseitig wollen sie die Frau des anderen auf die Probe stellen. Ihr Selbstvertrauen ist grenzenlos; das Ego befindet sich auf Höhenflug. Die Bruchlandung ist garantiert.
Dorabella (Tina Hörhold) und Fiordiligi (Melba Ramos)
Mit verblüffende Radikalität reflektiert das Libretto, der 1790 in Wien uraufgeführten Oper, den unbedingten Wunsch nach Einzigartigkeit, der auch für den modernen Zeitgeist symptomatisch ist. Nach Ansicht des Regisseurs besitzt das Stück, das beim zeitgenössischen Publikum auf blankes Unverständnis stieß, "beklemmende Aktualität." Dennoch verzichteten Regie und Bühnenbild bewusst darauf, die Oper ins Zeitgemäße zu übersetzen. Kein Fitnessstudio; kein Tempel des Narzissmus. Kein moderner Selbsterfahrungstrip. Mit einer ästhetisch disziplinierten, äußerst symbolkräftigen Bildersprache, beleuchtete die Inszenierung vielmehr die archetypischen menschlichen Gefühlsstrukturen, die quer durch alle Epochen ihre Gültigkeit besitzen. Mit weißgetünchten, maskenhaften Gesichtern wirkten die Protagonisten seltsam entindividualisiert. Die künstlichen, theatralischen Gesten ließen das Persönliche in den Hintergrund treten.
Despina ( Sungmi Kim)
Dass die Inszenierung dennoch an keiner Stelle statisch wirkte, verdankte sie nicht zuletzt der hervorragenden darstellerischen Leistung des Wuppertaler Ensembles. Kraftmeiernd ließen Thomas Laske als Guglielmo und Raphael Pauß als Ferrando ihre Verführungskünste spielen. Treffend charakterisierten sie den emotionalen Höhenrausch der beiden Männer. Vor allem in den auftrumpfenden Ensembles mit Don Alfonso ( Raimund Fischer) wurde stimmlich aus dem Vollengeschöpft. Allerdings wirkte Raphael Pauß in den Arien nicht ganz so souverän. Besonders der lyrischen Bilderbucharie "Un aura amorosa" hätte man eine geschmeidigere Tongebung gewünscht. Thomas Laske überzeugte mit warmen Timbre und äußerst kultivierten Klang. Auch wenn es den dramatischen Passagen noch etwas an Metall fehlte, beeindruckte der Bariton mit großer stimmlicher Flexibilität. Scheinbar mühelos meisterte Tina Hörhold mit schlank geführtem, klangschönem Mezzosopran die Partie der Dorabella. Ungeheuer ausdrucksvoll gestaltete die stimmlich überragende Melba Ramos die Partie der Fiordiligi. Alles passte zusammen: Rundes Timbre, glasklare Höhe und ein perfekt austarierter Registerwechsel. Vor allem die Arie "Per pieta, ben mio" wurde zu unumstrittenen musikalischen Höhepunkt des Abends.
Fiordiligi (Melba Ramos) und Dorabella (Tina Hörhold)
Wie ein Fels in der Brandung trotzen die beiden Frauen der Verführung. Doch ganz allmählich senkte sich der Sockel herab. Zögernd betritt das Idealbild den Boden der Tatsachen. Die ersten Schritte auf dem Bühnenboden scheinen schön und schmerzhaft zugleich. Eindrucksvoll vermittelten die Darstellerinnen die vielschichtige innere Wandlung der Figuren. Unter der Oberfläche des Dramma giocoso loderte in der Wuppertaler Inszenierung ein "Inferno der Leidenschaft." Jedoch sorgte das Orchester unter der Leitung von George Hanson mit raschen, mitreißenden Tempi dafür, dass die Mozartsche Leichtigkeit an keiner Stelle verloren ging. Den wankelmütigen, unbeständigen Charakter des Stückes ließ bereits die energiegeladen musizierte Ouvertüre ahnen. Es schien als würde die Musik in verschiedensten Richtungen auseinander fließen. Kraftvolle, gewichtige Akzente standen in reizvollem Kontrast zu dem leichtsinnigen Fluss der Musik. Bühne und Orchester schienen sich gegenseitig zu beflügeln. Die sehr organisch wirkenden Impulse aus dem Orchestergraben, fielen in der stimmigen Inszenierung auf fruchtbaren Boden.
Durchweg überzeugendes Operndebüt des jungen Regisseurs Sebastian Hirn. Das Ensemble begeistert mit hervorragenden Mozart-Stimmen. Auch das Sinfonieorchester zeigt sich glänzend disponiert.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Chor
SolistenFiordiligiMelba Ramos
Dorabella
Guglielmo
Ferrando
Despina
Don Alfonso
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