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Paulinchen allein zu Haus' aber voll junky!Von Angela Mense
Trotzdem oder gerade weil das Lied von Tot und Leid episodisch wiederkehrt, ist Unterhaltung garantiert. Die Inszenierung (Nada Kokotovic) jongliert mit poetischer Groteske und minimalistischer Symbolik, wobei der leicht verstaubte moralische Zeigefinger Hoffmanns nicht ganz eindeutig gegen die bösen Buben und Mädchen gerichtet ist. Die spielen zwar ungehemmt mit dem Feuer und man freut sich mit Paulinchen über dieses überdimensionale Streichholz, das wie ein Feuerzeug funktioniert. Unter der Fuchtel der Erwachsenen werden die Kinder jedoch zum Erziehungsobjekt und nur als Täter können sie ein Stückchen Freiheit genießen.
Da sind ja noch die fürsorglichen Eltern, für die Familie und "standfester Glaube" der ganze Lebensinhalt bedeutet auf der Saarbrücker Bühne residieren sie in einem gläsernen Haus, in dem gerade mal ein Ehebett auf grünem Kunstrasen steht. Damit die Menschheit nicht ausstirbt, müssen sie sich ständig lieben die Regie läßt die Darsteller (Klaus Müller-Beck, Christiane Motter) Luftballons aufblasen. Da ist auch dieser Theaterdirektor-Gott (Hans Georg-Körbel), der in der Alten Feuerwache auch schon mal als transsexuelle Diva auftritt und der das munter-makabre Treiben mal aus der Distanz betrachtet, mal selber die Strippen zieht. "Das menschliche Bewußtsein ist voller Ungeheuer", so sein Urteil. Am Ende seiner Tirade erwähnt er, dass er in Wien auf der Schauspielschule war.
Falsche Bescheidenheit wäre hier auch völlig fehl am Platz, denn die Produktion überzeugt nicht nur mit schauspielerischen Talenten. Auch gesungen wird in echter Dreigroschenoper-Manier. Rein musikalisch ist Shockheaded Peter so der Originaltitel der 1998 in London uraufgeführten Junk Opera aber auch ein dankbares Stück. Junk heißt so viel wie Trödel, Ramsch, Schund und erfreut sich seit einiger Zeit als Modewort ungebrochener Beliebtheit. Junk Art ist Kunst aus Abfallprodukten.
Für den Struwwwelpeter machte sich Song-Schreiber Martyn Jacques von den Tiger Lilies ans Recyclen. Was dabei herauskam, ist ebenso unbeschreiblich wie die Musik, mit der er seit 1989, der Gründung der Band, internationale Erfolge feiert. Die fünf Musiker, die in Saarbrücken ganz unauffällig als Struwwelpeter verkleidet im Bühnenbild integriert sind, spielen in klassischer Jazz-Formation auch mit unklassischen Instrumenten auf. Da wird beispielsweise auf Bouzuki und Gümbüz gezupft. Der Percussionist kann sich so ziemlich auf allem austoben, was ein schmuddeliger Keller so hergibt von abgenutzten Besen über leere Blechkanister bis hin zum Rattenkäfig ist alles dabei. Es ist doch nicht alles Abfall, was als veraltet abgetan wird.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungUli Schreiber Inszenierung Bühne Kostüme Dramaturgie Regieassistenz und Abendspielleitung
BandKlavier, AkkordeonUli Schreiber
Banjo, Bouzuki, Ballalaika, Gümbüz
Klarinette, Baßklarinette,
Kontrabass
Percussion
SolistenTheaterdirektorHans-Georg Körbel Vater Mutter Kinder Karen Köhler, Max Landgrebe, Christian Taubenheim
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