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Arianna in Nasso
Dramma per musica in drei Akten
Musik von Nicolò Porpora
Dichtung von Paolo Rolli

Deutsche Fassung (in zwei Teilen)
von Christine Jarnot und Berthold Warnecke

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (eine Pause)

Premiere im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen Münster
am 17.11.2002
Rezensierte Aufführung: 19.11.2002


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Städtische Bühnen Münster
(Homepage)

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Ein packendes "Musikdrama"

Von Gerhard Menzel / Fotos von Michael Hörnschemeyer



Mit Arianna in Nasso von Nicolò Porpora nahmen die Städtischen Bühnen Münster - nach Händels Julius Cäsar, der in der letzten Spielzeit seine Premiere erlebte - eine weitere Barockoper in den Spielplan auf. In diesem Fall handelte es sich sogar um eine deutsche Erstaufführung. Nicolò Porpora sollte für Münster allerdings kein unbekannter sein, liegen doch zahlreiche Autographe und Abschriften in der heimischen Santini-Bibliothek.

Nicolò Porpora wurde 1686 - ein Jahr nach Georg Friedrich Händel - in Neapel geboren und als bedeutendster Gesanglehrer des 18. Jahrhunderts gefeiert. Selbst ein Schüler Scarlattis, war er Lehrer von Hasse, Farinelli, Cafarelli und Maria Antonia Walpurgis, deren Oper Talestris - am Tag der Premiere von Porporas Arianna in Münster - als Abschluss der 27. Tage Alter Musik in Herne zur (konzertanten) Aufführung kam.

Porpora wurde 1733 nach London berufen, wo er die "Opera of the Nobility" als Konkurrenz zu Händels Opernunternehmen überaus erfolgreich leitete. Er engagierte die besten ausländischen Gesangskräfte, die er zum Teil sogar von der Truppe Händels abwarb. Charakteristisch für Porporas Werke ist vor allem die außergewöhnliche Sensibilität für die menschliche Stimme. Joseph Haydn, der zeitweise sein Schüler, Kopist und Cembalobegleiter war, verdankte die wesentlichen Grundlagen des italienischen Dramma per musica dem Einfluss Porporas.


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Antiope (Heike Grötzinger) trifft auf ihre Rivalin Arianna (Nathalie de Montmollin).

Auch seine Arianna in Nasso, die den vielfach vertonten Stoff um die Tochter des kretischen Königs Minos aufnimmt, die dem jungen Helden Theseus in Liebe verfällt, der allerdings schon mit Antiope liiert ist, zeigt die spezifischen musikalisch-dramatischen Eigenheiten des Neapolitaners: kantable Melodik, virtuose Deklamation in den Rezitativen, zahlreiche Accompagnato Rezitative, die auch losgelöst von einer obligat folgenden Arie größere Szenenzusammenhänge schaffen, und vor allem ein farbenreiches, zum Teil sehr differenziert besetztes Orchester, mit dem durch harmonische und klangliche Füllstimmen der Bläser nicht mehr nur Melodiestimme und Generalbass dominieren, sondern ein "neuer" Stil manifestiert wird, der letztendlich die Entwicklung zur "Frühklassik" einleitet. Dieser führt damit weg von Händel und hin zu Gluck. Die Übersetzungsprobleme bei der in Münster aufgeführten deutschen Fassung sind von Christine Jarnot und Berthold Warnecke dabei so gut als möglich gelöst worden.

Die am 29. Dezember 1733 am Lincoln's Inn Field Theatre uraufgeführte Arianna in Nasso, wurde übrigens zum erfolgreichsten Werk Porporas und stellte sogar Händels wenige Wochen später an der Royal Academy aus der Taufe gehobene Arianna in Creta in den Schatten.


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Antiope (Heike Grötzinger) klärt Arianna (Nathalie de Montmollin) über den untreuen Theseus auf.

Als Arianna stand in Münster Nathalie de Montmollin im Zentrum des Geschehens, die schon als Cleopatra im Julius Cäsar eine überzeugende Leistung bot. Ihre große Szene als verzweifelt Liebende - im ergreifenden Zusammenspiel mit der Oboe - gehörte zu den vielen herausragenden Momenten der Aufführung. Ihr durchaus ebenbürtig, gestaltete Heike Grötzinger ihre Rivalin Antiope. Judith Gennrich, die neu im Ensemble der Städtischen Bühnen ist, begeisterte sowohl durch ihre junge, warme, ausgeglichene und geschmeidige Stimme, als auch durch ihre starke darstellerische Ausstrahlung als Theseus. Trond Gudevold (der allerdings so seine Probleme mit der Artikulation und Phrasierung hatte) und Suzanne McLeod - in ihrer inszenatorisch stark aufgewerteten Rolle - rundeten das insgesamt hervorragend singende und spielende Ensemble ab.

Im Gegensatz zu Händels Julius Cäsar in der vergangenen Spielzeit, gelang es dem Dirigenten Andreas Wolf und den Mitgliedern des Symphonieorchesters der Stadt Münster dieses Mal wesentlich besser, die Musik Porporas farbig und lebendig zu gestalten, wenn auch die Differenziertheit von "barockisierender" Aufführungspraxis nicht erreicht wurde. Obwohl das Orchester auf der linken Seite des Raumes neben dem Publikum platziert war und der Dirigent mit dem Rücken zur Bühne keinen direkten Kontakt mit den Sängern hatte, war das Zusammenspiel erstaunlich präzise, wenn auch (noch) etwas massiv und zum Teil unflexibel.


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Arianna (Nathalie de Montmollin) ist auf Theseus (Judith Gennrich) mehr als nur wütend.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Duett Arianna (Nathalie de Montmollin) - Theseus (Judith Gennrich)
(MP3-Datei)


Die intelligente und spannende Inszenierung von Benedikt Borrmann präsentiert eine Rahmenhandlung um die eigentliche Geschichte herum, die einen geschlossenen Rahmen bildet und für überraschende Geschehnisse sorgt.

Als "Kunstmäzen" und Inszenator des Spiels, ordnet Onaro während der Ouvertüre zunächst die Requisiten, wie Krone, Schwert und den roten Faden der Ariadne. Passend zu seinen Spielfiguren auf einer Labyrinthscheibe, wählt er sich anschließend die Protagonisten: zunächst seine Hauptperson (Ariadne) aus der ersten Reihe des Publikums, dann das dritte Horn (!) aus dem Orchester (Peirithoos), den Platzanweiser (Theseus), sowie die zu spät kommende Besucherin (Antiope).


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Theseus (Judith Gennrich) greift nach der Krone.

Das Spiel beginnt vor einer Palastfassade, die sich von Szene zu Szene in einzelne Segmente auflöst. Der sich zu "Schicksalsfäden" wandelnde "Ariadnefaden", nimmt die Stärke von Schiffstauen an und verdeutlicht in der Abfolge der Szenen die seelische Verstrickung der Protagonisten. Die schlichte, aber sehr aussagekräftige Ausstattung von Pia Oertel spitzt die Entwicklung des Dramas auch optisch zu, indem im zweiten Teil (nach der Pause) nur noch Fragmente der Architektur zurückbleiben und sich auch die Kostüme langsam "auflösen".

Die Personenführung von Benedikt Borrmann wirkt vor allem durch die Konzentration auf das Wesentliche, wobei viele ruhige Momente mit starken und intensiv gestalteten Szenen - besonders beim Zusammentreffen von Ariadne und Antigone, bzw. von Antiope und Theseus - kontrastieren.

Im überraschenden Ende, nachdem Theseus Antiope mit dem von Onaro zugespielten Messer umgebracht hat, feiert sich der Mäzen - bei der finalen Vernissage zur Antiken-Ausstellung mit obligatem Katalog und Sekt - im Bilde von Tintorettos "Triumph des Bacchus".



FAZIT

Die spannende Inszenierung, die eindrucksvolle visuelle Umsetzung und eine durchaus respektable musikalische Interpretation, lassen diese Produktion zu einem besonderen Erlebnis werden.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andreas Wolf

Regie
Benedikt Borrmann

Ausstattung
Pia Oertel

Dramaturgie
Berthold Warnecke



Symphonieorchester der
Stadt Münster

Statisterie der Städtische
Bühnen Münster


Solisten

Arianna
Nathalie de Montmollin

Antiope
Heike Grötzinger

Theseus
Judith Gennrich

Bacchus (Die freie Gottheit)
Suzanne McLeod

Peiritoos
Trond Gudevold






Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Städtischen Bühnen Münster
(Homepage)






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