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Salome

Musikdrama in einem Aufzug von Richard Strauss
nach dem gleichnamigen Schauspiel von Oscar Wilde
in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern am 14. September 2002
(rezensierte Vorstellung: 17. September 2002)


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Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Hausfrauenerotik aus Oberammergau

Von Sebastian Hanusa / Fotos von Klaus Baqué


Satire oder Oberammergau – Alternativen werden von Kulisse und Kostümen nicht vergönnt. Eine monumentale Palastfassade aus Sandstein mit ebensolcher Terasse füllt die Bühne, auf dem Rückprospekt geht der Mond über gezackten Bergen unter. Vielleicht standen Historien-Bilder des 19. Jahrhunderts Pate – die Wirkung auf den Betrachter ist indes gänzlich anachronistisch: Wenn auf einer straussschen Opernbühne Sänger in römischen Rüstungen oder sandfarbenen Tuniken herumstehen, König Herodes den obligaten Lorbeerkranz schräg auf seinem Tetrarchenhaupt hängen hat und die Damen in wallenden Cäseren-Tüchern umherlaufen, denkt man unwillkürlich an Monty Python's Life of Brian oder Asterix. Von der morbiden Sinnlichkeit des Fin de siecle fehlt indes jede Spur.

Vergrößerung Bald wird Narraboth merken,...

Es ist völlig schleierhaft, wie der Regie führende Sängerstar Bernd Weikl auf die Idee verfallen ist, seine Salome a la Sandalenfilm zu inszenieren, während das Stück schon zur Uraufführung keine historistische Ausstattungsoper, sondern psychoanalytisch durchsetztes Drama über den Kulturgegenstand Eros gewesen ist. Über die peinliche Ausstattung wäre hinwegzusehen, wenn wenigstens der Rest der Produktion sich sehen ließe. Leider setzt sich auch hier der Reigen der Unzulänglichkeit fort: Außer einigen wenigen, ob ihrer Trivialität fast schon skurrilen Bewegungsklischees scheint der Regisseur über keine gestische Sprache für differenzierte Charakterisierung zu verfügen. Das zielsichere Umherstehen der Protagonisten war unter diesen Umständen schon als Glücksfall zu bezeichnen. Denn dort, wo der gestaltende Furor der Regie losbrach, war kein Halten mehr:

Vergrößerung ...dass Salome ihn nur umgarnt um den Propheten zu sehen.

Herodes Lüsternheit seiner Stieftochter gegenüber geriet während des Schleiertanzes zu einer albernen Herumgewälze, welches dadurch noch weiter ins Groteske gesteigert wurde, dass er sich die legendären sieben Schleier um den Hals wickelte, als gelte es, einer drohenden Erkältung vorzubeugen. In seiner vorgeblichen geilen Trunkenheit erinnerte Herodes mehr an einen deutschen Spießbürger als einen orientalischen Machthaber. Ähnliches ließe sich über die anderen Rollenanlagen sagen: Herodias ist eigentlich mehr die Hausfrau, die ihren dekorativen Kuschel-Henker dabei hat, Salome geht als bockiges, verzogenes Töchterlein durch – derweil die Laszivität der femme fatale auf der Strecke bleibt – bei der Darstellung des Propheten Johanaan und der zänkischen Juden werden Topoi verstaubtester Provenienz hervorgekramt, die man eigentlich nur noch bei besagten bayrischen Passionsfestspielen milde nachsichtig durchgehen ließe. Zu allem Überfluss durfte das Publikum erst die nackten Brüste einiger Statistinnen – Salomes Dienerschaft –, in ihrem Schlussmonolog auch noch den entblößten Oberkörper von Salome Janice Hall bewundern: "Erotik komm raus, du bist umstellt!"

Vergrößerung Salome macht Herodes Sorgen.

Verdeckt von der Regie wurde die erstaunliche Tatsache, dass sich das Pfalztheater mit Salome einen ziemlichen Brocken aufgehalst hat, mit dem der neue Intendant Johannes Reitmeier sein Haus ordentlich fordertat. Festzuhalten ist, dass sich gerade in musikalischer Hinsicht das Ergebnis sehen hören lassen kann. Das Orchester unter GMD Francesco Corti meisterte die komplexe Partitur spielsicher, die anspruchsvollen Bläserpartien wurden technisch sauber und höchst musikalisch ausgeführt. Lediglich in Phrasierung und Klangfarblichkeit hätte ein extrovertierteres Spiel den gelungenen Gesamteindruck abrunden können.

Ebenfalls beachtlich war die Leistung der Sänger. Janice Hall, vom eher lyrischen Fach kommend, gestaltete ihre Debut als Salome mit bewundernswerter Hingabe, vielen Ausdrucksnuancen und einer technisch sicheren Höhe, betonte insbesondere die gesanglicheren Seiten der Partie. Neben der gewohnt überragenden Susan McLean als Herodias gab Lawrence Bakst einen ausdrucksstarken Herodes, der leider immer gegen die Regie anspielen mußte. Eine positive Überraschung war Erwin Feith als Narraboth mit seinem noch jungen, strahlenden und klaren Tenor und überdies mit einer überdurchschnittlichen Textverständlichkeit. Leider litt die darstellerische Leistung der Sänger insgesamt unter der Inszeniernug, unter der teilweisen völligen Ignoranz des musikalischen durch das szenische Geschehen.


FAZIT
Es bleibt zu hoffen, dass der Fehlstart nicht symptomatisch für die neue Intendanz am Pfalztheater ist. Ansonsten droht der Abstieg in die Unterklassigkeit.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Francesco Corti

Inszenierung
Bernd Weikl

Bühne
Horst Thom

Kostüme
Henriette Schumacher

Choreographie
Eva Reinthaller

Dramaturgie
Andreas Bronkalla



Das Orchester
des Pfalztheaters Kaiserslautern


Solisten

Herodes
Lawrence Bakst

Herodias
Susan McLean

Salome
Janice Hall

Jochanaan
Peter Kovacs

Narraboth
Erwin Feith

Ein Page
Barbara Bräckelmann

Erster Jude
Mario Podrecnik

Zweiter Jude
Bernhard Schreurs

Dritter Jude
Jung-Baik Seok

Vierter Jude
Anatoli Botscharnikow

Fünfter Jude
Eric Erlandsen

Erster Nazarener
Plamen Hidjov

Zweiter Nazarener
Jacek Jacunski

Erster Soldat
Carlos Andueza

Zweiter Soldat
Miroslaw Maj

Ein Cappadocier
Dmitri Oussar

Ein Sklave
Shin Nashino

Ein Henker
Eddie Sanders


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




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