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Hausfrauenerotik aus Oberammergau
Von Sebastian Hanusa /
Fotos von Klaus Baqué
Es ist völlig schleierhaft, wie der Regie führende Sängerstar Bernd Weikl auf die Idee verfallen ist, seine Salome a la Sandalenfilm zu inszenieren, während das Stück schon zur Uraufführung keine historistische Ausstattungsoper, sondern psychoanalytisch durchsetztes Drama über den Kulturgegenstand Eros gewesen ist. Über die peinliche Ausstattung wäre hinwegzusehen, wenn wenigstens der Rest der Produktion sich sehen ließe. Leider setzt sich auch hier der Reigen der Unzulänglichkeit fort: Außer einigen wenigen, ob ihrer Trivialität fast schon skurrilen Bewegungsklischees scheint der Regisseur über keine gestische Sprache für differenzierte Charakterisierung zu verfügen. Das zielsichere Umherstehen der Protagonisten war unter diesen Umständen schon als Glücksfall zu bezeichnen. Denn dort, wo der gestaltende Furor der Regie losbrach, war kein Halten mehr:
Herodes Lüsternheit seiner Stieftochter gegenüber geriet während des Schleiertanzes zu einer albernen Herumgewälze, welches dadurch noch weiter ins Groteske gesteigert wurde, dass er sich die legendären sieben Schleier um den Hals wickelte, als gelte es, einer drohenden Erkältung vorzubeugen. In seiner vorgeblichen geilen Trunkenheit erinnerte Herodes mehr an einen deutschen Spießbürger als einen orientalischen Machthaber. Ähnliches ließe sich über die anderen Rollenanlagen sagen: Herodias ist eigentlich mehr die Hausfrau, die ihren dekorativen Kuschel-Henker dabei hat, Salome geht als bockiges, verzogenes Töchterlein durch derweil die Laszivität der femme fatale auf der Strecke bleibt bei der Darstellung des Propheten Johanaan und der zänkischen Juden werden Topoi verstaubtester Provenienz hervorgekramt, die man eigentlich nur noch bei besagten bayrischen Passionsfestspielen milde nachsichtig durchgehen ließe. Zu allem Überfluss durfte das Publikum erst die nackten Brüste einiger Statistinnen Salomes Dienerschaft , in ihrem Schlussmonolog auch noch den entblößten Oberkörper von Salome Janice Hall bewundern: "Erotik komm raus, du bist umstellt!"
Verdeckt von der Regie wurde die erstaunliche Tatsache, dass sich das Pfalztheater mit Salome einen ziemlichen Brocken aufgehalst hat, mit dem der neue Intendant Johannes Reitmeier sein Haus ordentlich fordertat. Festzuhalten ist, dass sich gerade in musikalischer Hinsicht das Ergebnis sehen hören lassen kann. Das Orchester unter GMD Francesco Corti meisterte die komplexe Partitur spielsicher, die anspruchsvollen Bläserpartien wurden technisch sauber und höchst musikalisch ausgeführt. Lediglich in Phrasierung und Klangfarblichkeit hätte ein extrovertierteres Spiel den gelungenen Gesamteindruck abrunden können. Ebenfalls beachtlich war die Leistung der Sänger. Janice Hall, vom eher lyrischen Fach kommend, gestaltete ihre Debut als Salome mit bewundernswerter Hingabe, vielen Ausdrucksnuancen und einer technisch sicheren Höhe, betonte insbesondere die gesanglicheren Seiten der Partie. Neben der gewohnt überragenden Susan McLean als Herodias gab Lawrence Bakst einen ausdrucksstarken Herodes, der leider immer gegen die Regie anspielen mußte. Eine positive Überraschung war Erwin Feith als Narraboth mit seinem noch jungen, strahlenden und klaren Tenor und überdies mit einer überdurchschnittlichen Textverständlichkeit. Leider litt die darstellerische Leistung der Sänger insgesamt unter der Inszeniernug, unter der teilweisen völligen Ignoranz des musikalischen durch das szenische Geschehen.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungFrancesco Corti
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreographie
Dramaturgie
SolistenHerodesLawrence Bakst
Herodias
Salome
Jochanaan
Narraboth
Ein Page
Erster Jude
Zweiter Jude
Dritter Jude
Vierter Jude
Fünfter Jude
Erster Nazarener
Zweiter Nazarener
Erster Soldat
Zweiter Soldat
Ein Cappadocier
Ein Sklave
Ein Henker
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- Fine -