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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Gediegenheit auf hohem Niveau
Von Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre
Die Fledermaus ist "die" klassische Operette schlechthin. Die Musik kombiniert wie keine andere wienerische Beschwingtheit mit Pariser Spritzigkeit. Immerhin war es 1864 Jacques Offenbach, der Johann Strauß aufforderte: "Sie sollten Operetten schreiben!" Strauß hielt sich daran und so fand 1874 die Uraufführung der Fledermaus in Wien statt.
Beim entfernen der Gurkenmaske darf man auch schon einmal naschen.
Klangbeispiel:
Claudia Rohrbach (Adele), aus: "Spiel ich die Unschuld vom Lande" (3. Akt) (MP3-Datei)
Helmuth Lohner, der nach seinem großen Erfolg mit Offenbachs Banditen dem Kölner Publikum in den letzten Jahren schon so manchen genüsslichen Abend beschert hatte, inszenierte die Fledermaus nun ganz nah an der französischen Vorlage von Le Réveillon, einer Komödie von Henri Meilhac und Ludovic Halévy. In ihr spielt sich das ganze Geschehen am Weihnachtsabend ab, mit den für Frankreich so typischen Maskenbällen. Folglich sind auch gleich in der ersten Szene Schneefall und ein Schneemann mit angesetzten Fledermausflügeln zu sehen. Nachdem sich im von Rolf Langenfass entworfenen Bühnenbild das Innere des Hauses Eisenstein eindrucksvoll in die Winterlandschaft hineingedreht hat, wird auch der - wie das ganze Interieur der Eisensteins - schwarz-weiße "Edel-Weihnachtsbaum" sichtbar.
"O je, o je, wie rührt mich dies!"Gabriel von Eisenstein (Thomas Mohr) und seine Gattin Rosalinde (Noëmi Nadelmann) müssen sich von einender losreißen.
Obwohl auch die Kostüme von Rolf Langenfass - abgesehen vom orangeberauschten Ball des Prinzen Orlowski - in schwarz-weiß gehalten sind, tritt nicht diese aus vielen "modernen" Inszenierungen bekannte optische Langeweile auf. Stattdessen herrscht morbide Eleganz, auch wenn sie zum Teil nur angedeutet ist.
Prinz Orlofsky (Ute Döring) umringt von den "Ballettratten". Die Personenführung von Helmuth Lohner und die von ihm mitbearbeiteten Dialoge halten sich stark an die von Otto Schenk über viele Jahre produzierten Inszenierungen (bis hin zum puppenstubenhaften Gefängnis). Wer diese kennt, trifft daher immer wieder auf alte Bekannte. Neue Akzente setzt - naturgemäß - der Gefängniswärter Frosch, der hier von dem Urgestein Herbert Feuerstein interpretiert wird. Nach Ralf Morgenstern in den Banditen gelang es dem Kölner Haus erneut, einen einem Millionenpublikum bekannten Frosch zu präsentieren. Da er nun kein Bühnenschauspieler ist und keine den Raum füllende Sprechstimme besitzt, wird er elektronisch verstärkt, was zwar akustisch etwas irritiert, aber letztendlich immer noch die beste aller denkbaren Möglichkeiten ist. Vor allem seine Seitenhiebe auf die Kölner Lokalpolitik wurden vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen (ein bekanntlich sehr dankbares und ergiebiges Thema).
Gabriel von Eisenstein (Thomas Mohr) zieht bei der maskierten, "ungarischen Gräfin" (Noëmi Nadelmann) seine "Uhrennummer" ab.
Immerhin muss man den Verantwortlichen der Kölner Oper zu Gute halten, dass sie für Die Fledermaus - auch wenn es sich "nur" um eine Operette handelt - ein international erfolgreiches Produktionsteam engagierten und auch darüber hinaus auf gute Qualität setzten. Neben Helmuth Lohner gilt das vor allem für Friedrich Haider, der als international gefragter Dirigent auch in Sachen Fledermaus viel unterwegs ist. Was er an "wienerischem Charme" aus dem groß besetzten Gürzenich-Orchester/Kölner Philharmoniker herauszaubert ist schon aller Ehren wert. Ohne Affekthascherei und äußerliche Effekte lässt er die Musik von Johann Strauss als ein regelrechtes "Walzerfest" musizieren. Die Musik atmet, ist klanglich sehr ausgeglichen und trägt die Stimmen wie auf einem sanft dahingleitenden Strom.
Frosch (Herbert Feuerstein) und Gefängnisdirektor Frank (Ulrich Hielscher) beim morgendlichen Rapport. So präsentiert sich hier auch Noëmi Nadelmann nicht als gefeierte Verdi-Diva, sondern als attraktive Rosalinde, die sich ständig über das merkwürdige Verhalten der Männer wundert und zumindest in Gedanken einem "feurigen" Liebhaber durchaus nicht abgeneigt ist. Verständlich, bei einem zwar "knuddeligen", für amouröse Abenteuer immer zu habenden, aber für seine Gattin dennoch langweiligen Gabriel von Eisenstein, den Thomas Mohr ebenfalls mit ungeheurem Spieleinsatz und geschmeidiger Stimme verkörpert.
"Spiel ich die Unschuld vom Lande..."Adele (Claudia Rohrbach) demonstriert Ida (Britta Hadeler) und Gefängnisdirektor Frank (Ulrich Hielscher) ihre schauspielerischen Fähigkeiten.
Auch Marko Kathol als jugendlich frischer Alfred und Andrew Collis als gestandener Notar Dr. Falke sind rollengerecht besetzt. Schon ein eingespieltes Team und aus den Banditen noch in bester Erinnerung, gestalten Ulrich Hielscher den anscheinend kurz vor seiner Pensionierung stehenden Gefängnisdirektor Frank, Ute Döring den gelangweilten und durch seine "Weisheiten" ebenfalls langweilenden Prinzen Orlofsky und Martin Finke die Advokatenkarikatur Dr. Blind. Den größten Erfolg heimste allerdings Claudia Rohrbach als quirlige Adele ein. Mit ihrem behenden, leuchtenden Sopran, ihrem lebhaften Temperament und ihrer raumgreifenden Bühnenpräsenz setzt sie dieser Produktion die Krone auf und wurde auch zu Recht gefeiert.
Ein musikalisches und szenisches Fest für ein Entspannung suchendes Publikum. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Licht
Chor
Solisten* AlternativbesetzungGabriel von Eisenstein Thomas Mohr
Rosalinde
Frank, Gefängnisdirektor
Prinz Orlofsky
Alfred
Dr. Falke, Notar
Dr. Blind
Adele
Ida
Frosch
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- Fine -