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Pelléas et Mélisande
Lyrisches Drama
Musik von Claude Debussy
nach der gleichnamigen Dichtung von Maurice Maeterlinck

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Premiere am Theater Hagen
am 21. September 2002


Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)

Keine Nähe im Wartesaal des Lebens

Von Meike Nordmeyer / Fotos von Olaf Struck


Die Lebenskraft der Jugend und der Liebe vermögen im Schloss Allemonde nichts auszurichten. Eine unheimliche, finstere Atmosphäre des Siechtums und des Verfalls bestimmt vielmehr diesen Ort, wie Maurice Maeterlinck ihn in seiner Dichtung Pelléas et Mélisande entwirft, die der Oper Debussys zugrundeliegt. Das von der Außenwelt abgeschiedene Ausharren, die schmerzliche Vereinzelung der Seelen macht Marcus Lobbes in seiner Hagener Inszenierung besonders deutlich. Er lässt die Geschichte in einem Einheitsbühnenraum spielen, der anmutet wie ein kühler, unpersönlicher Wartesaal im öffentlichen Raum. Bald wird deutlich, dies ist ein Wartesaal besonderer Art, denn es ist eine Anstalt. Da gibt es kein Entrinnen, keine Heilung, keine Therapie. Pflegepersonal ist nicht in Sicht, keine Kontaktmöglichkeit also zu einer eventuell intakten Außenwelt, die so etwas wie Objektivität gegenhalten könnte. Das Leiden ist hier die eigene unentrinnbare Subjektivität, auf die jeder zurückgeworfen bleibt. Die empfundene Beziehung zu den Anderen ist nur eine weitere Verstrickung in die eigenen Sphären und gerät stets enttäuschend, denn eine echte Nähe ist nicht möglich.

Besonders eindrucksvoll ist diese Anstaltssituation, in der die Figuren immer nur um sich selbst kreisen, durch die schlichte Drehbühnenkonstruktion von Pia Maria Mackert dargestellt. Von dem Raum, der zunächst zu sehen ist, kann durch eine breite Glasfläche in einen hinteren Raum gesehen werden. Zwei Türen rechts und links des Glases führen in diesen zweiten Saal. Dreht sich die Bühne dann um ihre eigene Achse, zeigt sich, dass der hintere Raum von genau gleicher Gestalt ist. Immer wieder wird sich die Bühne wenden und immer wieder nur das Gleiche zeigen. Flüchten die Personen also durch die Türen, so treffen sie doch immer nur wieder auf das selbe Spiel, schauen sie durch die Glasscheiben, sehen sie wieder nur die eine Geschichte, in die sie verstrickt sind - und ihr Spiegelbild im Glas blickt sie dabei an.

Szenenfoto

Was geschieht mit mir? Mélisande (Magdalena Bränland) wartet.

Da hat auch der ein oder andere seine bevorzugte Tür. Golaud kommt immer durch die von vorne gesehen rechte Tür, Pelléas durch die linke. Mellisande wird schließlich, von Golaud herausgefordert, durch die rechte Tür dem Pelléas folgen. Die Personenregie zeigt sich stets sehr genau gearbeitet und wird von den Sängerdarstellern anspruchsvoll und mit starker Bühnenpräsenz umgesetzt. Ein dichtes, trotz eher wenig Bewegung spannendes Spiel entsteht. Im Zentrum natürlich die Mélisande, deren kindliche, lichte Gestalt Magdalena Bränland schön verkörpert. Sie zeichnet die Figur dabei aber auch als höchst eigen, durchaus mutwillig und immer schon sehr traurige Person.

Szenenfoto Marilyn Bennett als Mutter Geneviè und Jae Jun Lee als König Arkel.

Ein starkes Regiekonzept konnte da also umgesetzt werden, das seine Wirkung nicht verfehlt. Einzuwenden wäre da nur, dass im fortschreitenden Verlauf der Geschichte die Darsteller dann doch häufiger gegen den Text anspielen bzw. eben nicht spielen, was sie da singen. Hier hätte es sicher noch Möglichkeiten gegeben, mehr auf den Text hinzuarbeiten. Etwas enttäuschend war zudem, dass zum Schluss dann doch noch das Pflegepersonal auftritt. Geschieht dies, um dann noch mal die Anstaltsituation zu erklären? Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Die Verlassenheit der Menschen im Anstaltsleben ohne Therapie und Hilfe von außen - das ist ein starkes Bild, bei dem es hätte bleiben können. Dass die Pflegerinnen sich hübsch aufreihen, um sich dann gleichzeitig abzuwenden, wirkt da als unnötiger, als aufgesetzter Effekt.

Szenenfoto

Pelléas (hier Dominik Wortig, in der Premiere Bernd Valentin) wirbt um Mélisande.

Das Sängerensemble brachte sowohl schauspielerisch als auch musikalisch anspruchsvolle Leistung. Magdalene Bränland singt die Mélisande mit heller, klarer Stimme, sehr sicher und nicht ohne Substanz. Trotz sehr zarter Töne bleibt die Figur allerdings überraschend kühl, wirkt mitunter fast innerlich unbeteiligt und eher mutwillig, denn leidend. Diese Gestaltung passt aber in besonderer Weise zur Inszenierung. Mathias Mann gibt den Golaud mit kräftiger, warmer Stimme, entwirft eine starke, massiv drängende Persönlichkeit, lässt dabei aber auch Raum für verinnerlichte Töne und bietet so eine komplexe Darstellung der Figur. Bernd Valentin macht schönstimmig mit geschmeidigen Ton den verzweifelt Liebenden hörbar. Mit würdiger Ausstrahlung geben Marilyn Bennett die Mutter Geneviè und Jae Jun Lee den König Arkel. Beachtlich gestaltet wird auch die Partie des Yniold durch Sarahlouise Owens.

Das Orchester unter der Leitung von Georg Fritzsch entwickelt äußerst plastisch eine farbige Klangatmosphäre und zeigt sich dabei hochkonzentriert. Besonders schön tönen die Holzbläser. Nur gelegentlich, so bei dem Liebesduett von Pelléas und Mélisande, hätte noch etwas feiner ausgelotet werden können und mitunter hätte das Dirigat noch stärker gemeinsam mit den Sängern den Fortgang entwickeln können. Insgesamt ergibt sich aber eine sehr überzeugende musikalische Ausgestaltung aller Beteiligten.


FAZIT
Die ambitionierte, spannende Inszenierung wird durch anspruchsvolle musikalische Ausführung trefflich ergänzt.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Georg Fritzsch

Inszenierung
Marcus Lobbes

Ausstattung
Pia Maria Mackert

Choreinstudierung
Uwe Münch

Dramaturgie
Wolfgang Haendeler



Opernchor des Theaters
Hagen
Philharmonisches Orchester
Hagen



Solisten

* Besetzung der Premiere

Arkel
Jae Jun Lee

Geneviève
Marilyn Bennett

Golaud
Matthias Mann

Pélleas
*Bernd Valentin /
Dominik Wortig

Mélisande
Magdalena Bränland

Yniold
Sarahlouise Owens

Ein Hirte / Ein Arzt
Arnd Gothe



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen (Homepage)




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