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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Offenbach fürs WohnzimmerVon Nina Henkelmann und Sabine Ultes
Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die zwölf Aufführungstermine fanden in Kneipen und Rathaussälen saarländisch-lothringischer Grenzorte statt. Wohnzimmeratmosphäre also, obwohl keiner so recht wußte, wer denn jetzt bei wem zu Gast war - die Zuschauer bei den Darstellern oder die Darsteller bei den Zuschauern. Gemütlich war es allemal, nicht nur wegen der besonderen und mittlerweile vielfach ausgeschlachteten Nähe zwischen Aufführenden und Zuschauern. Schließlich kennt auf dem Land jeder jeden und so ersetzte eine überschwenglich herzliche Begrüßungszeremonie im "Zuschauerraum" die Ouvertüre. Auch das Personal war deutlich abgespeckt. Schließlich braucht es für die Intrige nur drei Darsteller. Zwei wären auch zu wenig, denn die schöne Straßensängerin, La Périchole genannt, und ihr Liebhaber Piquillo sind trotz Armut ein glückliches Paar. Eines Tages lädt der Vizekönig Don Andrès La Périchole zum Abendessen ein. Sofort sieht sie darin die Chance, ihrem Schicksal zu entkommen. Denn für eine rechtmäßige Heirat mit Piquillo braucht sie Geld. Sie verlässt ihren Geliebten, der daraufhin mit Suizid-Gedanken spielt. Währenddessen muss der Vizekönig feststellen, dass er nur dann ein Stelldichein mit der schönen Sängerin haben darf, wenn sie verheiratet ist. So macht er sich auf die Suche nach einem beliebigen freien Mann und trifft – wie soll es anders sein – auf Piquillo, den er sogleich mit La Périchole verheiratet. Natürlich erfahren die Verliebten erst sehr viel später von der Identität des jeweils Anderen. Das erlaubt es Prosper Mérimée – der auch schon die Vorlage für Carmen geschrieben hat, die Story spannend zu machen, bevor das erwartete Happy End eintritt. Chamaux kürzte nicht nur, er erfand auch neu: Die Protagonisten Piquillo (Gorka Robles Alegria) und La Périchole (Claudia Mauro) begleitete lediglich ein Pianist (Christophe Fossemalle), und das sowohl musikalisch als auch verbal, denn er griff immer wieder überraschend und mit mehr oder weniger passenden Worteinwürfen in die Handlung ein. Auch der Ort des Geschehens kam ohne aufwendige Requisiten aus. Ein bescheidenes Mobiliar bestehend aus zwei Stühlen, einem Tisch und einem Fernsehgerät genügte für eine sparsame Aufführung. So mußte Bertrand Monbaylet (Don Andrès) nicht persönlich durch die Dörfer ziehen. Er war nur auf dem Fernsehbildschirm zu sehen und kommunizierte mit den beiden anderen Darstellern via Videokassette. Auch Tinte und Papier waren zu aufwendig: La Périchole spricht ihren Abschiedsbrief an Piquillo einfach auf das Band eines Diktiergeräts. Die beiden Darsteller überzeugten durch temperamentvolle Präsenz sowie ausdrucksstarke Stimmen. Und das in den unmöglichsten Körperhaltungen, beispielsweise auf dem Boden liegend oder auf einem Esel reitend, hier durch zwei Stühle ersetzt. Auch der Pianist stimmte kräftig in das ein oder andere Lied mit ein oder übernahm spritzig einen Part. Das Publikum fühlte sich wie zu Hause und ließ es sich auch nicht nehmen, bei den bekannten Melodien fröhlich einzusetzen und klatschend teilzuhaben. Insgesamt fand die recht freie Interpretation großen Anklang, selbst wenn die ursprüngliche Intention komplett in den Hintergrund trat. Das Publikum nahm die subtile Ironie und Bouffonnerie als locker-seichte Unterhaltung.
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ProduktionInszenierung Klavier / SolistenLa Perichole Piquillo Don Andrès
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- Fine -