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Dido und Aeneas

eine Oper von Henry Purcell

Aufführung im Forbacher Burghof
am 14. Februar 2003


Ein Gastspiel mit Pannen

Von Angela Mense

Peinlich, wenn man erst vor vollem Saal merkt, dass der Konzertflügel verstimmt ist. Und das, obwohl der Klavierstimmer das gute Stück kurz vor Konzertbeginn nochmal durch seinen absoluten Gehörgang gepresst hat. Naja, kann ja mal passieren. War sicher ein böser Luftzug. Nur gab es aus Anlass des letzten Kammermusik-Abends der Forbacher Bühne Le Carreau kein Klavier, sondern ein Cembalo zu stimmen – es stand mit Purcells Dido und Aeneas die Lieblingsoper aller Alte-Musik-Fans auf dem Programm. Die instrumentale Verstimmung schien jedoch der Auftakt zu einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen zu sein.

Da war zum einen der Umstand, daß die Oper konzertant aufgeführt wurde, was die Ankündigung verschwieg. Hätte man doch vorher mal eben im Opernführer nachgeschaut, um zu verstehen, was denn da jetzt genau geliebt, verhext, betrogen, gelitten und gestorben wird. Denn weder die spärlichen Andeutungen im Programmheft noch die peinlich verzagte Mimik und Gestik der Sänger halfen, einen hochdramatischen, auf eine Stunde kondensierten Plot zu verstehen. Und – ein dramaturgischer Kunstgriff ins Klo: Man schob zur Verlängerung des Abends einige Highlights aus Purcells The Fairy Queen zwischen den 1. und 2. Akt. Dido und Aeneas hatten sich gerade das Ja-Wort gegeben, da ertönten die wunderbaren Einschlaf-Arien der Feen für ihre Königin. Das Programmheft schweigt, das Publikum denkt sich seinen Teil – oder auch nicht.

Mit Sicherheit wurde es um hohe Dramatik und echte Gefühle betrogen. Dabei hätte man so gerne mitgelitten: Auf dem Heimweg von Troja begegnet Aeneas der Karthager-Königin Dido. Er verliebt sich in sie und muß schwer um sie werben, denn sie fühlt das Schicksal nicht auf ihrer Seite. Und als hätte sie´s geahnt, verschwören sich Hexen gegen sie, die ihnen das junge Glück nicht gönnen. Die Oberzauberin nimmt als Merkur verkleidet Aeneas den Schwur ab, Dido zu verlassen. Dido macht Aeneas eine Szene. Als er sieht, was er angerichtet hat, will er den Schwur brechen und bleiben. Doch sie schickt ihn weg mit der Drohung, sich sonst umzubringen. Kaum ist er gegangen, muß sie sich eingestehen, daž sie ohne ihn auch nicht kann, singt das berühmte Lamento "When I am laid in earth" und stirbt.

Insgesamt folgte die Aufführung unter der Leitung Jérôme Correas´ einem strengen Minimalismus, der sich rein äußerlich gut in die Intimität des Auditoriums Burghof fügte. Das Kammerorchester war mit dem Ensemble Les Paladins auf fünf Instrumentalisten inklusive Continuo-Gruppe und Konzertmeister geschrumpft. Rätsel gab die Besetzung der acht Chor- und Solo-Sänger auf. So mußte Stéphanie Revidat ihr lyrisch-dramatisches Potenzial zurückstecken, um der hellen, leichten Sopranpartie der Belinda gerecht zu werden – was nur streckenweise gelang. Da brach ein klares, vollmundiges Timbre und eine souverän beherrschte Dramatik hervor, die man bei Claire Brua als Dido schmerzlich vermisste. Die Stimme war nödelig belegt – aber vielleicht hatte sie ja einen Frosch im Hals. Steife Körperhaltung und ein Minenspiel, das zwischen ausdruckslos und hoch leidend keine Nuancen bereit hielt – ein Hexenschuss?

Bezaubernd dagegen war der Vortrag der übrigen Sänger, nicht nur in den Hexen- und Matrosenszenen, die sowohl Publikum als auch Chor erheiterten. Pascal Bertin gab mit glattem Alto-Timbre einen würdigen Oberhexer. Caroline Pelon ließ ihren Charme als Gefolgsdame und Hexe nicht nur durch Präsenz und Ausstrahlung, sondern auch durch eine ganz eigene stimmliche Brillanz spielen. Matthieu Lecroart interpretierte seinen Aeneas als schwächlichen, leidenden Helden mit sanfter Baritonstimme. Professionalität bewiesen die Sänger auch in den Ensemble-Partien, in denen Chor- und Solostimmen in einen satten, schlanken Chorklang aufgingen.

Entzaubert wurde die musikalische Performance nicht nur durch verstimmte Instrumente. Der ordnenden Hand Jérôme Correas´ entglitt mehr als einmal die Autorität über die dynamische und virtuose Prägnanz und Harmonienfülle, die Purcells Musik zu bieten hat. Streckenweise langweilte eine etwas müde Interpretation, das Ensemble-Spiel schien wenig aufeinander abgestimmt. Zudem sollte der Einsatz des Orgelpositivs den Orchesterklang dort aufpeppen, wo das Streichquartett der elegischen Intensität nicht gerecht wurde. Dann wurde dem "heidnischen" Mythos plötzlich die sakrale Schwere eines christlichen Gottesdientes aufgepfropft. Aber das war sicher ein Versehen...


FAZIT

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jérôme Correas


Ensemble Les Paladins

Solisten


Dido
Claire Brua

Aeneas
Matthieu Lecroart

Belinda
Stéphanie Revidat

Zauberin
Pascal Bertin

2. Gefolgsdame / 1. Hexe
Caroline Pelon

2. Hexe
Patricia Gonzales

1. Seemann
Lior Leibovici

2. Seemann
Mathieu Heim





Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Le Carreau Forbach
(Homepage)




Da capo al Fine

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