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Belsazar
Oratorium in drei Akten
Text von Charles Jennens
Musik von Georg Friedrich Händel

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Premiere im Theater Bonn
am 11. Mai 2003


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Theater Bonn
(Homepage)
Biblisches Drama in eindrucksvollen Bildern
Von Gerhard Menzel / Fotos von Thilo Beu


Händels dramatisches Oratorium Belsazar basiert auf einem Text von Charles Jennens und entstand in seiner letzten Schaffensphase. Es wurde 1745 (drei Jahre nach dem Messiah) am Londoner King's Theatre uraufgeführt und handelt von Krieg und Terror in Babylon; ein leider immer noch aktuelles Thema:


Vergrößerung in neuem Fenster Belsazar (Viktor Sawaley) wird von seiner Mutter Nitocris (Anja Vincken) eindringlich gebeten, dem zügellosen Treiben ein Ende zu setzen.

Während der hochmütige König Belsazar mit einem blasphemischen Bacchanal zum Sesach-Fest seinen Sieg über die Juden feiert, bereitet der Perserkönig Cyrus die Eroberung Babylons vor. Auf dem Höhepunkt der Ausschweifungen erscheint eine unheimliche Schrift an der Palastmauer, die erst der jüdische Prophet Daniel zu entschlüsseln weiß. Das Menetekel verheißt dem Tyrannen das Ende und den Untergang seines Reiches.

Obwohl das Oratorium den Titel Belsazar trägt, spielt dieser im Geschehen eigentlich nur eine Nebenrolle. Trotzdem gelingt es Viktor Sawaley durch seine wendige Tenorstimme und seinen ungezügelten Spieltrieb, der Figur des lasterhaften und frevelnden Despoten Kontur zu geben.


Vergrößerung in neuem Fenster

Belsazar (Viktor Sawaley) bedient sich
seiner willfährigen Konkubienen und Lustknaben.

Im Zentrum des Stückes stehen dagegen zwei andere Personen:

Zum einen Belsazars Mutter Nitocris, die der Weisheit des Propheten Daniel vertraut und alles daran setzt, ihren Sohn auf den rechten Weg zurückzuführen. Anja Vincken gestaltete diese Rolle mit all ihrem stimmlichen und darstellerischen Können und verleiht damit der Figur in der Tat biblische Größe.

Zum anderen dominiert der persische König Cyrus, als Gegenspieler Belsazars und Hoffnungsträger der nach Babylon deportierten Juden die Szene. Susanne Blattert, wieder einmal in einer von ihr oft verkörperten „Hosenrolle“, macht diesen Cyrus zu einem Ereignis. Mit ihrer leicht ansprechenden, klaren Stimme, den eben geführten Übergängen in die Tiefe und in die Höhe, und ihrer Leichtläufigkeit in den Koloraturen, gehört sie in die erste Reihe der Mezzosopranistinnen ihres Fachs.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Cyrus (Susanne Blattert)
(MP3-Datei)


Als Gegenpol zu dem intensiv gestaltenden Martin Tzonev als aufgewühlten assyrischen General Gobrias, dessen Sohn von Belsazar ermordet wurde und der daraufhin zu den Persern übergelaufen ist, wirkt David Cordier als weiser, jüdischer Prophet Daniel gefasst und voller Zuversicht, was er auch stimmlich eindrucksvoll umsetzt.


Vergrößerung in neuem Fenster Die Hand Gottes setzt Zeichen:
"Mene mene tekel upharsim -
Die Tage Deiner Herrschaft sind gezählt;
Gott hat Dich gewogen und für zu leicht befunden;
Dein Reich wird zerteilt werden."

Fein dosiert wirkt auch die Interpretation des niederländischen Dirigenten und Barock-Spezialisten Jos van Veldhoven. Die Mitglieder des Orchesters der Beethovenhalle Bonn, die durch eine speziell ausgesuchte Continuogruppe ergänzt sind, spielen für ihre Verhältnisse sehr stilsicher, was eine gute Voraussetzung für eine geschlossene musikalische Wiedergabe bildet.

Das erstaunlichste an dieser Produktion ist allerdings die Präsenz der Chöre. Wenn auch nicht alles perfekt und fehlerfrei war, wirkten der Opern- und Extrachor des Theaters Bonn jedoch hervorragend einstudiert; eine außerordentliche Leistung von Chordirektorin Sibylle Wagner. Die herausragende Qualität der Chorszenen überrascht um so mehr, da sie von Regisseur Dietrich Hilsdorf oft regelrecht als choreographierte Orgien inszeniert sind.

Nach dem überwältigenden Erfolg mit Saul im Sommer 2001 brachte Dietrich Hilsdorf nun zum zweiten Mal einen von Händel vertonten, alttestamentarischen Stoff, der von Hochmut und Fall, von Verbrechen und Strafe handelt, auf die Bonner Opernbühne. Dass er dabei die unmittelbar assoziierbaren Ereignisse in der Gegenwart nicht platt übernimmt, kam der Intensität der Produktion sehr zu Gute. Neben einigen Selbstzitaten hält sich Dietrich Hilsdorf auffallend zurück und erzählt die Geschichte stringent und ohne aufgesetzte Mätzchen. Sogar der Tod Belsazars ereignet sich völlig unspektakulär, aber die Szenen haben trotz allem eine starke Ausstrahlung.


Vergrößerung in neuem Fenster

Während Daniel (David Cordier) noch im Hintergrund kauert,
nehmen Nitocris (Anja Vincken) und Cyrus (Susanne Blattert)
vom besiegten Belsazar (Viktor Sawaley) Abschied.

Der Einheitsraum von Dieter Richter, in dem sich das ganze Geschehen ereignet, ist ein gewaltiges, mit neogotischen Anklängen versehenes Treppenhaus. Die Fenster sind zum Teil zugemauert. Während der bunt gemischten babylonischen „Spaßgesellschaft“ die oberen Etagen vorbehalten sind (an den Treppenstufen steht deutlich „Jewish not allowd“ zu lesen), müssen sich die schwarz gewandeten Juden mit den Kellergewölben begnügen.

Die Personenführung von Dietrich Hilsdorf ist bis ins Kleinste ausgefeilt und damit für Ungenauigkeiten bei späteren Aufführungen, in denen die Konzentration vielleicht nicht mehr so groß wie in der Premiere ist, durchaus anfällig. So jedoch zeichnet sie scharf und lässt das Stück zu einem regelrechten „Musikdrama“ werden. Auf jeden Fall geht sein Konzept voll auf, bei dem die persischen „Befreier“ keine Elitesoldaten sind, sondern eine „feine“, „hochzivilisierte“ und „vornehme“ Gesellschaft in schicken, sandfarbenen Kleidern und Anzügen (Ähnlichkeiten mit gegenwärtigen Zuständen sind wohl nicht rein zufällig!).


FAZIT

Ein „Gesamtkunstwerk“ von szenischer und musikalischer Kongruenz wurde vom Publikum zu Recht ausgiebig gefeiert.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jos van Veldhoven

Inszenierung
Dietrich Hilsdorf

Bühne
Dieter Richter

Kostüme
Renate Schmitzer

Licht
Thomas Roscher

Chor
Sibylle Wagner



Opernchor und Extrachor
des Theaters der
Bundesstadt Bonn

Statisterie des Theaters
der Bundesstadt Bonn

Orchester der
Beethovenhalle Bonn


Solisten

Belsazar
Viktor Sawaley

Nitocris
Anja Vincken

Cyrus
Susanne Blattert

Daniel
David Cordier

Gobrias
Martin Tzonev

Arioch
Algis Lunskis



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Bonn
(Homepage)



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