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Messa da Requiem
Szenische Einrichtung der Messa da Requiem von Giuseppe Verdi


Wiederaufnahme im Theater Basel am 10. April 2003
(Premiere im Mai 2001)


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Theater Basel
(Homepage)
Sehnsucht nach Erlösung

Von Ina Schabbon



Verdis Messa da Requiem lässt sich sicherlich als Summe seines Opernschaffens bezeichnen. Hier wie dort erlangt die Musik ihre Theatralik durch starke Kontraste. Und wie in Verdis Opern geht es auch in seiner Totenmesse letztendlich um die Darstellung menschlicher Affekte, um Angst, Auflehnung, Mitleid, Resignation, Staunen und Schrecken, allerdings in viel unmittelbarer elementarer Form, da nicht eingebettet in eine Handlung. Am Theater Basel wagte Andreas Homoki bereits in der Spielzeit 2000/2001 das Experiment, Verdis Totenmesse für die Bühne zu inszenieren und war damit so erfolgreich, dass die Produktion jetzt wieder aufgenommen wurde.

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Der vorgelagerte eiserne Vorhang öffnet sich wie ein überdimensionierter Lastenaufzug und gibt den Blick auf eine große Menschenmenge frei. Und vom ersten Einsetzen der Musik an wird klar, dass diese Inszenierung sich völlig an der Musik orientiert, dass quasi die musikalische Struktur die szenische auslöst. Hier macht sich wohltuend bemerkbar, dass Homoki selbst musikalisch ausgebildet ist. Mit sparsamen Mitteln - beweglichen Platten, einer Treppe, vier sich drehenden Quadern (Bühnenbild: Hartmut Meyer) und magischer Lichtregie (Hermann Münzer) - gelingt ihm eine ungemein zwingende Darstellung menschlicher Grundbefindlichkeiten, wie sie in Verdis Musik ausgedrückt werden. Das erste fast gemurmelte "Requiem aeternam" bleibt noch ganz statisch, auch die Einwürfe der Solisten geschehen noch aus dem Kollektiv heraus. Szenenwechsel zum "Dies irae": Grelles Licht, Gesten des Schreckens und der Abwehr bei den Darstellern, eine Platte senkt sich herab und treibt die Menschen fluchtartig nach vorne. Jetzt erst lösen sich die Solisten aus der Gruppe und durchleiden als Individuen verschiedene menschliche Situationen. Stark z.B. das verzweifelte Festklammern am Versprochenen ("Quam olim Abrahae") im Offertorio.

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Dieser Wechsel zwischen Kollektivierung und Vereinzelung zieht sich durch die gesamte Inszenierung und bildet quasi ihre Struktur. Die Verzweiflung des Einzelnen, seine Auflehnung, sein Flehen, auch sein Mitleid werden im letzten Bild aufgehoben, das Individuum geht in der Gemeinschaft auf, wird erlöst. Doch schließen sich vor diesem Bild zum Schluss die Flügel des Bühnenportals und blenden die in strahlendem weiß gehaltene Szene von der Erlösung aus. Damit bleibt alles hypothetisch, lässt es sich als menschliche Illusion, als Wunschvorstellung interpretieren.

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Dass der Abend die Zuhörer emotional so stark in seinen Bann zu ziehen vermochte, lag neben der zwingenden szenischen Umsetzung ganz stark auch an der musikalischen Leistung. Und hier sei allen voran der phantastische Chor des Theater Basel genannt, der sich mit durchschlagender Präsenz, strahlenden Höhen und exakter Deklamation präsentierte. Unter den Solisten beglückt vor allem Janina Baechle, die ihren vollen Mezzosopran biegsam bis in höchste Höhen zu führen vermag und eine satte Tiefe besitzt. Auch Elena Pankratovas Sopran lässt wenig zu wünschen übrig: nobles Timbre, strömendes Legato, nur bei Vokalansätzen in der Höhe hin und wieder etwas forciert. Wunderschön und innig das "Recordare" der beiden Frauenstimmen, ein Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Martin Snell verfügt über einen nicht sehr großen aber ungemein weichen und geschmeidigen Bass, und der Tenor des Rumänen Alexandru Badea klingt in der Mittellage strahlend, ist aber nicht gut in die Höhe geführt und wird dort eng.

Baldo Podic hält mit unglaublich präziser rechter Hand den großen Apparat zusammen und gestaltet die extremen Kontraste der Verdischen Musik sehr plastisch und dennoch transparent. So werden auf einmal Spielfiguren hörbar, die sonst oft im großen Klang untergehen, ohne dass aber die Musik zergliedert würde. Das Sinfonieorchester Basel musiziert auf gewohnt hohem Niveau mit minimalen Intonationstrübungen im Holz und bei hohen Streicherstellen. Langanhaltender Publikumsjubel.


FAZIT

Gelungene Visualisierung eines geistlichen Werkes und musikalischer Hochgenuss.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Baldo Podic

Inszenierung
Andreas Homoki

Bühnenbild
Hartmut Meyer

Kostüme
Mechthild Seipel

Licht
Hermann Münzer



Chor des Theater Basel
Sinfonieorchester Basel


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Sopran
Paoletta Marrocu /
* Elena Pankratova

Mezzosopran
Janina Baechle

Tenor
Alexandru Badea

Bass
Kevin Short /
* Martin Snell



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Basel
(Homepage)



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