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Orpheus in der Unterwelt
Opera buffon in zwei Akten (vier Bildern)
Musik von Jacques Offenbach in der Fassung von 1858 mit Einschüben
Text von Hector Crémieux und Ludovic Halévy


Premiere im Theater Basel am 13.10.2002
rezensierte Aufführung: 20.10.2002


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Theater Basel
(Homepage)
Big Ömli is watching you

Von Ina Schabbon



Der Blick durchs Schlüsselloch kennzeichnet Katharina Thalbachs Orpheus-Inszenierung in Basel. Schon vor Beginn wird das Publikum von einem riesigen Auge durch ein überdimensionales Schlüsselloch fixiert, um dann - Perspektivenwechsel - durch ebendieses Schlüsselloch in den Treppenaufgang eines Wohnhauses zu blicken, der den ersten Schauplatz für die entmythologisierte Geschichte von Orpheus und Eurydike abgibt. Der Blick des Voyeurs also, kongenial umgesetzt von Bühnenbildner Momme C. Röhrbein. Auch später, bereits in der Unterwelt, ist es wieder das Spiel mit den Perspektiven, wenn Göttervater Jupiter, als Fliege verkleidet, durch das Schlüsselloch in einen überdimensionalen Kleiderschrank eindringt, in dem Eurydike vor ihm versteckt wurde. Die Öffentliche Meinung verkörpert in besonderem Maße den Voyeurismus, für den die Schlüssellöcher stehen. Sie ist hier doppelt besetzt als waschechtes baseldütsches Ehepaar Öm, (mit kabarettistischem Schwung: Catriona Guggenbühl und Urs Bihler). Nachdem die Eheleute, die sich gegenseitig zärtlich "Ömli" nennen, mit vereinten Kräften Orpheus dazu gezwungen haben, Eurydike von Jupiter zurückzufordern, blickt wieder das riesige Auge vom Anfang durch das Schlüsselloch. Ganz klar, wer hier die Macht hat: Big Öm is watching you!

Thalbach begegnet in ihrem Operetten-Regiedebüt der unterhaltsamen Gattung ansonsten ganz unideologisch und mit viel Liebe zum Detail, ohne vor Slapstick bis an die Grenzen des Klamauks zurückzuschrecken. Das Ergebnis ist eine durch und durch spritzige, temporeiche und durchweg unterhaltsame Inszenierung mit neu gefassten Dialogen, in denen auch kleine Seitenhiebe auf zeitgenössische Berühmtheiten nicht fehlen. Da wirft die gelangweilte Eurydike ihrem Gatten vor, nur ein einfacher Musikschullehrer zu sein, aus dem nie ein André Rieu werde, da telefoniert der ansonsten jovial schwadronierende Jupiter (eine Paraderolle für Guntbert Warns) kleinlaut mit seiner Mutter, da versucht Pluto (teuflisch vital: Joachim Nimtz), sich mit Elvis-Einlagen beim Göttervater einzuschleimen und die Götter auf ihrem pseudobarock umwölkten Olymp treten in Streik, weil sie die Götterspeisen satt haben. Anspielungen auf die Gesellschaft des zweiten Kaiserreiches sucht man vergeblich, doch gerade deswegen fällt es der Regisseurin so leicht, auf unsere eigene Zeit Bezug zu nehmen. Witz und scharfe Ironie gehen dadurch keineswegs verloren.

Das Basler Sinfonieorchester präsentiert sich unter Michael Hofstetter in glänzender Form. Die Stärken des jungen Dirigenten, der seit 2001 Chef des Orchestre de Chambre Genève ist, liegen vor allem im Gestalten des Orchesterklanges. Sololinien modelliert er mit sehr sprechenden Gesten und auffällig ästhetischen Bewegungen, so dass die Einleitung vor dem ersten Bild zum Genuss wird. Sein Zugriff auf Offenbachs nach wie vor zündende Musik mit ihren Zitaten, Wiederholungen und bacchantischen Steigerungen ist packend und voller Esprit. Hin und wieder mangelt es ein wenig an der Koordination von Bühne und Graben, hier könnte ein etwas kapellmeisterlicheres Dirigat nicht schaden.

Sängerisch wird durchweg erfreuliches geboten. Vincent Karche (Orpheus) zeigt warme, lyrische Qualitäten, doch klingt die Höhe leicht eng. Catherin Swanson (Eurydike) überzeugt vor allem mit ihren Koloraturen. Exzellent allerdings der Chor: Klangschön und ausgewogen. Und dass die Sänger mit ihren schauspielerischen Leistungen allesamt an die ihrer Schauspiel-Kollegen heranreichen, verdient wohl eine Hervorhebung. Ebenso leisten die Schauspieler sängerisch durchaus solides. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass bei der Besetzung das Schauspielerische Vorrang vor dem Sängerischen hatte. Dadurch kommt es zu einer Aufführung mit hohem Körpereinsatz und voller Spielfreude bis hin zum letzten Vorhang.


FAZIT

Eine spritzige, temporeiche Inszenierung, die Lust auf mehr Operette von Katharina Thalbach macht.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Michael Hofstetter

Inszenierung
Katharina Thalbach

Bühnenbild
Momme Röhrbein

Kostüme
Angelika Rieck

Licht
Hermann Münzer

Dramaturgie
Beate Breidenbach

Chor
Henryk Polus

Choreographie
Darie Cardyn



Chor des Theater Basel
Sinfonieorchester Basel


Solisten

Orpheus
Vincent Karche

Pluto
Joachim Nimtz

Jupiter
Guntbert Warns

Styx
Norbert Swientek

Merkur
Gernot Kern

Eurydike
Catherine Swanson

Juno
Barbara Lotzmann

Diana
Evelyn Meier

Mars
Martin Baumeister

Minerva
Waltraud Danner-Herrmann

Venus
Rita Ahonen

Cupido
Naoko Horii-Kaethner

Öffentliche Meinung
Catriona Guggenbühl
und Urs Bihler

Höllenhunde
Peter Schulte, Dogukan Terchan

Tänzerinnen
Sarah Botkin
Darie Cardyn
Julia Cheremeteff
Judith Müller
Mirjam Niederöst
Maja Ribi
Sylvia Steven
Alexandra Studer



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Basel
(Homepage)



Da capo al Fine

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