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Mit dem dunklen Schicksal alleingelassen
Von Meike Nordmeyer / Fotos von Milena Holler
Feierliche Aufstellung in der Kirche: Chor der Wuppertaler Bühnen, Wuppertaler Kurrende, vorne rechts: Gerd Grochowski als Scarpia.
Düster ist sie, die Geschichte der Tosca, denn sie wird bestimmt von grausamer Machtausübung, rücksichtslosem Begehren, Mord und Selbstmord. Ja, die Liebe kommt natürlich auch vor, doch vermag sie nichts auszurichten gegen den unheilvollen Lauf der Ereignisse. Dunkel zeigt Regisseur Johannes Weigand daher die Geschichte von Anfang an: im schwarzen Einheitsbühnenbild werden die Figuren eng umstellt von schwarzen kahlen Wänden. Eine Leiter in der Kirche, ein Tisch im Palast von Scarpia - sonst gar nichts. Da stehen die Personen denn auch ziemlich allein da. Die Personenführung geht nicht über konventionelle Schritte und übliche Gesten der Einzelnen und das blockhafte Aufmaschieren der Vielen in der Kirche hinaus - eine beliebige Tosca-Darstellung, wie schon hundertmal gesehen.
Mächtige Präsenz bietet Gerd Grochowski als Scarpia. Rechts Pieter Roux als Cavaradossi. Die Kostüme von Judith Fischer sind zurückhaltend im Stile um 1800 gehalten. Einzige Farbtupfer in der Inszenierung bilden im Gegensatz zu den dunklen Talaren und Uniformen Cavaradossis strahlend weißes Hemd zur Weste und Toscas hellgelbes Gewand mit zartem Schleier, später der blutrote Mantel, der natürlich vorausmahnt. Farbe steht für die Persönlichkeit und das Gefühl des Liebepaares gegenüber der bösen Macht und dem dunklen Schicksal. Bald werden die Liebenden mit ihrem unschuldigen privatem Glück unrettbar in den Strudel um die politischen Ereignisse verwickelt. Eine besondere Charakterisierung des Hauptpaares bleibt aber leider aus, Cavaradossi tupft im Künstler-Ausgeh-Look ein wenig mit dem Pinsel herum, Tosca läuft gerade mal etwas aufgeregt hin und her. Die Darsteller werden sich selbst überlassen auf der leeren Bühne. Am besten zurecht kommt damit noch Gerd Grochowski, der als Scarpia starke Bühnenpräsenz bietet. Auf die einzige, recht wirkungsvolle Aktion der Inszenierung muss der Zuschauer bis zum dritten Akt warten. Die Wände lösen sich vom Boden, bewegen sich nach oben und geben den Blick auf den Grundriss des Raumes frei: ein großes Kreuz. Die Bewegung geht bühnentechnisch allerdings nicht ohne Gepolter vonstatten. Tosca und Cavaradossi, die sich im Gefängnis vor der vermeintlich vorgetäuschten Hinrichtung im Liebesduett der Illusion ihrer Rettung hingeben, sitzen wie Kinder auf dem Boden und singen zum Publikum hin. Überzeugen kann die Szenerie damit auch nicht. Nicht nur von der Inszenierung sehen sich die Darsteller alleingelassen, auch das Orchester unter der Leitung von George Hanson trägt wenig zur Unterstützung der Solisten bei. Insgesamt erklingen die Instrumentalisten sehr gut disponiert, bieten konzentriertes Spiel und schöne Soli. Ein besonderer Kontakt zwischen Bühne und Orchestergraben ist jedoch nicht zu bemerken. Hanson treibt die Sänger mitunter, gewährt nur eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten. Die Leitung des Orchesterparts gelingt zuverlässig, aber wenig profiliert, ohne besondere dramatische Entwicklung und Akzentuierung erklingt der musikalische Fluss, und vermag dabei nicht besonders zu bewegen.
Roberta Alexander als Tosca, die gerade getötet hat. Mit Roberta Alexander konnte ein nahmhafter Gast für die Titelrolle engagiert werden. In der dramatischen Partie der Tosca vermochte die Sängerin allerdings mit dem offenbar angestrebten Fachwechsel ausgehend von der lyrischen Stimme nicht zu überzeugen. Die benötigte strahlende Stimmkraft voll Leidenschaft und Verzweiflung blieb aus, in der Höhe machten sich Probleme bemerkbar, vor allem ein ungünstig großes Vibrato ließ die Stimme leicht scheppern bei bemühter Intonation. Mit Gesang und Bühnendarstellung konnte Alexander nicht einnehmend für die Figur der Tosca wirken. Pieter Roux als Cavaradossi hingegen zeigte sich souverän stimmsicher und klangschön. Ein besonders charaktervolles Bild der Figur entwickelte er jedoch nicht. Seine präsentes Spiel als Scarpia konnte Gerd Grochowski volltönig mit kultivierter Stimmführung anspruchsvoll füllen. Zuverlässig erklangen auch die Nebenrollen, Hartmut Bauer zum wiederholten Male am Wuppertaler Opernhaus als der Mesner, ebenso Arthur Friesen bewährt in der Partie des Spoletta. Sehr erfreulich auch die Leistung des Chors und Extrachors der Wuppertaler Bühnen und die Knaben der Wuppertaler Kurrende, als mehrere Hirtenjungen. Musikalische Überzeugungkraft also in dieser Premiere nicht im Zentrum der Bühne.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Chor
Einstudierung des Kinderchors
SolistenFloria ToscaRoberta Alexander
Mario Cavaradossi
Baron Scarpia
Cesare Angelotti
Der Mesner
Spoletta
Sciarrone, Gendarm
Ein Gefängniswärter
Ein Hirt
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