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Helden unter Beschuss
Von Silvia Adler
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Fotos von Jürgen Diemer Leicht haben sie es wirklich nicht die Männer ... Selbst in der Operette nicht. Gleich zu Beginn hagelt es Spott und Häme. Wenig zimperlich wird in Gerd Leo Kucks Wuppertaler Inszenierung des Schokoladensoldaten von Oscar Straus mit dem starken Geschlecht umgesprungen: Männer sind Schweine hämmert es dem Publikum entgegen. Hat man(n) das verdient?
Schon zurück aus dem Krieg? Der tapfere Spiridoff wird im heimeligen Anwesen von Aurelia (links) und Nadina herzlich erwartet.
Zugegeben: Besonders gentlemenlike ist es nicht, wie sich der zwischen die Fronten geratene Schweizer Geschäftsmann Bumerli den Damen gegenüber verhält: Erst flüchtet er ins Schlafzimmer der jungen Nadina, lässt sich mit Schokolade durchfüttern und verbringt die Nacht in ihrem Bett. Am nächsten Morgen ist er spurlos verschwunden. Nicht mal die Handynummer hat er hinterlassen; dafür prahlt er ungeniert mit seinen Eroberungskünsten - natürlich ausgerechnet vor Nadinas Verlobten, dem bulgarischen Muskelprotz und Kriegshelden Alexius...Das Duell lässt nicht lange auf sich warten. Von allen Komponisten der "silbernen Operettenära" ist Oskar Straus wohl der zeitkritischste. Vor dem historischen Hintergrund des Balkankrieges von 1885 liefert er mit dem Schokoladensoldaten eine hintersinnige Abrechnung mit Männlichkeitswahn, militaristischem Pathos und falsch verstandenem Heldentum. Mit Bumerli rückt Straus erstmals einen bekennenden Anti-Helden ins Zentrum der turbulenten Operetten-Handlung, dem das Naschen allemal sympathischer ist, als das Sterben.
Macht euch die Kriegshelden untertan! Mascha zeigt am Beispiel Spiridoffs, wie das geht.
Mit Mut zu schriller Überzeichnung trifft Kucks Inszenierung zielsicher den Nerv des satirisch zugespitzten für eine Operette ungewöhnlich kritischen - Werkes. Zu den lieblichen Klängen der Arie Wie schön ist dieses Männerbild wird vom Bühnenhimmel ein muskelbepackter Herold aus Pappmachee herabgesenkt, ausgestattet mit allen Attributen holder Männlichkeit: Die Cäsaren-Schärpe umspannt den idealgeformten Leib, mit Grandezza trägt das Haupt den Heiligenschein. Wirklich gemein, dass er plötzlich ohne die knielange Unterhose dasteht.
Auch dem markig aufmarschierenden Soldatenchor ergeht es nicht besser: Eingepfercht in Genitalschützer und groteske Uniformen werden sie als tumbe Kampfmaschinen vorgeführt. Schwere Zeiten für Helden der große Alexius erscheint als Karikatur mit Sonnenbrille und Leoparden-T-Shirt.
Wenig diplomatisch bringt Bumerli es auf den Punkt: Um ein Held zu sein, braucht man vor allem eine gehörige Portion Dummheit!
Die Damen an der Heimatfront (von links: Mascha, Nadina, Aurelia) haben nur eines im Sinn: Männer. Sehr rätselhaft ist dabei, dass die Wuppertaler Bühnen auf allen Fotos Friederike Meinel als Nadina zeigen, obwohl Lea-ann Dunbar die Premiere sang. Ob das an der mindestens ebenso rätselhaften Schreibweise von Frau Dunbars Vornamen liegt?
Viel frischen Wind in die Inszenierung bringen dagegen Arthur Friesen und Pieter Roux, die als Oberst Popoff und Major Alexius darstellerisch alle Register ziehen.
Eine gute Vorlage liefert auch das Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Martin Braun, das mit federnder Leichtigkeit und einfühlsamer Phrasierung aufwartet. Leider ziehen einige Sänger musikalisch nicht immer am gleichen Strang was häufig den Schwung der Phrasen kostet!
Zeitkritik im Walzertakt; modern und witzig inszeniert; mit einigen sängerischen Höhepunkten und deutlichen Schwachstellen in den Dialogen. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Ausstattung
Dramaturgie
Chor
SolistenOberst PopoffArthur Friesen
Aurelia, seine Frau
Nadina
Mascha
Spiridoff
Bumerli
Hauptmann Massakroff
Stephan, Diener
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