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Das Bühnenspiel der Mächtigen
Von Meike Nordmeyer
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Fotos von Michael Hörnschemeyer Da steht Cesare in Siegerpose auf der Bühne, umgeben von Rängen eines festlichen Opernhauses, auf denen man sich die applaudierenden Massen vorzustellen hat. Regisseur Jakob Peters-Messer zeigt den jungen Mächtigen gleich beim ersten Auftritt als umjubelten Opernstar, der sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, in Pose stellt. Auf der Bühne des Welttheaters lässt er sich feiern.
Die Bühne der Öffentlichkeit bietet auch Cornelia (Judy Berry) Gelegenheit ihre Empörung über den Mord an ihrem Gatten zu zeigen.
In sinnreicher Verdoppelung durch ein Bühnenspiel auf der Bühne wird die Geschichte von Cleopatra und Cesare erzählt. Die geschickte Umsetzung dieses Konzeptes durch das Bühnenbild von Markus Meyer stellt beziehungsreiche Szenen her. In einen großen Rahmen ist eine Guckkastenbühne eingelassen, die zunächst die Bühne mit den festlichen hohen Rängen zeigt. Dieses Bild im Rahmen erweist sich als Teil einer Drehbühne, die sich alsbald in Bewegung setzt und das Spiel hinter den Kulissen zeigt, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zu sehen ist dann eine dunkle Gruft, in der Cornelia ihren ermordeten Mann betrauern und wiederholt Rache schwören wird. Neben den Zwischenräumen, in denen sich auf Hintertreppen reichlich Platz für die Verschwörer bietet, ist ein roter Raum von zentraler Bedeutung: direkt an der Rückseite der Bühne geben sich Cleopatra und Cesare ihrer Liebe hin. Das rote Licht strahlt schließlich bis zur anliegenden Opernbühne hinüber. Der Guckkastenbühne vorgelagert ist eine durchgehende Sitzbankreihe, die das vom Chor dargestellte Publikum von den Stars im Rampenlicht der Öffentlichkeit trennt. Die Sphären des inszenierten Spiels in der Öffentlichkeit und der Bereich des Privaten werden damit deutlich getrennt. Von den Hauptfiguren der Herrscherriege wird diese Trennlinie auffällig häufig übersprungen. Zwischendurch dient die Bank kurz als Ort der Ruhe, bevor die Helden als Helden wieder auf die Bühne treten müssen. Festgelegt auf die Position vor der Sitzreihe ist hingegen der Chor als das Publikum, das Cesare bewundert und begierig Autogramme wünscht.
Cesare (Veronika Waldner) bestraft Tolomeo (Raphael Plauß) mit Sekt statt mit dem Tod.
Die Oper Carl Heinrich Grauns wurde 1742 zur Eröffnung des "Königlichen Opernhaus Unter den Linden" in Berlin gespielt. Das Bühnenbild enthält mit seiner Ausgestaltung eines Opernraums nicht zuletzt eine gelungene Referenz auf diese bedeutende Uraufführung. Der Komponist ehrte mit dem Werk seinen Auftraggeber, den Aufklärungs-Fürsten Friedrich II. Demgemäß wird Cesare als der humanistische Herrscher gezeigt. Er ist ein Herrscher, der Abscheu vor der Bestrafung mit dem Tod hat, auch wenn es seinen Feind betrifft. Er erweist sich als selbstbeherrschter Herrscher, der auf Vergeltung verzichtet. Hier zeigt er Stärke, ansonsten ist er höchst beschäftigt mit seiner Schwäche, die er für Cleopatra hat. Die höchst intelligente, bildreich gelungene Inszenierung Peters-Messers zeigt in unangestrengter Manier die Aktualität, die der in stilistischer Hinsicht spätbarocken Repräsentationsoper Cleopatra und Cesare innewohnt. Sie erweist sich als zeitlose Parabel. Das Beziehungsgeflecht der Protagonisten ist als gesellschaftlicher Mikrokosmos zu verstehen, das natürlich den Schluss auf den Makrokosmos intendiert. Das dieserart fruchtbare Material, das die Opern der Barockzeit und der Frühklassik bieten, wird von den Regisseuren an den Opernhäusern zunehmend genutzt. So manch eine Entdeckung eines als aktuell erkannten Stoff findet derzeit in bewegter Ausgestaltung den Weg auf die Bühne. Mit der Wuppertaler Inszenierung reiht sich ein weiteres Meisterstück in die Aufführungsserie dieser frühen Opern ein. Besondere Sorgfalt legte die Regie ganz offenbar auf die Personenführung. Spannende und konzentrierte Bühnenaktion wird da geboten und das im bemerkenswert ausgewogenen Verhältnis zwischen Ruhe und Bewegtheit. Alle Ensemblemitglieder sind durch überzeugendes Agieren eingebunden und zeigen stimmiges Spiel. Herausragende Bühnenpräsenz entwickelt Melba Ramos als strahlend schöne Cleopatra.
Melba Ramos als strahlende Cleopatra.
Musikalisch ausgestaltet wurde das Werk von einem hervoragenden Sängerensemble. Als bestens einstudiert erweisen sich die mitunter halsbrecherisch schwierigen Partien. Stets klangvoll und präzise zusammen gelingen die Ensembles. Star des Abends ist Melba Ramos, mit gekonnt intonierten, perlenden Koloraturen und facettenreicher sängerischer Darstellung der Cleopatra. Judy Berry entfaltet ebenfalls große Koloraturen. Mit Rache- und Wahnsinnsarien hat sie schon so manches Mal in Wuppertal beeindruckt. Veronika Waldner erklingt in gewohnter hoher Qualität als Cesare. Tina Hörhold rundet das erlesene Frauenensemble mit leicht herb timbrierter Stimme sehr schön ab. Raphael Plauß als Tolomeo führt seine gemessene Tenorstimme anspruchsvoll durch die Partie. Beachtlich erklingt dazu Edgardo Zayas als Lentuolo, dessen Figur von der Regie besonders herausgearbeitet wurde. Getragen wird die Sängerschaft vom durchweg vital musizierenden Orchester, das in kleiner Besetzung mit klangfarbenreichem Spiel glänzt. Sorgsam wurde die Partitur unter der Leitung von Christoph Spering erarbeitet und auf Einbeziehung barocker Spielweise geachtet. Sehr genau gelingt der Zusammenklang mit den Sängern dank der hohen Aufmerksamkeit von Spering auf das Bühnengeschehen. Was für ein Glücksfall, wenn eine solch reichhaltige kluge Inszenierung mit so rundum gelungener musikalischer Umsetzung ausgefüllt wird.
Auf schlichter, höchst wirkungsvoller Bühne entfaltet sich ein beziehungsreiches, anregendes Spiel. In Verbindung mit der hervorragenden musikalischen Ausführung gelingt ein hochkarätiger Opernabend, den man auf keinen Fall versäumen sollte. Elena Fink als neue Cleopatra in der zweiten Aufführung
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Chor
SolistenCleopatraMelba Ramos
Cesare
Cornelia
Arsace
Cneo
Sesto
Tolomeo
Lentulo
Achilla
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E-Mail: oper@omm.de