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Musiktheater
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Il ritorno d'Ulisse in patria
Dramma per musica in tre atti
Musik von Claudio Monteverdi
Dichtung von Giacomo Badoaro


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Premiere der Wiederaufnahme einer Inszenierung
aus dem Jahre 1992 am 2. Oktober 2001
Besuchte Vorstellung: 5. Oktober 2001


Homepage Staatstheater Stuttgart

(Homepage)


Monteverdi für die heutige Zeit


Von Christoph Wurzel / Fotos von A.T. Schaefer


Der Stuttgarter Staatsoper hatten die Kritiker dreimal hintereinander (1998, 1999 und 2000) das Adelsprädikat "Oper des Jahres" verliehen. In diesem Jahr wurde dem Opernhaus in Graz der Lorbeer zuteil. Wirklich entthront worden dürfte Stuttgart allerdings dadurch nicht sein, denn die Qualität der Opernarbeit dieses Hauses ist gleichbleibend hoch. Dies gilt sowohl für die herausragenden Inszenierungen, wie die großartigen Ensembleleistungen und nicht zuletzt für die beispiellose Repertoirepflege, durch die Stuttgart sich aus der deutschen Opernlandschaft merklich heraushebt. Das Spektrum der Produktionen reicht von den frühen Opern Monteverdis und anderen Barockopern über zentrale Werke der Klassik (mehrere Mozart-Opern, Beethoven), den großen italienischen Belcanto-Opern (Bellini, Verdi, Puccini) über die klassische Moderne (Schreker) bis hin zum gegenwärtigen Musiktheater (Nono mit zwei Opern und neuerdings Lachenmanns Mädchen mit den Schwefelhölzern). Gleichberechtigt werden alle Epochen und Stile ernst genommen und mit zentral bedeutenden Werken dem Publikum vorgestellt. Aber auch manche Repertoirelücke, die der sonstige Musikbetrieb hinterlässt, wird gefüllt - in dieser Spielzeit ist z.B. Wagners Rienzi geplant, wenn auch nur in konzertanter Aufführung.

Von Monteverdi soll hier die Rede sein. Zwei seiner drei großen überlieferten Opern hat Stuttgart jüngst vorgestellt: in der vergangenen Spielzeit L'incoronazione di Poppea und in dieser Spielzeit Il ritorno d Úlisse in patria. Bei Letzterer handelt es sich um die Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahre 1992, für die der inzwischen verstorbene Regisseur, Bühnenbildner und bildende Künstler Axel Manthey verantwortlich war. Der Stuttgarter Opernchef Klaus Zehelein höchstselbst hat sich dieser Wiederaufnahme gewidmet und in umfangreicher Probenarbeit ist eine Produktion wieder erstanden, der man nicht anmerkt, dass sie bereits rund 25 Aufführungen erlebt hat - und dies noch vor 9 Jahren. An den beiden Monteverdi-Opern lässt sich beispielhaft ablesen, wie in Stuttgart ein Regietheater gepflegt wird, das dem Geist des Werks ebenso verpflichtet ist wie den Bemühungen, ein Kunstwerk der Vergangenheit auf die Fragen der Gegenwart hin auszuleuchten.
In der Poppea - leider steht sie in dieser Spielzeit nicht auf dem Spielplan- hatten die Regisseure Jossi Wieler und Sergio Morabito die Handlung aus der römischen Antike in die unmittelbare Gegenwart geholt und in schonungslosem Realismus auf eine spannende Weise die Wirkungsmacht der Erotik im Spannungsfeld von politischen und persönlichen Interessen gezeigt.

Bühnenfoto

Maria Theresia Ullrich ( links / Melato) und Helene Schneidermann ( Penelope): Nur wer den Bogen des Odysseus spannen kann, erweist sich ihrer Gunst als würdig

Im Ulisse wird ein ganz anderer Ansatz gewählt. Entsprechend dem mythologischen Ursprung der Handlung entfaltet sich auf der Bühne ein Spiel, das die Handlung durch Symbole aufs Wesentliche reduziert. Die Inszenierung baut ganz auf der Bildkraft der Bühne auf. Axel Manthey hat dafür in jeder Szene nur wenige Requisiten benutzt, die Piktogrammen gleich die gedanklichen Elemente der Handlung versinnbildlichen. So erscheint in der Szene, in der Ulisse und sein Sohn Telemeco sich wiedererkennen, eine riesige Hand. Andere Symbole sind der brennende Pfeil oder Blitz, der für die Macht der Liebe und Treue steht oder der Adlerflügel als Ausdruck der Macht der Götter über die Menschen. Der bildende Künstler und Regisseur Axel Manthey hat damit an die Ideen der barocken Kunst angeknüpft, in der Symbol, Allegorie und Verbildlichung bestimmende Elemente gewesen sind. Dadurch kommt ein Spannungsverhältnis zwischen den modernen Formen der Darstellung und den archaisch-mythischen Erfahrungen der Protagonisten in dieser Oper zustande. Dies ist im besten Sinne die Übersetzung eines alten Stoffes in die moderne Sprache des heutigen Theaters. Der Bogen von einer der ältesten Opern überhaupt zum heutigen Publikum wird mühelos gespannt.

Die Handlung, in ihren komplizierten Verwicklungen uns heute durchaus fern, läuft auf einen Punkt zusammen, der im Prolog - schon gleich der erste Höhepunkt der Inszenierung - zum Thema wird: der Mensch, und zwar ganz verallgemeinert als Gattungswesen verstanden, ist Spielball der drei Mächte Vergänglichkeit (il tempo), Schicksal (la fortuna) und Liebe (l'amore) und von ihnen abhängig. Monteverdi bzw. sein Librettist Giacomo Bodoaro haben hierfür die Götter als Drahtzieher eingebaut, doch diese gehören ernsthaft nicht mehr auf die heutige Bühne. Manthey hat ihnen folgerichtig Kostüme verpasst, die sie als barocke Putten ironisieren. Ansonsten aber nimmt er die Figuren ernst. Die durch die Musik Monteverdis dargestellten Affekte werden in Gesten der Körpersprache umgesetzt, die sich dem Zuschauer unmittelbar erschließen. In der Bogenprobe, der zentralen Szene des 2. Aktes, in der die Freier um Penelopes Gunst dadurch werben, dass sie versuchen, den Bogen des Odysseus zu spannen, es aber nicht vermögen, da es ihnen nicht zusteht, werden diese Affekte musikalisch charakterisiert und im Spiel der Darsteller gespiegelt: hohle Prahlerei, protziges Imponiergehabe und dümmlicher Stolz.

Bühnenfoto Die Götter Juno ( Jacquelyn Familant) und Juppiter ( Michael König) in barocker Pracht.

Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit das Sängerensemble die eigentümliche Sprache der Musik Monteverdis beherrscht und auf hohem Niveau umsetzt. Bis auf wenige Ausnahmen kann die Stuttgarter Staatsoper bei dieser Produktion auf Mitglieder des eigenen Ensembles zurückgreifen. Das spricht für sich! Helene Schneiderman (Penelope), eine der Primadonnen in Stuttgart, ragt sicherlich aus diesem Ensemble heraus, aber alle weiteren Sänger stehen weder gesanglich noch darstellerisch zurück.

Das Staatsorchester Stuttgart, um einige Experten Alter Musik erweitert, wurde geleitet von Alessandro de Marchi, der sich als kompetenter Sachwalter von Monteverdis ja nur grob skizzierter und nicht endgültig fixierter Musik erwies. Er hat sie behutsam für eine Mischung aus modernen und historischen Instrumenten eingerichtet. Im Orchestergraben entfaltete sich die ganze Pracht der barocken Oper.


FAZIT
Was für ein Vergnügen, die Aufführung zu hören und zu sehen.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Alessandro de Marchi

Inszenierung und Kostüme
Axel Manthey

Bühne
Axel Manthey und Alexander Lintl

Licht
Karl-Rüdiger Wogatzke

Wiederaufnahe der Inszenierung
und Spielleitung
Klaus Zehelein und Jörg Behr

Dramaturgie
Gerhard Ahrens und
Gottfried Meyer-Toss


Staatsorchester Stuttgart
Statisterie der Staatsoper



Solisten

Penelope
Helene Schneiderman

Ulisse
Marian Pop

Minerva
Claudia Mahnke

Amore
Helga Rós Inridadóttir

Giuone
Jacquelyn Familant

Giove
Michael König

Nettuno / Antinoo / Il Tempo
Matthias Hölle

Telemaco
Norman Shankle

Pisandro / Un Feaco
Roderic Keating

Anfinomo / Un Feaco
Carsten Süß

Eurimaco
Roger Widmer

Melato / La Fortuna
Maria Theresa Ullrich

Iro
Bernhard Schneider

Eumete / L'Umanita Fragilata
Heinz Göhrig

Ericlea
Emma Curtis

Un feaco
Christoph Sökler

Solo - Bass
Sebastian Peter




Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Staatstheater Stuttgart (Homepage)



Da capo al Fine

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