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Beziehung zwischen den Fragmenten?
Von Sebastian Hanusa
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Fotos von Bettina Stöß
Das angesprochene Paralipomena von Amanda Miller hat die größte Offenheit des verwandten Materials. Zunächst teilt ein Licht-Rechteck die Bühne streng in Innen und Außen. Im Innenraum tanzt Ilka von Häfen einen traumverlorenen, fast narzisstischen Tanz, an der Lichtgrenze umlegt Leo Mujic das Rechteck mit Muscheln: Ein schamanitisches Ritual scheint abzulaufen. Dann kippt der in seiner Strenge - ob Ilka van Häfens großartiger Darbietung - fragil-lyrische Beginn in ein scheinbares Kinderspiel, sodann in eine Tanz-Dressur, wenn Leo Mujic über Flüstertüte Kommandos gibt und die willfährige Tänzerin über die Bühne scheucht. Fragmente von möglichen Assoziationen werden somit angedeutet, zumindest vage thematische Ausrichtung jedoch vermieden. Leider schaffen die Splitter es nicht, eine wenngleich unbestimmte, ins Offene verweisende Form zu konstituieren, so dass sich das Stück auf die lakonische Feststellung seiner eigenen Beschaffenheit beschränkt.
In "Playground" - choreographiert von Kyle Bukhari – gelingt dies eher, hier ist mit dem titelgebenden Playground aber auch eine bestimmte Stoßrichtung vorgegeben. Man scheint in ein Raumschiff versetzt, die Tänzer treten mit Helmen und grauer Uniform ausgestattet als androgyne Maschinenwesen auf. Sie betreten die Bühne durch eine Tür, setzen den Helm ab, legen teilweise ihre Uniform ab, sind augenscheinlich im Freizeit-Bereich eines interstellaren Raumkreuzers. Wie die Arbeit ist aber auch die Freizeit jener noch menschlichen Besatzung mechanisiert. Das Geschlechterspiel folgt redundanten Regeln, die vorgegaukelte Verführung eines Individuums durch die computergenrierte Big-Brother-Stimme des anonymen "Playground" ist in ihrer Trivialität von erschreckender Leere. Ebenso strahlt indes die Reaktion jenes glückstrunkenen Menschen – Tänzer Toby Kassell – ein Residuum utopischen Vermögens aus, welches vollends in der Rebellion Anna Hagermarks gegen Ende des Stückes hervorbricht.
Der Abschluß des Abends war das Stück Different Directions von Saarbrückens Ballettchefin Marguerite Donlon. Auch hier ist der Titel Programm: Die Idee des Passierens eines nichtssagend-neutralen "Verkehrsbereichs" beschreibt den Raum, in dem sich die paralipomenalen Fragmenten tänzerischer Semantik wiederfinden, sobald sie sich ihr Kontext in eine nurmehr formal festellbare "Aboutness" entäußert. Im Stück ist dieser Raum ein zentralperspektivisch sich nach hinten öffnender Flur von fast brutaler Weißheit. Raffinierter Kunstgriff des Bühnenbilds ist die Fortsetzung des realen Raumes nach hinten durch einen sich nahtlos anschließenden Flur in der Video-Projektion Oliver Mösts. In dem verdoppelten Raum kommt es zu einem Pas de quatre zwischen den beiden Haupt-Solisten des Abends, Ilka van Häfen und Toby Kassell, und ihrem jeweiligen alter ego in den Videos von Oliver Möst. In den beiden nie zueinander findenden Protagonisten inkarniert auf letztlich eindrücklichste Weise die Thematisierung jener nicht mehr gerichteten Verweisstrukturen. Die Form der tänzerischen Sprache ist die der Flüchtigkeit, die mit dem Tanzpartner auf Bühne und Video ausschließlich im Entzug zu dialogisieren beginnt. Das ironische Brechung, aberwitzige Spiele mit den im Video aufhebbaren Kräften der Schwerkraft hierbei eine gewichtige Rolle spielen, steht interressanterweise nicht in Konflikt zur strengen Form des Stückes. Auch greifen Musik und Szene bestens ineinander. Claas Willekes elektronische Komposition unter Verwendung von Musik Hendryk Góreckis ist eng mit der Choreographie verzahnt, zeichnet sich durch gute ausgehöhrte Klänge aus, auch wenn mitunter ein Drift ins Gefällige droht.
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*Besetzung der rezensierten AufführungParalipomenaChoreographie / KostümeAmanda Miller
Musik
Bühne / Licht
SolistenIlka van Häfen* / Hitomi KuharaLeo Mujic* / Rubens Reniers
PlaygroundChoreographieKyle Bukhari
Musik
Kostüme / Bühne
SolistenDorothée Delabie* / Amy Fabris*Ilka van Häfen* / Hitomi Kuhara Anna Hagermark* / Nicole Kohlmann* Toby Kassell* / Harald Krytniar* Ignacio Martinez* / Zhong Yi Shing* Rubens Reniers / Maxim Simonetti
Different DirectionsChoreographie / KostümeMarguerite Donlon
Musik
Bühne / Video
SolistenIlka van Häfen* / Nicole KohlmannToby Kassell* / Ignacio Martinez
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