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Echte Helden verstehen keinen Spaß
Von Angela Mense / Photos von Bettina Stöß
Dabei ist diese Manon nichts anderes als ein leichtes Mädchen aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die ihre Genusssucht nicht bezähmen kann. Schlimmer noch: Ihr fällt gar nicht ein, dies zu tun und geht daran jämmerlich zugrunde. Was ist an dieser farb- und tugendlosen Gestalt so faszinierend? Oder besser gefragt: Was macht sie so anziehend?
Denn bezirzen tut das junge Mädchen, das eigentlich für das Kloster bestimmt ist, gleich die ersten besten Männer, die ihr über den Weg laufen. So steht sie plötzlich zwischen zwei Verehrern und hat die Qual der Wahl. Der eine, Chevalier Renato Des Grieux, wartet mit echten Gefühlen und dem Charme einer Studentenbude auf. Der andere, Geronte di Ravoir, kann ihr zwar weder Jugend noch Liebe bieten, dafür aber den Luxus des Pariser Salonlebens. Das Kloster steht da längst nicht mehr zur Debatte.
Zwischen Liebe und Luxus zu hadern, ist zwar menschlich. Aber reicht ein solch irdisches Dilemma aus, um eine Charakterfigur in den dramatischen Olymp zu erheben? Vielleicht gibt uns Jean-Claude Auvrays Inszenierung von Puccinis Manon Lescaut darauf eine Antwort. Puccini setzt den Akzent auf die reine Leidenschaft, die bei der Titelheldin sowohl beim Anblick des Geliebten als auch des Goldes gleichermaßen hervorgerufen wird. Erotische Anspielungen werden in der Saarbrücker Inszenierung zum Leitmotiv. So sind die Liebhaber bei ihrem ersten Treffen in rotes Licht getaucht. Rot ist auch die Farbe von Manons Kleid, das sie in den Gemächern des Geronte di Rivoir trägt. Die Frauen, mit denen Manon letzten Endes in die Verbannung geschickt wird, lassen durch ihren sexy Auftritt an ihrem Beruf keinen Zweifel.
Doch Manon wäre nicht Heldin, könnte man sie als gewöhnliches Flittchen hinstellen. Auch wenn ihre Liebe käuflich ist, gespielt ist ihre Leidenschaft nie. Vielleicht macht deswegen die Erotik vor dem Bühnenbild (Andreas Wilkens) halt. Die neoklassizistischen Mauerfragmente spielen weniger auf die Dekadenz des französischen Rokoko als auf den antiken Ehrbegriff an. Manon kann ihre unbedingte Leidenschaft nicht einfach unterdrücken. Sie verkörpert gewissermaßen ihre Tugend, die ihr zum Schicksal wird. Auch in Puccinis Musik findet sich diese Ambivalenz von Erotik und Tugend dramatische Ausbrüche kontrastieren mit verspielte Orientalismen.
Der Balanceakt zwischen verspielter Lust und ehrenhaftem Gefühl gelingt allerdings nicht immer. Er teilt die Sänger in Komödianten und dramatische Helden. Die einen glänzen durch schauspielerische Leistung, die anderen durch stimmliche Qualitäten. Mit Sicherheit kann man Algirdas Drevinskas zur ersten Gruppe zählen. Seine Comedia-dell'Arte-Einlagen setzen einen erfrischenden Kontrapunkt zur Ernsthaftigkeit der Thematik. Allein Hiroshi Matsui in der Rolle des Geronte di Ravoir meistert durch souveräne Bühnenpräsenz und sonoren Baß den schmalen Grad zwischen lächerlichem Lustgreis und respekteinflößenden königlichen Beamten.
Barbara Gilbert in der Titelrolle überzeugt mit warmen Timbre, das sie selbst in den leisesten Höhen nicht verläßt. Vielleicht ist gerade diese Perfektion schuld an einer etwas zu einseitigen Interpretation, die zwar das dramatische Element vermittelt, die spielerisch kokette Seite der Heldin jedoch vermissen lässt. Das Saarländische Staatsorchester unter der Leitung von Michel Sasson traf meisterhaft den romantisch-schwelgerischen Ton Puccinis; dafür ließen sowohl technische Präzision als auch die dynamische Abstimmung zwischen Bühne und Orchestergraben einige Wünsche offen.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungMichel Sasson
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreinstudierung
Dramaturgie
Solisten* Besetzung derrezensierten Aufführung Manon Lescaut Barbara Gilbert
Lescaut, ihr Bruder
Guido Baehr
Chevalier Des Grieux
Geronte di Ravoir
Edmondo Rupprecht Braun
Wirt / Kapitän
Musiker
Sergant
Friseur
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- Fine -