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Trouble in Tahiti
Oper in sieben Szenen von Leonard Bernstein
Deutsche Fassung von Paul Esterházy

Hin und zurück
Sketch mit Musik von Paul Hindemith
Text von Marcellus Schiffer

Premiere an den Städtische Bühnen Münster am 13.4.2002


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Städtische Bühnen Münster
(Homepage)

Das Leben ist schön
Satirisch-kurzweiliger Premierenabend in Münster

Von Monika Jaeger / Fotos von Michael Hörnschemeyer



Hin und zurück ist bereits die zweite Theater-Jugend-Produktion der Städtischen Bühnen Münster. Die Idee, aus interessierten und qualifizierten Jugendlichen - Studierenden wie Schülerinnen und Schülern - ein Projektorchester zu bilden und damit nicht zuletzt auch wieder ein jugendliches Publikum anzusprechen, hat sich inzwischen bewährt. Unter der musikalischen Leitung von Andreas Wolf und der Regie von Benedikt Bormann gelang eine Aufführung der beiden Einakter Trouble in Tahiti von Leonard Bernstein und Hin und zurück von Paul Hindemith, die die Zuschauer begeisterte und auch in den musikalischen Leistungen des Orchesters überzeugte.

Vergrößerung Trouble in Tahiti
Nicht einmal im Büro lässt Sam (Christian Grygas) der "American Dream" in Ruhe.

Die Wahl dieser beiden Stücke als Doppel erwies sich als außerordentlich gelungen, setzt sie doch mit Hin und zurück eine ungerührt-skurrile Pointe hinter die Moral der etwas weitschweifigen Beziehungskomödie von Bernstein.
Die Geschichte des knapp einstündigen Trouble in Tahiti ist schnell erzählt: Zwei Ehepartner quälen sich nach errungenem Wohlstand-Familien-Eigenheim-Status in den unendlichen Weiten der perspektivlosen Zukunftsaussicht miteinander. Ein Ende ist nicht in Sicht, vielmehr ihre hilflose Flucht in illusionäre Filmklischees eines Tahiti-Inselzaubers. Schuld an allem ist der "American Dream", verkörpert durch ein omnipräsentes Gesangstrio, das, arriviert und dynamisch, den way of life vorgibt. Die Partituranweisung "in flüsterndem, hauchigem Pianissimo singen, (...) niemals aufhören zu lächeln" wurde von Suzanne McLeod, Mark Bowman-Hester und Donald Rutherford in idealer Weise realisiert. Stimmlich wie darstellerisch weniger Profil zeigten hingegen Christian Grygas und Veronika Waldner als Ehepaar Sam und Dinah.

Vergrößerung Trouble in Tahiti
Stimmlich und darstellerisch überzeugend: das Trio Donald Rutherford, Suzanne McLeod und Mark Bowman-Hester.

Quasi die Fortsetzung dieser Misere nimmt der Plot der 15minütigen Satire Hin und zurück von Marcellus Schiffer in der Komposition von Paul Hindemith auf's Korn. Der Titel untertreibt gewaltig, denn es geht nicht nur um das irgendwie Zurückfinden aus einer verfahrenen Situation, nämlich der, gerade im Affekt die eigene Ehefrau erschossen zu haben, sondern um das exakte Zurückdrehen von Zeit und Raum, als wäre nichts geschehen. In einer Comic-haft reduzierten Darstellung der Ereignisse - Mann kehrt überraschend vorzeitig ins eheliche Heim zurück / Frau erhält gerade ominösen Brief einer unbekannten Person / Mann erschießt Frau / Vorhang fällt - spart man sich langwierige Emotionen.
Mit der Nüchernheit einer Minutenoper werden die Situationen nicht gelebt, sondern lediglich gezeigt, einschließlich des "Bäng" der Pistole, währenddessen hörbar nur der Vogel aus dem Käfig fällt. Mit dieser Distanzhaltung werden die Personen zu ihrer eigenen Persiflage und führen ihr Agieren selbst ad absurdum.

Vergrößerung Hin und zurück
Wird zu ihrer eigenen Karikatur: Helene (Birgit Beckherrn) mit ihrer Tante Emma (Suzanne McLeod).

Ohne Sentimentalitäten wäre das Stück bzw. das Leben beendet, würde nicht endlich jemand von außen in das Faktum eingreifen: Ein Weiser erbarmt sich der Protagonisten und storniert das Geschehene. Mit der Allmacht des Strauss entlehnten Zarathustra-Zitates verschafft er sich Gehör, und auf seine Anweisung läuft nun jede dargestellte und jede musikalische Geste exakt rückwärts bis zum Ausgangspunkt. Ein Prinzip, das ebenso urkomisch anzusehen wie kompositorisch genial ist.
Ob der Menschheit ihre neue Chance etwas bringt, bleibt dahingestellt. Mark Bowman-Hester und Birgit Beckherrn als Ehepaar sowie Suzanne McLeod als Portrait Tante Emmas sind jedenfalls hin wie zurück gleichermaßen überzeugend. Über den kompositorisch wie dramaturgisch angelegten Brüchen zwischen wirksam einsetzten Effekten und nüchterner Motorik gelingt es ihnen, gesanglich Persönlichkeiten zu vermitteln, ohne die in diesem musikalischen Sketch auch die Gefahr einer leeren Distanz entstehen könnte.


FAZIT
Wer eine selbstironisch-kurzweilige Dramaturgie mag und zwei wenig bekannte Bühnenwerke des 20. Jahrhunderts kennenlernen möchte, sollte sich das Doppel von Bernstein und Hindemith unbedingt ansehen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andreas Wolf

Regie
Benedikt Bormann

Ausstattung
Pia Oertel

Dramaturgie
Berthold Warnecke



Theater-Jugendorchester der
Städtischen Bühnen Münster



Solisten Trouble in Tahiti

Dinah
Veronika Waldner

Sam
Christian Grygas

Trio
Suzanne McLeod
Mark Bowman-Hester
Donald Rutherford


Solisten Hin und zurück

Robert
Mark Bowman-Hester

Helene, seine Frau
Birgit Beckherrn

Tante Emma
Suzanne McLeod

Der Professor
Donald Rutherford

Der Krankenwärter
Christian Grygas

Das Dienstmädchen
Margret Weuler

Ein Weiser
Gian-Philip Andreas







Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Städtischen Bühnen Münster
(Homepage)






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