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Belcanto comme il faut
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Opéra Royal de Wallonie
Während sich die Bellini-Ehrungen in Deutschland auf einzelne verdienstvolle szenische Produktionen von I Capuleti e i Montecchi und einige konzertante Aufführungen seiner vielleicht wichtigsten Oper Norma beschränken (zum Teil freilich abstrus besetzt und erst ein Jahr nach seinem 200. Geburtstag), bietet der Spielplan der Königlichen Oper Walloniens gleich zwei Werke des Schwans von Catania: Für April 2002 ist eine szenische Produktion von I Puritani geplant, und jetzt im November gab es zwei konzertante Aufführungen von La Sonnambula. Bellinis siebte Oper "prägte in besonderem Maß Bellinis Bild für die Nachwelt, das Bild eines ätherisch-elegischen Tonschöpfers, das des empfindsamen Lyrikers", wie Michael Blees es in einem Aufsatz zu einer Einspielung des Werkes formuliert hat, obwohl das Werk mit seinem ländlich-idyllischen Stoff im Gesamtschaffen des Komponisten "eher ein pastorales Intermezzo" darstellt. In Alberto Zedda, an diesem Ort bislang eher für seine hinreißenden, kompetenten Rossini-Dirigate bekannt, hatte man einen erfahrenen Belcanto-Spezialisten engagiert (es sei an Naxos-Aufnahme des Oeuvres erinnert, die eine fulminante VARA-Matinee unter seiner Stabführung vom November 1992 aus Amsterdam festhält!), der einmal mehr viel Gespür auch für den romantisch-elegischen Ton des Jüngeren bewies, mit unendlich vielen zarten, delikaten Momente aufwartete und jene Kritiker Lügen strafte, die Bellini eine dürftige Orchestrierung vorwerfen, ohne dabei krampfhaft mehr aus der Musik machen zu wollen, als sie hergibt. Dass der Italiener ein aufmerksamer Begleiter ist, der wirklich mit seinen Solisten atmet, ihnen über die nicht wenigen Klippen der ihnen anvertrauten Partien hinweg hilft und ihnen viel Raum zur Entfaltung ihrer individuellen Möglichkeiten gibt, dass er ein Orchestererzieher aller erster Wahl ist, der eher mit einem Lächeln als mit dem Taktstock zu dirigieren scheint, dass er ein unermüdlich vorwärtsdrängender Arbeiter im Detail ist, der dennoch nie den roten Faden aus den Augen verliert, dass er bei stets souveräner Tempowahl eine bemerkenswerte innere Spannung über die einzelnen Nummern hinweg zu halten vermag und der Gestaltung der Rezitative genauso viel Aufmerksamkeit schenkt wie der Koordination aller Akteure in den wirkungsvollen Ensembles, darf nicht unerwähnt bleiben und erklärt die lautstarken Ovationen, die ihm bereits vor Beginn des zweiten Teils entgegengebracht wurden.
Foto links:Nach getaner Arbeit: Die Solistinnen und Solisten Mario Zeffiri, Annick Massis, Marie Devellereau, Léonard Graus, Christine Solhosse (von links nach rechts), Maestro Alberto Zedda (vorn) und das Orchester der Opéra Royal de Wallonie.
Mit Annick Massis hatte man eine Interpretin mit einer angenehm timbrierten, nicht zu großen, aber tragfähigen Stimme engagiert, die wie mit einem zarten, edlen Puder bestreut klang, die in gleichem Maße über Individualität, persönliche Farbe, Wärme, ausreichendes Volumen in der ausdrucksstarken Mittellage und Tiefe und Brillanz bis in die präzis attackierte Extremhöhe hinein verfügt, die hervorragend geführt ist (viele schöne, gehaltvolle, nie aus bloßen Demonstrationszwecken ausgeführte Piano- und messa di voce-Effekte, blitzsaubere, in der Färbung stets der jeweiligen Situation angepasste Koloraturen und Rouladen belegten es), eine Künstlerin zudem, der man den schlichten, zu Herzen gehenden Ton abnimmt, zumal sie sich vorbildlich auf den Text einließ - brava! Man kann das etwas quäkige, im Piano und in der mezza voce viel angenehmer tönende Timbre des sehr leicht ansprechenden, gut projizierten, hellen Tenors von Mario Zeffiri mögen oder nicht - der kein Risiko scheuende Einsatz zollt in jedem Fall Respekt, ebenso wie das vortreffliche Legato, das herrliche fil di voce, die fast immer makellosen Töne oberhalb des Systems und das sorgfältige Aussingen der Verzierungen (welcher Tenor kann heute schon korrekte Triller singen, und ich meine Triller und nicht Schüttler!), während die leichten Nebengeräusche im Forte auf eine allzu forcierte Tongebung unter Druck schließen lassen und man auf manchen Schluchzer gut hätte verzichten können. In den kleineren Partien empfahlen sich Christine Solhosse (die die Rolle innerhalb weniger Tage übernommen hatte) mit diskretem, etwas behäbigen, aber hervorragend zum Timbre der Protagonistin passenden Mezzosopran und Léonard Graus, der allerdings ein bisschen mehr gestalterische Sorgfalt hätte walten lassen können, während man über die rein vokalen Qualitäten seines reifen, warmen, frei strömenden, gut kontrollierten Bass nichts Nachteiliges sagen kann. Während Patrick Delcour, dessen Stimme von durchaus solider Qualität ist, dem es aber allzu sehr an Ausstrahlung und Präsenz fehlt, einmal mehr als zuverlässiger Stichwortgeber fungierte (gleiches gilt auch für Lillo Farrauto mit hörbar schwächerem Material) und man ob der konzentrierten, tadellosen Leistung des Chores staunte, war Marie Devellerau als Lisa eher ein Ärgernis: Aufdringlich vom Kostüm bis zu ihrer den Gesang der Kollegen und die Handlung kommentierenden Mimik, hatte sie wenig mehr als einen zwar agilen, aber arg winzigen, unangenehm soubrettig-kleinmädchenhaften, mitunter recht scharfen Sopran anzubieten, den sie bei tieferen Tönen unschön abdunkeln musste.
Foto rechts:Vom Publikum gefeiert: Mario Zeffiri, Annick Massis, Marie Devellereau und Léonard Graus.
Dank eines mit gleichsam schlafwandlerischer Sicherheit agierenden spiritus rector und einer insgesamt hochrangigen Besetzung freute man sich über eine wirklich würdige Ehrung des anderen großen Jubilars dieses Jahres. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Chor
SolistenAminaAnnick Massis
Lisa
Teresa
Elvino
Il Conte Rodolfo
Alessio
Un notario
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