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Lohnender Besuch im Opernmuseum
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Opéra Royal de Wallonie Das Lütticher Publikum liebt Verdi, auch wenn nicht alle Welt ihn anlässlich seines 100. Todestages meint feiern zu müssen. Und das Lütticher Publikum liebt Nicht nur die als Meisterwerke geltenden Opern der späteren Jahre, sondern auch die wunderbar frischen, melodisch einfallsreichen, die Tradition des Belcanto nicht verleugnenden, häufig arrogant belächelten Opern der sogenannten Galeerenjahre, zu denen auch Ernani gehört. Mit Jean-Claude Auvray hatte man den richtigen Mann gefunden, die auch bei größtem Wohlwollen als reichlich kraus zu beschreibende Story angemessen auf die Bühne zu bringen. Die Schwächen des Stücks aufzuzeigen und sich darüber lustig zu machen, das war ihm zu billig. Stattdessen konzentrierte er sich auf das Arrangieren von opulenten Bildern - die Idee wird durch den goldenen Rahmen unterstrichen, den man um die Bühne herum installiert hatte - und verließ sich ansonsten auf das darstellerische Geschick seiner wunderschöne, opulente Kostüme vorführenden Solistinnen und Solisten, die zielsicher den Weg zur Rampe fanden und so in erster Linie der hinreißenden Musik zu ihrem Recht verhalfen. Als den kulinarischen Charakter von Oper nicht verschmähender Zuschauer lehnte man sich also entspannt zurück und begleitete den Regisseur auf seiner Reise ins Opernmuseum, so wie man an einem verregneten Sonntag voller Wonne melodramatische Kostümfilme im Fernsehen verfolgt und deswegen ja auch kein schlechtes Gewissen haben muss. Ein bisschen mehr Mühe hätte sich Rudy Sabounghi allerdings schon mit seinen schlicht vom Schnürboden heruntergelassenen, eindimensionalen und nicht einmal perspektivisch korrekt gezeichneten Dekorationen geben können - da half auch die beste Beleuchtung nichts. Und auf die putzige Zinnsoldaten-Choreographie, die Vanesse Gray dem glänzend aufgelegten, auch schnelle Passagen mühelos und kongruent bewältigenden Chor (ein Sonderlob geht an die höhenstarken Tenöre!) auferlegt hatte, hätte ich auch gut verzichten können.
Foto links:Die Wahlprinzen haben König Carlos (Eduard Tumagina, vorne rechts) zum neuen Kaiser gewählt: Er ist nun Karl V. Giovanna (Christine Solhosse), Elvira (Barbara Haveman), Ernani (Zwetan Michailow) und Silva (Paata Burchuladze) reagieren unterschiedlich.
Star des Abends war am Pult der ORW-Orchesters der unerhört sängerfreundliche Alain Guingal, dessen Begeisterung und Musizierfreude sich schnell auf die Ausführenden und die Zuhörenden übertrug, und so lauschte man begeistert einer Verdi-Wiedergabe der flotten, federnden Tempi, die an Drive, Glut, rhythmischer Schärfe, Frische und Transparenz ihresgleichen suchte - bravo, maestro!
Foto rechts:Ernani (Zwetan Michailow) und Elvira (Barbara Haveman) versichern sich kurz vor der geplanten Hochzeit mit Silva erneut ihrer Liebe zueinander.
Zwetan Michailow hörte man den Respekt vor der fordernden Titelpartie, die er zum ersten Mal sang, vor allem zu Beginn deutlich an, als mancher Ton ziemlich unruhig und gepresst klang, aber mit seiner leicht ansprechenden, exzellenten Höhe und seiner furchtlosen Attacke macht er manches wett, auch wenn man sich doch ein tieferes Eindringen in die Rolle, ein paar vokale Feinheiten und Farben, etwas weniger Forte und eine etwas dunklere Stimme gewünscht hätte, während man auf die pseudoexpressiven Vokalverfärbungen, die er möglicherweise Mario Del Monaco abgelauscht hat, gut hätte verzichten können. Es spricht nicht für das Verantwortungsgefühl der Intendanz, einer so jungen Sängerin wie Barbara Haveman eine so schwierige, gefährliche Rolle wie die der Elvira anzuvertrauen. Die Holländerin hat zwar absolut sichere, ziemlich helle Acuti, die dank eines nicht unangenehmen Hauchs Schärfe auch in den Ensembles stets präsent bleiben und wirklich aufregend klingen, sie hat auch dieses gewisse Extra und ein Potential in der Stimme, das bei fleißiger Arbeit durchaus an eine Karriere mit Partien des Belcanto (Donizetti etwa!) und des frühen Verdi denken lässt, aber zum jetzigen Zeitpunkt fehlt es ihr einfach an vokaler Reife, an stilistischem Finish und Mühelosigkeit bei der Bewältigung verzierter Passagen, an Substanz in der künstlich abgedunkelten und verbreiterten Mittellage und vor allem bei tiefen Tönen, die sie nur mit hörbar riskantem Einsatz der Bruststimme erreicht, an darstellerischer Tiefe jenseits manierierter, hölzerner Standardgesten. Eduard Tumagian brauchte sehr lange, die zunächst reichlich hohl klingende Höhe seines reifen Bariton in den Griff zu bekommen; zur Rolle passte das gar nicht schlecht, und ein großer Verdiinterpret ist er trotz erster Kratzer auf der etwas behäbigen Stimme natürlich immer noch. Letzteres gilt in noch höherem Maße für Paata Burchuladze, der sein wahrlich imposantes Material von angenehm schwarzer Farbe niemals eitel vorführte, sondern dank sorgfältiger Auseinandersetzung mit dem Text auch der profilierteste Interpret des Abends war. Bewährtes boten schließlich die Stichwortgeber Guy Gabelle, Léonard Graus und Christine Solhosse.
Foto links:Das Glück der Frischvermählten (Zwetan Michailow und Barbara Haveman als Ernani und Elvira) ist von kurzer Dauer: Don Ruy Gomez de Silva (Paata Burchuladze) sinnt auf Rache.
Ein für Stimmenliebhaber und Verdi-Fans zweifellos fulminanter Start in eine Saison, die mit Produktionen von Die Entführung aus dem Serail, La Sonnambula, La Périchole, Pique Dame, Elektra, I Puritani, Hérodiade und Andrea Chénier äußerst interessant zu werden verspricht! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Choreografie der Chorszenen
Chor
Neue Koproduktion mit SolistenElviraBarbara Haveman
Giovanna
Ernani
Don Carlo
Don Ruy Gomez de Silva
Don Riccardo
Jago
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