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Musiktheater
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Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Komische Oper frei nach Christian Dietrich Grabbe
Libretto von Jörg W. Gronius
Musik von Detlev Glanert


Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere im Theater Krefeld am 19. Januar 2002
(rezensierte Aufführung: 22.01.2002)


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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Viel Lärm um den Teufel

Von Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte



Christian Dietrich Grabbes Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung von 1822 gehört sicher zu den ganz obskuren Werken der deutschen Literaturgeschichte. Da verschlägt es den Teufel auf die Erde, weil in der Hölle gerade Hausputz ist. Natürlich will er bei dieser Gelegenheit teuflisches Werk treiben und spinnt eine Intrige um die junge Baronesse Liddy und deren nicht eben uneigennützigen Verehrer, wird aber von einem dem Alkohol verfallenen Schulmeister in einen Käfig gesperrt, bis ihn des Teufels Großmutter (eine attraktive junge Dame) befreit... Im allgemeinen Chaos bricht Grabbe dann noch die Form des Dramas auf, lässt die Personen aus ihren Rollen treten und tritt sogar selbst auf. Kurzum: Trotz seines Alters handelt es sich um ein überdrehtes, in mancher Hinsicht recht modernes Schauspiel.

Vergrößerung Der Teufel (links), wegen Großreinemachen in der Hölle aus selbiger vertrieben, benutzt den brutalen Herrn von Mordax für böse Intrigen ...

Librettist Jörg W. Gronius hat die Grundzüge der Vorlage beibehalten. Gestrichen sind die etlichen Seitenhiebe auf Grabbes literarische Zeitgenossen. Abgeändert ist insbesondere der Schluss, wo Gronius auf den Auftritt des Dichters verzichtet, statt dessen aber die Figur des Knaben Gottfriedchen (die bei Grabbe weitaus geringere Bedeutung hat) aufwertet: Dieser Junge, der vom Schulmeister zum neuen Nationalgenie aufgepäppelt werden soll, wird zum eigentlichen Träger des Bösen, vor dem sogar der Teufel kapituliert, und er hat in der Oper das Schlusswort: Ein Fluch auf Welt und Menschheit. Im Vergleich zum Schauspiel ist dieser Schluss opernhafter, gerade weil er konventioneller ist als das offene, die Form sprengende Ende bei Grabbe. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die formale Anlage des zweiten Teils der Oper, der durch die beinahe rondoartig wiederkehrenden Auftritte von vier Naturforschern gegliedert wird. Wo Grabbe sein Stück quasi explodieren lässt, wählt Gronius eine vergleichsweise strenge, aber auch entschärfende Form.

Vergrößerung ... während der Schulmeister (rechts), Wernthal (Mitte), Dichter Rattengift und Gottliebchen (vorne) ein fröhliches Gelage begehen ...

Zwei Vorbilder sind, auch was die Musik betrifft, unverkennbar: Zum einen Ligetis Le Grand Macabre, vor kurzem ebenfalls in Krefeld und Mönchengladbach zu sehen, zum anderen die Wirtshausszene aus Bergs Wozzeck - in Glanerts Oper bildet eine große Alkohol-Orgie im Finale des ersten Teils den eigentlichen Höhepunkt. Glanert sucht, dem Text (der auf Arien und auf geschlossene Ensemble fast ganz verzichtet) entsprechend, nach einem ironischen Parlando-Ton, der aber ziemlich lärmend und recht oberflächlich ausfällt. Stärkeren Eindruck hinterlassen die seltenen lyrischen Passagen (die auf Glanerts 1997 ebenfalls an diesem Theater mit weitaus stärkerem Eindruck aufgeführten Spiegel des großen Kaisers verweisen).

Vergrößerung ... wobei letztendlich sogar die Orgelpfeifen zu tanzen beginnen ...

Letztendlich machen aber die Umstände der Krefelder Aufführung eine gerechte Beurteilung des Werkes (das 2001 am Theater Halle uraufgeführt wurde) schwierig. Die Niederrheinischen Sinfoniker spielen zwar engagiert und recht präzise, aber unter dem Dirigat von Kenneth Duryea permanent viel zu laut. Das unterdrückt nicht nur jeden Hintersinn der Musik, sondern nötigt die Sänger zum Forcieren und mindert in erheblichem Maße die Textverständlichkeit: Der Wortwitz bleibt komplett auf der Strecke (und damit eine ganz wesentliche Dimension des Stückes). Die Sänger mühen sich redlich, können sich aber über Durchhaltefähigkeit hinaus kaum profilieren. Frank Valentin als falsettierender Teufel, Barbara Cramm als souverän lyrische Baroness Liddy und der sehr präsente Christoph Erpenbeck als Schulmeister hinterlassen noch die stärksten Eindrücke.

Vergrößerung ...na, dann Prost die Herren!

Die Inszenierung von Jens Pesel setzt ganz auf die absurden Momente – um den Preis, dass die Oper eben darauf reduziert wird. Die skurrilen, aber ziemlich einfallslosen Kostüme (Yvonne Lötz) degradieren die Personen von vornherein zu albernen Clowns, und der Regie gelingt es nicht, hinter diesen Masken eine weitere Dimension zu entdecken. Jeder konkrete Hintergrund ist ausgeblendet, aber dadurch fehlt dem Stück auch jeder Beziehungspunkt. Im abstrakten, von einer schrägen Wand dominierten und nicht eben übermäßig beeindruckenden Bühnenbild (Mayke Hegger) entwickelt sich eine Faschings-Welt im Kleinen, der man vor allem eines absprechen möchte: Tiefere Bedeutung. Übrig bleibt ein derber Schwank mit bestenfalls mäßigem Unterhaltungswert.


FAZIT
Scherz? In Maßen, und leicht gequält. Satire? Sicher, aber worauf, das bleibt schleierhaft. Ironie? Die ist unvermeidlich. Tiefere Bedeutung? Spätestens durch die Inszenierung abhanden gekommen.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Kenneth Duryea

Inszenierung
Jens Pesel

Bühne
Mayke Hegger

Kostüme
Yvonne Lötz

Dramaturgie
Benedikt Holterbernd



Statisterie der Vereinigten
Städtischen Bühnen

Tänzerinnen der Ballettschule
HAPPY DANCE, Mönchengladbach

Die Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

Doppelbesetzungen in
alphabetischer Reihenfolge


Teufel
Frank Valentin

Baron
Ulrich Schneider

Liddy
Barbara Cramm

Freiherr von Mordax
Michael Tews

Herr von Wernthal
Mikhail Lanskoi

Rattengift
Walter Planté

Mollfells
Markus Heinrich
Andreas Schagerl

Schulmeister
Christoph Erpenbeck

Gottliebchen
Judith Arens

Vier Naturhistoriker
Marianne Thijssens
Ursula Gröger
Manfred Feldmann
Yasuyuki Toki



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)



Da capo al Fine

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