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Praller Operettenspaß
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Matthias Stute Die Comics im Programmheft deuten es an: Ulrike Gärtner hatte mit ihrer Neuinszenierung von Offenbachs erster abendfüllender Operette Orpheus in der Unterwelt keine feinsinnig-akribische Werkdeutung für mythologiefeste, allenfalls ein wissendes Schmunzeln absondernde Kulturbeflissene im Sinn, sondern eher einen prallen, augenzwinkernden Theaterspaß für diejenigen, die ohne Homer- oder Ovidlektüre ihren Mann oder ihre Frau im Leben stehen, sich an der Komik eines Loriot, eines Donald-Duck-Heftchens oder auch der aktuelle und lokale Anspielungen enthaltenden, behutsam aufgefrischten Dialoge delektieren können und beim aus dem Wunschkonzert bekannten, von Elisabeth Clarke ziemlich langweilig choreographierten Can Can auch einmal den Takt mitklatschen. Letzteres ist zwar nicht die Sache des Rezensenten, aber dem Ansatz der Regisseurin konnte ich dennoch manches abgewinnen - wohin zu langes Nachdenken bei der Operettenexegese führen kann, belegt Tobias Richters unsäglich langatmige Rheinopern-Produktion des Stücks. Eine nachvollziehbare Entscheidung angesichts der nicht wenigen klamottigen Elemente war es aber auch, die Premiere angesichts der Ereignisse in den Vereinigten Staaten um eine Woche zu verschieben.
Foto links:Die Öffentliche Meinung (Suly Röthlisberger) erörtert ihre Erwartungen an das im Hintergrund erstarrte zerstrittene Ehepaar (Debra Hays und Andreas Schagerl).
Wenn der Vorhang sich öffnet, wird man sofort mit dem Streit des kleinbürgerlichen Paares konfrontiert, das es mit der ehelichen Treue nicht so genau nimmt: Eurydike bügelt in der durchgängig im Notendesign gehaltenen Wohnung (dieses wie auch die anderen wenig aufwendigen, aber brauchbaren Bühnenbilder stammen von Christof Hußmann) wütend an einem der scheußlich-schönen Kostüme im Stil der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts (Idee: Sabine Blickenstorfer) herum, während Orpheus, jene "pädophile Orchesteraushilfe mit Lehrauftrag an der städtischen Musikschule", die Gattin mit seinem neuesten Violinkonzert malträtiert, das er in weiser Voraussicht auf seinem altmodischen Tonbandgerät verewigt hat. Die Öffentliche Meinung ist in dieser Produktion eine moralinsauer-strenge Journalistin - Suly Röthlisberger macht mit ihrer wunderbar "dreckigen" Chansonstimme einen guten Job in dieser Rolle -, die weiß, dass "Presse von Druck kommt"; sie sitzt hinfort am Bühnenrand und wacht über das vermeintlich sündige Treiben im herrlich spießigen Krefeld-Theben, in das es auch Rastaman Pluto, im Folgenden der Sprecher der Spaßgesellschaft in der Unterwelt, unter dem Pseudonym Aristeus verschlagen hat (bei diesem Outfit hätte das künstliche Grün auf der Bühne aber schon aus Marihuanapflanzen bestehen dürfen). Auch die Olympischen wurden eher durch die Optik charakterisiert - hinreißend die stark ausgestopften Popos der Göttinnen und ihre an Filme wie Hairspray erinnernden, blonden Perücken im Jackie-Onassis-Stil! -, eine vertiefte Personenzeichnung wäre hier wohl auch zuviel verlangt.
Foto rechts:Eurydike (Kirstin Hasselmann) fleht ihren Gatten Orpheus (Andreas Schagerl) um Gnade an, der ihr zur Strafe für eheliche Untreue Ausschnitte aus seinem neuesten Violinkonzert vorspielt.
Andreas Schagerl hatte in der Titelrolle zwar vokal herzlich wenig zu bieten, aber mit dem Charme des geübten Operettentenors sicherte er sich dennoch manche Sympathie bei den zunächst reichlich klatschfaulen Zuschauern, während Debra Hays nicht nur eine wirklich komische, sympathische Eurydike war, sondern auch den Koloraturen der Partie nichts schuldig blieb. Innerhalb der Götterriege tat sich besonders Barbara Cramm mit apartem, tragfähigen Sopran als Diana hervor, während Walter Planté als feister, alberner Jupiter und Vuokko Kekäläinen als schusselig-schrille Juno wirklich etwas an ihrer deutschen Aussprache tun müssen. Andreas Lenkeits dünne, microportverstärkte Singstimme kann nicht der Grund dafür gewesen sein, das auch dramaturgisch ziemlich überflüssige Couplet des Merkur aus der Fassung von 1874 einzulegen (ansonsten hielt man sich im Wesentlichen an die Urfassung des Jahres 1858). Nachdem Tenorbuffo Peter Lüthke schon in der dritten Strophe des berühmten Hans-Styx-Couplets auf sein dreißigjähriges Krefelder Bühnenjubiläum hinweisen durfte, konnte er sich mitten im Premierenapplaus auch noch über Blumen und wenig bedachte Worte seines Generalintendanten freuen.
Foto links:Die Götter (Solisten und Chor) protestierten gegen die einseitige Kost, die nur aus Nektar und Ambrosia besteht.
Kenneth Duryea schließlich verantwortete am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker einen transparenten, flotten, durchaus französisch anmutenden Offenbach-Sound, der hinsichtlich des Tempos freilich besonders den allzu sehr mit seinen szenischen Aufgaben beschäftigten Chor überforderte.
Foto rechts:Die von der Unterwelt gelangweilte Eurydike (Debra Hays) knüpft zarte Bande mit dem incognito in Plutos Reich weilenden Jupiter (Walter Planté) an.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreographie
Dramaturgie
Choreinstudierung
SolistenJupiter, Vater der GötterWalter Planté* Reiner Roon
Juno, seine Gemahlin
Diana, Göttin der Jagd
Mars, Kriegsgott
Merkur, Götterbote
Minerva, Göttin der Weisheit
Venus, Göttin der Liebe
Cupido, Sohn der Venus
Pluto, Herrscher der Unterwelt
Hans Styx, Faktotum des Pluto
Orpheus, ein Musiklehrer
Eurydike, seine Gemahlin
Die Öffentliche Meinung
Plutos Bedienstete
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