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Luftschlösser und Märchenprinzen
Von Stefan Schmöe
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Fotos von Matthias Stutte Einen richtig lieben Prinzen, der ein armes, unterdrücktes Mädchen heiratet und damit aus allem Elend befreit, gibt es leider nur im Märchen wenn überhaupt. Das Schloss des Prinzen in der Krefelder Version von Prokofjews Cinderella jedenfalls ist selbst innerhalb der Märchenhandlung ein Luftschloss, dessen Säulen in die Wolken wachsen, und die Bewohner tragen blaue Kleider mit kleinen Hütchen, auf denen Täubchen sitzen. Wenigstens der Prinz ist einigermaßen real, und seine adelige Abstammung erkennt man an dem (blauen) Schriftzug Prinz auf seinem Trikot. Wenn ein junges Mädchen verliebt ist, dann leuchtet eben alles in himmelblau, das könnte die Choreographie von Heidrun Schwarz sagen wollen.
Tanzstunde im Hause von Cinderella und ihrer familie, aber man ahnt: Die bösen Schwestern werden mit ihren neu erlernten Fähigkeiten nicht weit kommen
Vermutlich will sie aber gar nicht viel sagen, denn dieses Ballett-Märchen wendet sich in erster Linie an das ganz junge Publikum. Mit zwei Teilen von je etwa 30 Minuten Länge hat es auch genau die für diesen Zweck richtigen Dimensionen. Die Choreographin erzählt die Geschichte unkompliziert und direkt und trifft das rechte Maß an Niedlichkeit. 12 Mäuschen etwa (getanzt von Kindern der Ballettschule Houben) bilden die Riege von Cinderellas engsten Freunden und drängen die Tauben ziemlich an den Rand das macht sicher Sinn, weil die sympathischen Mäuschen eher der kindlichen Vorstellungskraft entsprechen als getanzte Vögel.
Auf Wolken Schweben: Mit magischer Hilfe wird Cinderella auf dem Luftweg zum königlichen Ball befördert
Kraftvoll gezeichnet ist das paar der bösen Schwestern, immer geschickt am Rand der Karikatur gehalten, und auch der Zauberer, der im Superman-Kostüm Cinderellas Welt verbessert. Ob das Zielpublikum diese Anspielung versteht, ist ungewiss. Auch soll es in der Aufführung noch manche andere Comic-Figur gegeben haben, aber hier muss der Rezensent, eher ein Comic-Muffel, verschämt passen. Der königliche Bote auf dem Tretroller sorgt für ein amüsantes Moment der Irritation in der ansonsten recht braven Choreographie, die ausgerechnet das Traumpaar Cinderella / Prinz, obwohl ordentlich getanzt, relativ blass aussehen lässt. Leider verschenkt Heidrun Schwaarz hier die entscheidenden Szenen, das Finale etwa oder Cinderellas Auftritt im Schloss (sie schwebt auf einer Wolke herein stimmig, aber zu sehr im Hintergrund, und ohne die ganz große Wirkung, die dieser Auftritt haben könnte).
Nein, der Schuh passt leider nicht. Diese Hofdame wird weiter ledig bleiben, und zwar länger als der Prinz (rechts)
Die ganz großen tänzerischen Leistungen darf man zwar nicht erwarten, aber Heidrun Schwaarz und ihre Compagnie haben sehr sorgfältig gearbeitet und das Stück, gerade im Hinblick auf sehr junge Theaterbesucher, unbedingt ernst genommen, und das vermittelt sich auch dem Publikum. Die Choreographie hat keinen Durchhänger, unterfordert ihr Publikum aber auch nicht: Es wird in jeder Sekunde richtiges Ballett geboten und keine vermeintlich kindgerechte Vereinfachung.
Na endlich: Cinderella (Silvia Behnke) kriegt ihren Märchenprinzen (Silviu Preda)
Zwei konzentrierte halbe Stunden solides, kindgerechtes Ballettmärchen mit Unterhaltungswert auch für Erwachsene Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Choreographie und Inszenierung
Bühne
Kostüme
Dramaturgie
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