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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Interessante Opernrarität am Pfalztheater
Von Sebastian Hanusa Über eine spannende und unkonventionelle Programmgestaltung konnte sich das Publikum des Pfalztheaters wahrlich nicht beklagen. Neben Bewährtem fanden sich in der Ägide des Intendanten Wolfgang Quetes auch immer wieder ungewöhnliche, wiewohl attraktive Stücke. Zu Ende von Quetes Dienstzeit stand mit Busonis Turandot nochmals ein selten gehöhrtes Werk auf dem Spielplan. Busoni selber zählt wohl zu den schillernsten Figuren der jüngeren Musikgeschichte. Der Sohn deutsch-italienischer Eltern wurde 1866 bei Florenz geboren und begann schon als Kind eine Pianistenkarriere, die ihn später als einen der größten Virtuosen seiner Zeit bekannt machen sollte. Darüber hinaus war er indes ein musikalischer Tausendsassa. Er hinterließ ein reichhaltiges kompositorisches Werk, gilt insbesondere wegen seiner musikpublizistischen und pädagogischen Arbeit als einer der Mittler zwischen Spätromantik und Moderne, besorgte eine Neuausgabe der bachschen Klavierwerke und die Liste seiner Schüler ließt sich wie ein musikalisches Lexikon.
Mal in rot...
So vielfältig Busonis Interessen und Aktivitäten waren, so vielschichtig und wenig widerspruchslos ist sein kompositorisches Schaffen. Während er als Vordenker unter Anderem erste Versuche mit der Entwicklung mikrotonaler Instrumente anregte, mündet seine eigene, von Spätromantik und der Auseinandersetzung mit Bach geprägte Tonsprache schließlich in den Neo-Klassizismus. Programmatisch für diesen Stil ist Busonis Turandot, auch wenn dieses Etikett sich bei genauerer Betrachtung zu einem komplexen Gefüge aus kompositorischen und programmatischen Bezügen auffächert. Die Oper wendet sich sowohl gegen Wagners musikdramatische Sinnesräusche, an denen eine fehlende formale Klarheit bemängelt wird, als auch gegen den Verismo seiner italienischen Zeitgenossen. Letzteren wird entgegengehalten, dass der vorgebliche Naturalismus jener nuancenreichen Psychologismen schon vor der grundsätzlich absurden Situation einer "gesungenen Unterhaltung" zu kapitulieren hätte.
... mal in blau: Prinzessin Turandot
Busonis Ideal ist eher das eines künstlerischen Spiels mit musikalischen Formen, welches das Publikum nicht so sehr zu einem emotionalen Mitvollzug denn zu einer distanzierten Betrachtung anregt. Hier begründet sich auch die Wahl von Carlo Gozzis Turandot als Textvorlage. Anders als Puccini, der sich viel mehr auf den dramatischen Gehalt des Stoffes konzentriert, fasziniert Busoni vor allem Gozzis Verschränkung von tragischer Handlung mit den formalisierten Typen der Comedia dell`Arte. Gozzis Verarbeitung von traditionellen Formen und die Brechung der Bühnenfiktion durch die Kombination aus Groteske und Drama findet sich ihre Entsprechung bei Busoni: Er bedient sich der alten Form der Nummernoper, greift auf Klischees zurück und scheut sich nicht, eine stilistisch bunt schillernde und hoffnungslos uneinheitliche Musik zu komponieren. Das Stück ist Oper, Oper über Oper, erzählt eine Handlung und ist auch irgendwie Modellkomposition für ein bestimmtes ästhetisches Konzept.
Der Obereunuch und seine Gespielen
Keine leichte Aufgabe für Regisseurin Carin Marquardt: Was für eine Stellung nimmt man als Interpret gegenüber einem solchen Stück ein? Letztlich löst sie es auf eine für Busoni typische Art. Irgendwie ist von allem etwas dabei, und wenn es am Ende nicht ganz so kohärent ist, soll dies nicht wirklich ein Problem sein. Da werden genüsslich, fast mit zur Plattheit neigender Derbheit die Figuren der Comedia dell'Arte inszeniert, während Elisabeth Werres als Turandot und Juan Gambina als Kalaf schon mal auf der szenischen Klaviatur großer Gefühle spielen dürfen. Vor dem eigentlichen Vorstellungsbeginn gibt es ein stimmungsvolles Vorspiel im Foyer, wo das Bühnenpersonal - unterstützt durch Lesungen kurzer Texte - etwas von der märchenhaften Magie jenes imaginären China verbreitet, und gleichzeitig unterbindet die lakonisch knappe Szenenfolge jede theatralische Imagination. Übelwollend würde man sagen, Carin Marquardt habe letztlich mit dem Stück nicht so viel anfangen können, während andererseits die Frage im Raum steht, wie man es überhaupt inszenieren soll. Sehr gelungen ist das einheitliche Bühnenbild mit einer Kuppelhalle, die mit wenig Aufwand in den Thronsaal oder eine Straße verwandeln läßt, insbesondere Dank einem herausragenden Geschick in der Behandlung des Lichts. In der vielgestaltigen und gekonnten Behandlung der Beleuchtung ist die Regisseurin wahrlich von großer Meisterschaft. Musikalisch tritt besonders die Besetzung der beiden Hauptpartien hervor, hat aber die gesamte Produktion ein hohes Niveau. Nur das Orchester ließ unter der Stabführung von Kapellmeister Ekhart Wycik eine letzte Präzision und etwas musikalischen Esprit vermissen. FAZIT Die Tatsache, das Stück hören und Frau Marquardts Ausleuchtung sehen zu können, lohnt den Weg in die Pfalzmetropole. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Chor
Dramaturgie
SolistenAltoumHidekazu Tsumaya
Turandot
Adelma
Kalaf
Barak
Die Königinmutter von Samarkand
Truffaldino
Pantalone
Tartaglia
Acht Doktoren
Eine Vorsängerin
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- Fine -