Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage Musiktheater-Startseite E-mail Impressum



Lohengrin

Romantische Oper
in drei Aufzügen
Dichtung und Musik
von Richard Wagner

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern am 7. April 2002



Logo: Pfalztheater Kaiserslautern

Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Außerordentlicher Wagner im Herzen der Pfalz

Von Sebastian Hanusa


Ein gebrechlicher König kommt nach Brabant um für den abermaligen Krieg zu rüsten. Aber zur Bedrohung von außen kommt innerer Zwist hinzu: Telramunds Anklage wider Elsa geht über persönliche Machtgier hinaus, scheint eine politische Dimension zu haben, die das Herzogtum entzweit. Sein Streben wird von den Grafen Brabants gestützt - welche Rolle spielt Ortruds Familie als vormaliges Herzogsgeschlecht in diesem Machtpoker? Edmund Zelotes Tolivers ist ein an der Macht gealterter, über das schmutzige Geschäft der Politik skeptisch gewordener Herrscher. Wenig scheint ihn daran zu hindern, der offensichtlichen Intrige gegen Elsa statt zu geben, diese für Heerfolge und Frieden im Innern zu opfern. Wenn Regisseur Wolfgang Quetes aus der Figur König Heinrichs mehr als die vor sich hin herrschende Erhabenheit gemacht hat, analysiert er die politische Schicht der Oper, zeigt die handgreiflichen Erwartungen von König und Volk an die unvermutet auftauchende Lichtgestalt Lohengrins. Auch Reich und Herzogtum bedürfen jenes Retters metaphysischen Zuschnitts.

Vergrößerung Foto links:
Ein kritischer Blick auf singende Paare:

Tolivers darstellerisch beeindruckendem König Heinrich steht die Elsa-Handlung gegenüber. Der gealterten Staatsmann und die politischen Ränke werden durch eine versponnen naive, sich dem Traum ausliefernde wie ihren Träumen erliegende Elsa Turid Karlsens kontrastiert. Nicht die Realpolitik, sondern das traumverlorene Mädchen mit seinem irrationalen Vertrauen in die utopische Vision des verheißenen Ritters vermag der Welt jenen Spalt ins Wunderbare zu öffnen, der den Schwanenritter ermöglicht. Ebenso überzeugend wie das mädchenhaft unschuldige Ignorieren des höfischen Ränkespiels gelingt es Karlsen später, das wachsende und zuletzt nicht mehr zurückhaltbare Verlangen nach der verbetenen Frage zu gestalten - Elsa als eine interessanten, aber auch widersprüchlichen Charakter.

Vergrößerung Foto rechts:
Elsa und Lohengrin in freundlichem Lichte...

Peter Kovacs als Telramund gibt einen politischen Handwerker, der sich eher auf dem Feld der Ehre zurechtfindet, denn auf dem Schlachtfeld der Träume und Begierden, während seine Gattin ihn letztlich überfordert. Diese erscheint als zuvor gedemütigte Intrigantin, deren stimmliche Exzesse in der hervorragend disponierten Susan McLean eine herausragende Interpretin fanden.

Der "realistischen" Personenführung dieser vier Charaktere steht ein ziemlich statischer Bernd Gilman als Lohengrin entgegen. Mag dies in anderen Partien eine Inszenierung sprengen, ergänzte es Quetes' Lohnegrin bestens. Jenes ferne Zauberreich der Gralsritter ist eine Welt tendenzieller Abstraktion, ihre Vertreter solange mehr vagabundierende Symbole denn leibhaftige Menschen, wie nicht die bedingungslose Liebe einer Frau ihnen menschlichen Fehl ermöglicht. In der Welt machtgieriger Ränke wird dieses in Lohengrins Person symbolisierte Drama der Abstraktion eine Affäre der Musik: In das Handeln der anderen Figuren schlägt Gilmans merkwürdige Steifheit eine szenische Bresche, in der das Drama vor Wagners beredter musikalischer Prosa zurückweicht. Lediglich in wenigen Momenten des Brautgemachs kippt die Rolle; eine Ahnung von Leib durchläuft Lohengrin - bevor vor Elsas wachsender Neugier alles vergeht.

Vergrößerung Foto rechts:
Kaltes Blau für die Verschwörer!

Basis der gelungenen Aufführung ist das für das B-Haus Kaiserslautern außerordentlich hohe musikalische Niveau. Sämtliche Sänger erweisen sich als technisch souveräne Meister ihrer Partien, aber auch durch Ensemble-Leistung und große Musikalität als Sachwalter eines schlüssigen Ganzen. Besonders Hervorzuheben ist hierbei die außerordentliche Textverständlichkeit. Bis auf die indes ansonsten überwältigende Susan McLean verstand man passagenweise fast jedes Wort. Dies - wie auch die Tatsache, daß kein Sänger gewaltsam forciert hat - scheint zu einem Großteil der sensiblen Stabführung von GMD Corti zu verdanken zu sein. Ohne den Ausbrüchen die nötige Kraft zu nehmen, kommt er ohne übertriebene Lautstärken aus, deckt insbesondere im zweiten Akt in der Musik Linienführungen überwältigender Schönheit auf.

Sehr erfreulich ist, wie das Orchester die anspruchsvolle Partitur realisiert. Insgesamt makellos, hätte man sich lediglich von Blech etwas mehr Fingerspitzengefühl dort erwünscht, wo wenige Forte-Zeichen in der Partitur eruptive Urkräfte freizusetzen schien. Nur sollte ein großer Klang nicht mit schneidender Schärfe identisch sein. Gerade in den Streichern mangelte es in den fragilen Teilen des Vorspiels - ebenso in der Gralserzählung - noch etwas an Selbstsicherheit, die Tempowahl in den langen rezitativischen Passagen des ersten Aktes durch Corti war mitunter etwas sprunghaft. Alles in allem wog jedoch die hervorzuhebende Gesamtleistung des Orchesters die angemerkten Details bei weitem auf.


FAZIT
Mit dieser – seiner vorerst letzten Operninszenierung am Ort – setzte Intendant Quetes ein absolutes Highlight am Ende seiner Amtszeit. Unbedingt sehenswert!


Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Francesco Corti

Inszenierung
Wolfgang Quetes

Bühne und Kostüme
Heinz Balthes

Choreinstudierung
Ulrich Nolte

Dramaturgie
Carin Marquardt /
Christina Schmidt



Orchester, Extrachor,
Chor und Statisterie
des Pfalztheaters Kaiserslautern


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Heinrich der Vogler
Zelotes Edmund Toliver

Elsa von Brabant
Anna-Katharina Behnke /
Turid Karlsen*

Lohengrin
Bernd Gilman

Ortrud
Susan McLean

Friedrich von Telramund
Peter Kovacs

Der Heerrufer
Mathias Mann

Vier Brabantische Edle
Bernd Könnes / Bernhard Schreurs /
Carlos Andueza / Dmitri Oussar

Vier Edelknaben
Alexandra Fries / Susanne Scholl /
Judith Braun / Marie Louise Renz

Herzog Gottfried
Philipp Diehl / Christoph Zimnol


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




Da capo al Fine

Homepage Musiktheater-Startseite E-mail Impressum

©2001 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -