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Außerordentlicher Wagner im Herzen der PfalzVon Sebastian Hanusa
Tolivers darstellerisch beeindruckendem König Heinrich steht die Elsa-Handlung gegenüber. Der gealterten Staatsmann und die politischen Ränke werden durch eine versponnen naive, sich dem Traum ausliefernde wie ihren Träumen erliegende Elsa Turid Karlsens kontrastiert. Nicht die Realpolitik, sondern das traumverlorene Mädchen mit seinem irrationalen Vertrauen in die utopische Vision des verheißenen Ritters vermag der Welt jenen Spalt ins Wunderbare zu öffnen, der den Schwanenritter ermöglicht. Ebenso überzeugend wie das mädchenhaft unschuldige Ignorieren des höfischen Ränkespiels gelingt es Karlsen später, das wachsende und zuletzt nicht mehr zurückhaltbare Verlangen nach der verbetenen Frage zu gestalten - Elsa als eine interessanten, aber auch widersprüchlichen Charakter.
Peter Kovacs als Telramund gibt einen politischen Handwerker, der sich eher auf dem Feld der Ehre zurechtfindet, denn auf dem Schlachtfeld der Träume und Begierden, während seine Gattin ihn letztlich überfordert. Diese erscheint als zuvor gedemütigte Intrigantin, deren stimmliche Exzesse in der hervorragend disponierten Susan McLean eine herausragende Interpretin fanden.
Der "realistischen" Personenführung dieser vier Charaktere steht ein ziemlich statischer Bernd Gilman als Lohengrin entgegen. Mag dies in anderen Partien eine Inszenierung sprengen, ergänzte es Quetes' Lohnegrin bestens. Jenes ferne Zauberreich der Gralsritter ist eine Welt tendenzieller Abstraktion, ihre Vertreter solange mehr vagabundierende Symbole denn leibhaftige Menschen, wie nicht die bedingungslose Liebe einer Frau ihnen menschlichen Fehl ermöglicht. In der Welt machtgieriger Ränke wird dieses in Lohengrins Person symbolisierte Drama der Abstraktion eine Affäre der Musik: In das Handeln der anderen Figuren schlägt Gilmans merkwürdige Steifheit eine szenische Bresche, in der das Drama vor Wagners beredter musikalischer Prosa zurückweicht. Lediglich in wenigen Momenten des Brautgemachs kippt die Rolle; eine Ahnung von Leib durchläuft Lohengrin - bevor vor Elsas wachsender Neugier alles vergeht.
Basis der gelungenen Aufführung ist das für das B-Haus Kaiserslautern außerordentlich hohe musikalische Niveau. Sämtliche Sänger erweisen sich als technisch souveräne Meister ihrer Partien, aber auch durch Ensemble-Leistung und große Musikalität als Sachwalter eines schlüssigen Ganzen. Besonders Hervorzuheben ist hierbei die außerordentliche Textverständlichkeit. Bis auf die indes ansonsten überwältigende Susan McLean verstand man passagenweise fast jedes Wort. Dies - wie auch die Tatsache, daß kein Sänger gewaltsam forciert hat - scheint zu einem Großteil der sensiblen Stabführung von GMD Corti zu verdanken zu sein. Ohne den Ausbrüchen die nötige Kraft zu nehmen, kommt er ohne übertriebene Lautstärken aus, deckt insbesondere im zweiten Akt in der Musik Linienführungen überwältigender Schönheit auf. Sehr erfreulich ist, wie das Orchester die anspruchsvolle Partitur realisiert. Insgesamt makellos, hätte man sich lediglich von Blech etwas mehr Fingerspitzengefühl dort erwünscht, wo wenige Forte-Zeichen in der Partitur eruptive Urkräfte freizusetzen schien. Nur sollte ein großer Klang nicht mit schneidender Schärfe identisch sein. Gerade in den Streichern mangelte es in den fragilen Teilen des Vorspiels - ebenso in der Gralserzählung - noch etwas an Selbstsicherheit, die Tempowahl in den langen rezitativischen Passagen des ersten Aktes durch Corti war mitunter etwas sprunghaft. Alles in allem wog jedoch die hervorzuhebende Gesamtleistung des Orchesters die angemerkten Details bei weitem auf.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungFrancesco Corti
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Choreinstudierung
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten AufführungHeinrich der Vogler Zelotes Edmund Toliver
Elsa von Brabant
Turid Karlsen*
Lohengrin
Ortrud
Friedrich von Telramund
Der Heerrufer
Vier Brabantische Edle
Carlos Andueza / Dmitri Oussar
Vier Edelknaben
Judith Braun / Marie Louise Renz
Herzog Gottfried
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- Fine -