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Drama zwischen Verrat und Wahnsinn
Von Sebastian Hanusa
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Fotos von Klaus Baqué
Der finnische Altmeister Aulis Sallinen hat für seine Oper Shakespeares Textmassen extrem verkürzt, auch einige Personen gestrichen, für seine zweieinhalbstündige Oper die Handlungskerne gekonnt konzentriert. Hierbei erinnert nicht nur seine Klangsprache oftmals an Richard Strauss, auch mit der Konzeption einer linear erzählten Handlungs-Oper setzt er sich in diese Tradition. Dabei ist sein Orchestersatz jedoch nicht so polyphon und psychologisierend gestenreich, er trägt Motive und Orchesterfarben eher mit einem breiten Pinsel auf, scheut auch nicht vor colla parte-Führung von Stimme und Orchester in Manier eines Puccini zurück. Dabei bewegt er sich aber auf kompositorisch höchsten Niveau und produziert eine fast durchweg spannende Textur. Erst gegen Ende stellt sich erste Ermüdung ob der zahllosen Gewalttaten des Bühnengeschehens und deren klanggewaltsamer Entsprechung im Orchestergraben ein.
Für Inszenierung und Ausstattung passt einzig der Begriff Bravourstück: Heinz-Lukas Kindermann - scheidender Intendant des Trierer Theaters, mit der das Pfalztheater bei dieser Produktion kooperiert - hat eine klare, direkte Bühnensprache entwickelt und die Handlung der Oper in deutliche, aussagestarke Bilder übersetzt. Pars pro toto sei jene Szene genannt, in der der von Hofe getriebene Lear mit seinem Narren im nächtlichen Unwetter auf der Heide den ebenfalls ausgetriebenen Edgar trifft. Letzterer, einen Wahnsinnigen spielend, ersterer selbigem nahe, entwickelt Kindermann einen erschreckend grotesken Tanz, eine Szene, die eine direkter Beziehung zwischen dem Wahnsinn der Bühnenrealität und der absurden Distanznahme gespielten Irrsinns herstellt. Unterstütz wird die Inszenierung von dem hervorragenden Bühnenbild Susanne Thalers. Sie hat eine abstrakte Bühnenwelt geschaffen, die gleichzeitig für sich genommen skulpturale Qualitäten aufweist, als sich auch hervorragend zum Bespielen eignet und zudem assoziative Freiräume auf verschiedene Verständnids-Kontexte hin öffnet.
Unter der Leitung von Peter Leonard bot das Orchester eine beachtenswerte Leistung; lediglich an einigen Stellen drohten die Musiker die Sänger zuzudecken. Diesbezüglich steht jedoch zu befürchten, daß auch etwas mehr Zurückhaltung des Orchesters zu einer runden Interpretation einiger Sänger beigetragen hätte. Insbesondere Laurie Gibson und Sonja Mühleck in den Rollen der beiden Töchter Goneril und Regan und Kenneth Garrison als Edmund schienen den Gewalttaten auf der Bühne ebensolche im Gesanglichen entgegensetzen zu wollen. Allesamt mit großen Stimmen ausgestattet, wurde bei den Spitzentönen kräftig forciert, während hierunter Stimmkultur und insbesondere Textverständlichkeit arg leiden mußten. Bei Garrison war es zudem um die Intonation in der Mittellage nicht immer gut bestellt. Mit Einschränkung trifft dies auch Plamen Hidjov in der Hauptpartie des King Lear zu, der sich in der zweiten Hälfte aber gewaltig steigerte und zudem eine beeindruckende darstellerische Leistung bot. Sehr homogen in darstellerischer wie sängerischer Hinsicht waren die Interpretation von Peter Kovacs als Graf Gloucester und Susan McLean als Corelia auf; den sängerischen Höhepunkt des Abends setzte jedoch Peter Anton Ling als Edgar, der mit einer technisch makellos geführten Stimme, bei hervorragender Textverständlichkeit eine nuancenreiche Umsetzung seiner Rolle bot, diese auch darstellerisch voll ausfüllte. Letzteres wäre noch in Potenz von Bernd Könnes als Narr zu sagen: Diese hintergründige Schlüsselrolle des Stückes - der professionell gespielte Wahnsinn als Gegenentwurf zur Widersinnigkeit der Welt wurde von Könnes in einer schlüssigen und in jeder Hinsicht prägnanten wie differenzierten Weise verkörpert.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungPeter Leonard
Inszenierung
Ausstattung
Choreinstudierung
Dramaturgie
Regieassistenz und Abendspielleitung
Musikalische Assistenz
Solisten*Besetzung der rezensierten AufführungKönig Lear Plamen Hidjov
Cordelia
Goneril
Regan
Graf von Gloucester
Edgar
Edmund
König von Frankreich
Herzog von Albany
Herzog von Cornwall
Bernd Schreurs
Der Narr
Drei Ritter des Herzogs von Cornwall
Eric Erlandsen Miroslav Maj
Drei Ritter des Königs Lear
Hubertus Bohrer Dimitri Oussar
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