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König Lear

Oper in zwei Akten von Aulis Sallinen
Nach dem Drama von William Shakespeare
Finnischer Text von Matti Rossi
Deutsche Fassung von
Karin Holzmann und Wolfgang Quetes
Nach einer Übersetzung von Gisbert Jänicke
Deutsche Erstaufführung in deutscher Spache
In Kooperation mit dem Theater Trier

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern
am 8. 9. 2001



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Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Drama zwischen Verrat und Wahnsinn

Von Sebastian Hanusa / Fotos von Klaus Baqué



Im letzten Bild hängt ein blutverschmiertes Tuch vom Schnürboden, bei den letzten Takten senkt es sich auf die Leichen von Lear und seiner Tochter Cordelia. Nahezu alle Handelnden sind Opfer eines Strudels aus Gier und Gewalt geworden - den wenigen Überlebenden bleibt nur mehr die Gewissheit um den absurden Widersinn der Welt, die Vergeblichkeit aller Hoffnung. In Shakespeares negativsten Stück sind nur noch Hass und Habgier Antrieb und Maßstab alles Handelns. Es wird - vornehmlich im engsten Familienkreis - betrogen, verraten und gemordet. Shakespeares Drama ist um so verneinender, als die Trennung in Opfer und Täter nicht eine Trennung in Gut und Böse ist; woher wissen wir, wie Lear geherrscht hat, was für ein Vater bringt solche Töchter hervor? Es ist eher eine Unterscheidung zwischen Personen, die sich weitestgehend über ihr skrupelloses Handeln charakterisieren und differenzierter gestalteten Opfer, deren erlittenes Unrecht neben neuem Hass nur die Einsicht in die Absurdität der Welt hervorruft. Doch Erkenntnis heißt hier nicht auch Katharsis, sondern steht nur für die Einsicht in Leere und Sinnlosigkeit. Einzige Alternative ist die Narretei Wahnsinniger, über deren Echtheit man im Falle Edgars und Lears nicht endgültig aufgeklärt wird – in diesem Sinne scheitert Gloucester Selbstmordversuch, der Tod als Ausweg und Hoffnung wird verneint.

Vergrößerung Scheinbare Liebesbeweise...

Der finnische Altmeister Aulis Sallinen hat für seine Oper Shakespeares Textmassen extrem verkürzt, auch einige Personen gestrichen, für seine zweieinhalbstündige Oper die Handlungskerne gekonnt konzentriert. Hierbei erinnert nicht nur seine Klangsprache oftmals an Richard Strauss, auch mit der Konzeption einer linear erzählten Handlungs-Oper setzt er sich in diese Tradition. Dabei ist sein Orchestersatz jedoch nicht so polyphon und psychologisierend gestenreich, er trägt Motive und Orchesterfarben eher mit einem breiten Pinsel auf, scheut auch nicht vor colla parte-Führung von Stimme und Orchester in Manier eines Puccini zurück. Dabei bewegt er sich aber auf kompositorisch höchsten Niveau und produziert eine fast durchweg spannende Textur. Erst gegen Ende stellt sich erste Ermüdung ob der zahllosen Gewalttaten des Bühnengeschehens und deren klanggewaltsamer Entsprechung im Orchestergraben ein.

Vergrößerung ... begründen Lears trügerische Sicherheit.

Für Inszenierung und Ausstattung passt einzig der Begriff Bravourstück: Heinz-Lukas Kindermann - scheidender Intendant des Trierer Theaters, mit der das Pfalztheater bei dieser Produktion kooperiert - hat eine klare, direkte Bühnensprache entwickelt und die Handlung der Oper in deutliche, aussagestarke Bilder übersetzt. Pars pro toto sei jene Szene genannt, in der der von Hofe getriebene Lear mit seinem Narren im nächtlichen Unwetter auf der Heide den ebenfalls ausgetriebenen Edgar trifft. Letzterer, einen Wahnsinnigen spielend, ersterer selbigem nahe, entwickelt Kindermann einen erschreckend grotesken Tanz, eine Szene, die eine direkter Beziehung zwischen dem Wahnsinn der Bühnenrealität und der absurden Distanznahme gespielten Irrsinns herstellt. Unterstütz wird die Inszenierung von dem hervorragenden Bühnenbild Susanne Thalers. Sie hat eine abstrakte Bühnenwelt geschaffen, die gleichzeitig für sich genommen skulpturale Qualitäten aufweist, als sich auch hervorragend zum Bespielen eignet und zudem assoziative Freiräume auf verschiedene Verständnids-Kontexte hin öffnet.

Vergrößerung Es folgen Verrat und Tod.

Unter der Leitung von Peter Leonard bot das Orchester eine beachtenswerte Leistung; lediglich an einigen Stellen drohten die Musiker die Sänger zuzudecken. Diesbezüglich steht jedoch zu befürchten, daß auch etwas mehr Zurückhaltung des Orchesters zu einer runden Interpretation einiger Sänger beigetragen hätte. Insbesondere Laurie Gibson und Sonja Mühleck in den Rollen der beiden Töchter Goneril und Regan und Kenneth Garrison als Edmund schienen den Gewalttaten auf der Bühne ebensolche im Gesanglichen entgegensetzen zu wollen. Allesamt mit großen Stimmen ausgestattet, wurde bei den Spitzentönen kräftig forciert, während hierunter Stimmkultur und insbesondere Textverständlichkeit arg leiden mußten. Bei Garrison war es zudem um die Intonation in der Mittellage nicht immer gut bestellt. Mit Einschränkung trifft dies auch Plamen Hidjov in der Hauptpartie des King Lear zu, der sich in der zweiten Hälfte aber gewaltig steigerte und zudem eine beeindruckende darstellerische Leistung bot. Sehr homogen in darstellerischer wie sängerischer Hinsicht waren die Interpretation von Peter Kovacs als Graf Gloucester und Susan McLean als Corelia auf; den sängerischen Höhepunkt des Abends setzte jedoch Peter Anton Ling als Edgar, der mit einer technisch makellos geführten Stimme, bei hervorragender Textverständlichkeit eine nuancenreiche Umsetzung seiner Rolle bot, diese auch darstellerisch voll ausfüllte. Letzteres wäre noch in Potenz von Bernd Könnes als Narr zu sagen: Diese hintergründige Schlüsselrolle des Stückes - der professionell gespielte Wahnsinn als Gegenentwurf zur Widersinnigkeit der Welt – wurde von Könnes in einer schlüssigen und in jeder Hinsicht prägnanten wie differenzierten Weise verkörpert.


FAZIT
Allein schon des Stückes wegen sollte man sich die nächsten Aufführungstermine vormerken.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Leonard

Inszenierung
Heinz-Lukas Kindermann

Ausstattung
Susanne Thaler

Choreinstudierung
Ulrich Nolte

Dramaturgie
Carin Marquardt

Regieassistenz und Abendspielleitung
Christa Leiffheidt

Musikalische Assistenz
Eckhardt Wycik
Ulrich Pakusch
Peter Breunig



Chor und Orchester
des Pfalztheaters
Statisterie des Pfalztheaters


Solisten

*Besetzung der rezensierten Aufführung


König Lear
Plamen Hidjov

Cordelia
Susan Mclean

Goneril
Laurie Gibson

Regan
Sonja Mühleck

Graf von Gloucester
Peter Kovacs

Edgar
Peter Anton Ling

Edmund
Kenneth Garrison

König von Frankreich
Luiz Molz

Herzog von Albany
Mathias Mann

Herzog von Cornwall
Bernd Gilman*
Bernd Schreurs

Der Narr
Bernd Könnes

Drei Ritter des Herzogs von Cornwall
Jung-Baik Seok
Eric Erlandsen
Miroslav Maj

Drei Ritter des Königs Lear
Anatoli Bortscharnikow
Hubertus Bohrer
Dimitri Oussar


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




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