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Hänsel und Gretel
Märchenspiel in drei Akten
Dichtung von Adelheid Wette
Musik von Engelbert Humperdinck

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern
am 8. Dezember 2001
rezensierte Aufführung: 12. Dezember 2001



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Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Müder Theaterdonner zum Weihnachtsgebäck

Von Sebastian Hanusa



Nach altem Brauch läuft in deutschen Opernhäusern, wenn der Adventskranz duftet und der Christstollen lockt, Hänsel und Gretel. Für viele Kinder ist es das erste Mal, ins festlich erleuchtete Theater gehen zu dürfen, und die Erwachsenen freuen sich auf die zahlreichen Ohrwürmer des geliebten Märchenspiels. Im Turnus der Spielzeiten war dieses Jahr in Kaiserslautern wieder einmal Humperdinck-Zeit, und Chefdramaturgin Carin Marquardt besorgte die szenische Einrichtung. Letzteres mag zu gleichen Teilen schwer und leicht sein: Zum einen ist das Stück beim Publikum ein Selbstläufer, es verträgt sowohl surreales als naturalistisches Bühnenbild, ohne von seinem Charme zu verlieren, und die Spielfreude der Sänger wird fast von selber animiert. Auch bietet sich nicht an, die Oper quasi „gegen den Strich“ zu inszenieren – dies gibt der Text einfach nicht her. Es kommt wohl einfach darauf an, die Phantasie mehr oder weniger bunt schweifen zu lassen und den Märchenonkel mit mehr oder minder großer Passion spielen zu wollen.

Vergrößerung Das Geschwisterpaar betet den Abendsegen.

Zunächst hat Carin Marquardt das Wenige, was sich an Psychologismen bot, aufgegriffen: Die Hexe wird mit der selben Sängerin wie die Mutter besetzt und die Kinder werden am Ende des ersten Akts statt in den Wald, in den Keller geschickt. Ersteres mag von der grimmschen Vorlage inspiriert sein, wo die Eltern aus Not die Kinder ganz bewußt in den Wald zur Hexe schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können und dies nicht wie bei Humperdinck durch einen Wutausbruch der von Sorgen geplagten Mutter veranlaßt wird. Der zweite Punkt soll wohl auf die Möglichkeit verweisen, die Erlebnisse im Wald als eine Traumsequenz der Kinder zu interpretieren, während diese eingesperrt im Keller sitzen. Dies wird auch durch Lichtwechsel zwischen neutralem, weißem Licht für die alltägliche Realität und grün-blauem Licht für die märchenhaften Passagen suggeriert. Leider wird dieses Konzept im Verlauf des Stückes nicht mehr weiter verfolgt; statt dessen wird man mit einer Unzahl an Bühnenzauber und Dekorationen konfrontiert, ohne daß eine grundlegende Idee der Inszenierung erkennbar gewesen wäre. Zwar wurde dadurch keine schlechte Inszenierung geboten, nur fehlte jenes Moment, mit welchem man aus Hänsel und Gretel ein geistreiches Mehr machen könnte als den versöhnlichen Nachklang aufreibender Weihnachtseinkäufe.

Vergrößerung Leider verbirgt sich hinter dem Leckerwerk eine feixende Hexe.

Dabei fanden sich einige schöne Einfälle: Ein surrealer Wald aus überdimensionierten Stricknadeln und rotem Wollgespinst zählt ebenso hierzu, wie die liebevoll gestaltete Hexenküche, die wie das Innere eines riesigen Kaufmannsladens aussah. Nur standen diese beiden Bilder visuell beziehungslos nebeneinander und wurden zudem noch durch drei weitere, aufwendige Bühnenbilder getrennt. Sowohl für den Abendsegen als auch für den Auftritt des Taumanns und das Äußere des Hexenhauses mußten nochmals eigene Szenarien gebaut werden, ohne daß ersichtlich wurde, warum hier soviel Aufwand getrieben werden mußte. Auch wurde zwar mit Nebel und farbigem Licht nicht gespart, nur als zum finalen Höhepunkt die Hexe in ihrem eigenen Ofen versenkt wurde, fiel dies ziemlich unspektakulär aus. Die Personenführung wartete – wenn auch sehr solide – ebenfalls mit wenig Raffinement auf, so daß die Frage nach dem Wozu letztlich unbeantwortet blieb.

Obschon im „Märchenton“ gehalten, sind die Hauptrollen hinsichtlich des sängerischen Anspruches nicht zu unterschätzen. Schließlich haben Hänsel und Gretel nahezu die ganze Oper über zu singen, und die Zusammenlegung von Mutter und Hexe hatte eine weitere große Partie erschaffen. Alle drei Sängerinnen erfüllten die an sie gestellten Anforderungen sehr gut, indem sie die technische Probleme hinter dem kindlich-verspielten Duktus zurücktreten und verschwinden ließen. Lediglich Peter Kovacs als Vater ließ gerade in der Höhe Anstrengungen anklingen - dort wurde seine Stimme schnell fest und klang etwas forciert. Ansonsten fügte er sich gut in das insgesamt locker agierende Ensemble ein. Was zum wiederholten Male eine ausgesprochen gute Leistung bot, war das Pfalzorchester unter seinem GMD Francesco Corti. In technischer Hinsicht sehr sicher, war die Interpretation durch gute Tempowahl, aber auch durch Gespür für die spätromantischen Orchesterfarben der Partitur geprägt. Hinsichtlich letzterem fielen besonders die - in einer waldlastigen deutschen Oper dominanten - Hörnersätze mit einer sehr schönen Klanggebung auf.


FAZIT
Musikalisch sehr gute Produktion, deren Inszenierung leider gerade für den Hausgebrauch langt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Francesco Corti

Inszenierung
Carin Marquardt

Ausstattung
Manfred Kaderk

Choreinstudierung
Ulrich Nolte

Dramaturgie
Christina Schmidt

Regieassistenz und Abendspielleitung
Christa Leiffheidt

Musikalische Assistenz
Christa Leiffheit
Ulrich Pakusch
Peter Breunig



Orchester, Kinderchor und
Kinderstatisterie
des Pfalztheaters


Solisten

*Besetzung der rezensierten Aufführung


Peter, der Besenbinder
Peter Kovacs*
Mathias Mann

Gertrud, sein Weib
Susan Mclean*
Gaby May

Hänsel
Judith Genrich*
Maria Hilmes

Gretel
Carmen Acosta
Anneli Pfeffer*

Die Knusperhexe
Susan Mclean*
Gaby May

Sandmännchen
Michaela Maucher

Taumännchen
Antonietta Jana


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




Da capo al Fine

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