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Don Carlos

Oper in vier Akten (sieben Aufzügen)
Dichtung von Joseph Méry und Camille du Locle
Musik von Guiseppe Verdi

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern am 8. Juni 2002



Logo: Pfalztheater Kaiserslautern

Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

...und wo war der Regisseur?

Von Sebastian Hanusa


"Schöne Stimmen und Verdis glutvolle Musik reicht doch für den gelungenen Opernabend aus - eine ambitionierte Regie stört ohnehin." Ohne eine Absicht unterstellen zu wollen, war Lauterns jüngster Verdi sicherlich Hochgenuß für derartig gestimmte Opern-Gourmets. Musikalisch auf hohem Niveau und sängerisch mehr als überzeugend, war die Mitwirkung von Regisseur Peter Brenner mehr als zurückhaltend. Gerade Don Carlos bietet als Konversationsoper neben der großen Geste reichhaltigsten Stoff für psychologischen Feinschliff und subtile Detailarbeit, gleichzeitig fordert die politische Dimension der Oper zu einer interpretierenden Stellungnahme geradezu heraus. Brenners Personenführung beschränkte sich im wesentlichen auf Bekanntes, mit etwas Argwohn hätte man auch die hausgebrauten Verlegenheitsgesten aus dem persönlichen Fundus der Sänger ausmachen können.

Vergrößerung Opfer im Getriebe von Liebe - Elisabeth und Carlos...

Die Inszenierung hätte man auf einige wenige Standart-Klischees reduzieren können, im Autodafé glitt kurzzeitig sogar ins Peinliche ab, als - nachdem schon rotvermummte Mönche den Reisig über die Bühne getragen hatten - kreuztragende Ketzer stark an Monty Pythons "Life of Brian" erinnerten. Neben einer recht konventionellen und sehr statischen Lichtregie hatte die Produktion mit Heidrun Schmelzers Bühnenbild zu kämpfen. Um ein mit rotem Stoff überzogenes Podest hatte sie eine durch Säulen gegliederte Kiste gebaut, deren Wände unheilvoll blutrot marmoriert waren. Während das Agieren des Personals wenig psychologische Spannung schuf, hatte das mehr lästig denn bedrohlich wirkende Bühnenbild nichts von der Magie einer großen Oper. Das rote Podest hätte mehr Raum gehabt, mehr Stimmung verströmt, wäre es nicht in jenen multifunktionalen Karton gesperrt.

Vergrößerung ... Prinzessin Eboli -

Dass immerhin auf Verdis Musik Verlass ist, erwies sich erst im Laufe der Aufführung: Auch wenn das Orchester mit konzentriertem Spiel gefiel, taten sich die Musiker zunächst schwer jenen typischen Tonfall zu finden, der die große Emphase auf engstem Raum mit nuancenreicher Differenzierung verbindet. Erst im Laufe der knapp vier Stunden wurde das Orchester unter seinem GMD Francesco Corti allmählich warm und vermittelte musikalische Höchstspannung.

Vergrößerung ... und Politik: Carlos und Posa.

Sofort überzeugen konnten die herausragenden Sänger. Ruben Broitman gestaltete seinen Carlos mit einem mühelos leicht wirkenden Tenor, für den die großen Bögen ebenso selbstverständlich waren wie die dramatischen Ausbrüche und der dabei eine selten in dieser Partie anzutreffende Jugendlichkeit ausstrahlte. Mit Dorin Mara als Posa hatte er einen Bühnenpartner, der ihm an Selbstverständlichkeit und Ausdruckskraft in nichts nachstand - ebensolches läßt sich auch über Susan McLean als Eboli sagen. Margaret Chalkers Elisabeth stand dem lediglich um die Nuance einiger erhoffter lyrischer Zwischentöne und einer etwas matten Höhe nach, Plamen Hidjovs König Philipp hätte vielleicht etwas weniger Würde vertragen können. Die außerordentlich profunde Tiefe Hidekazu Tsumayas verlieh seinem Großinquisitor über die Bühnenfiktion hinaus furchterregende Wirkung, letzteres ließe sich auch zu der einen oder anderen Vibartions-Schliere im nicht immer intonationsreinen Opernchor sagen.


FAZIT
Große Oper, große Stimmen und leider wenig vom Faszinations-Sog eines atmosphärisch dichten Gesamtkunstwerks. Letzteres geht auf in erster Linie die matte Regie und ein wirkungsschwaches Bühnenbild.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Francesco Corti /
Siegmund Weinmeister

Inszenierung
Peter Brenner

Bühne und Kostüme
Heidrun Schmelzer

Choreinstudierung
Ulrich Nolte

Dramaturgie
Christina Schmidt



Orchester, Extrachor,
Chor und Statisterie
des Pfalztheaters Kaiserslautern


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Philipp II.
Plamen Hidjov

Don Carlos
Ruben Broitman

Marquis Posa
Dorin Mara

Der Großinquisitor
Hidekazu Tsumaya

Ein Mönch
Mathias Mann

Elisabeth
Margaret Chalker* /
Teresa Erbe

Prinzessin Eboli
Susan McLean

Tebaldo
Elena Gerasimova

Eine Verurteilte
Galina Puntintseva

Gräfin von Aremberg
Kerstin Dauenhauer

Graf von Lerma
Haesung Park

Sechs flämische Gesandte
Hans-Joachim Bischoff / Hubertus Bohrer /
Juan de Gea / Markus Monnerjan /
Kurt Schäfer / Thomas Stadler /
Johannes Zimnol

Sechs Mönche
Eric Erlandsen / Stefan Gäbel /
Rainer Mahler / Miroslaw Maj /
Lemi Reskovac / Hermann Weber


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




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