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Die Geschichte vom Soldaten
Text von Charles Ferdinand Ramuz
Musik von Igor Strawinsky

Premiere auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters Kaiserslautern am 28. September 2001



Logo: Pfalztheater Kaiserslautern

Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Raffinement in bewusster Einfachheit

Von Nora Heyos / Fotos von Klaus Baqué



Lausanne, 28.09.1918, Uraufführung der Geschichte vom Soldaten:

Einfachheit heißt die Losung der Stunde bei der Co-Produktion des Exil-Musikers Igor Strawinsky und des befreundeten Exil-Texters Charles Ferdinand Ramuz. Einfachheit sowohl als künstlerisch-ästhetische Neuorientierung - als Absage an einen überfeinerten und ätherischen Kunstbegriff - als auch aus aufführungspraktischen Gründen. In Zeiten der Kriegsunruhen verlangt es nach einem Konzept, das es ermöglicht, mit wenigen Mitteln, spärlich besetzt, notfalls unabhängig von öffentlichen Häusern Musiktheater aufzuführen. Also mit einem „einfachen“ Stück ein „einfaches“ Publikum zu erreichen. Die Idee der Geschichte vom Soldaten als Musiktheater für Wanderbühnen, als Gauklermärchen ist geboren.

Doch umsetzen werden Strawinsky und Ramuz das Gebot jeder auf seine Weise. Um Klarheit bestrebt, beschränkt sich Ramuz bei seiner Parabel auf vier Personen, und sein Sprachduktus versucht eine Annäherung an den Ton des russischen Volksmärchens. Strawinsky zieht gleichsam für seine kraftvoll-sperrige Komposition Jahrmarktsmusik, Volkstanz und Soldatenmarsch heran. Nur beleuchtet er das Material aus einer kühlen, fast sterilen Perspektive, die deren ursprüngliche Semantik in der Distanz zitierter Versatzstücke gerinnen lässt. So weit, so anders die Auffassungen zum Thema "wir machen 'einfaches' Musiktheater".

Vergrößerung Heimkehr des Soldaten

Kaiserlsautern, 29.09.2001, auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters premiert die Geschichte vom Soldaten.

Musikalische Leitung: Eckhart Wycik. Inszenierung: Siegfried Schmalbrock. Und sie ist einfach. Einfach gut. Und anders ist sie auch. Schon das Bühnenbild: Die Zuschauer sitzen in einer Art Überhalbrund und es gibt einen Steg, der durchs Publikum und aus ihm heraus reicht. Da ist so etwas wie das Zentrum des Geschehens, begrenzt von drei verschlagartigen Holzwänden. Es gibt zwei umspielbare Bühnenflügel, wo sich Instrumentalisten und Percussionist befinden, und die Schauspieler bei Bedarf um sie herumagieren können. Ein Auf und Abtreten von nahezu allen Seiten ist möglich. Ein Bühnenbild für episches Theater mit vielen Überraschungsmomenten.

Einen Epiker gibt es auch. Peter Nassauer ist der Erzähler. Ein sympathischer Typ Märchenonkel mit dickem Bauch und dickem Buch, erklärt, enträtselt und vermittelt er bis das Licht angeht. Naiv mit großen Augen und einem unbedarften Gesichtsausdruck gibt Frank Lentz seinen Soldaten. Das ist eher ein vertrauensseeliger Junge, ein Kriegsheimkehrer, der Halt sucht in einer ihm fremd gewordenen Welt - kein übersättigter Faust. Arglos tauscht so einer Fidel und Seele gegen ein verheißungsvolles Buch. Da hat der Teufel leichtes Spiel. Nun spätestens seit Goethes Mephistopheles den Teufel zur schillerndsten Figur der Theatergeschichte erhoben hat, hat so ein Teufel immer leichtes Spiel - zumindest wenn es darum geht, das Publikum zu bannen . Er taugt nicht mehr nur zur mittelalterlichen Hörnerfratze mit Schwanz und Klumpfuß, nein, der weltgewandte Grandseigneur, der zünftige Wandersmann, der Typus Versicherungsvertreter, Börsenspekulant, ein Paganini, das sind die modernen Reinkarnationen des Bösen. Mephistos Kostüme sind ein Augenschmaus und Dietmar Durand verleiht seinem Theaterteufel mit dreckigem Timbre, Agilität und präsentem Spiel eine genial-gefährliche Scheußlichkeit.

Vergrößerung Schön ist die Prinzessin

Beispielhaft schnell lernt nun unser Soldat, dass Geld allein nicht glücklich macht, und luchst sich flugs die Fidel zurück. Ein herrlich-schräges Bild ergibt die Szene der Prinzessin. Die Holzpanellen der Bühnenrückwand klappen nach hinten weg und machen den Blick frei auf einen apfelgrünen Kokon. Dieser hängt wie ein nasser Sack auf einem rosa Plüschthron - darauf so massiv-mächtig, wie skuril die Königskrone. Irgendwie wirkt die Puppenkistenszenerie vertraut, und es überrascht kaum, als sich aus diesem Stoffberg eine stumme Prinzessinen-Marionette schält. Mit punktgenauer Haltlosigkeit tanzt Juliane Hollerbach ihre Prinzessin, sackt immer wieder in sich zusammen, oder zirkelt wie von unsichtbaren Fäden gelenkt um sich selbst.

Kraftvoll und schräg wirkt nun das Spiel zwischen Posse und Drama. Virtuos stampft und zappelt der Teufel den Tanz eines wütenden Rumpelstilz, und mit einer präzise-scharf- akzentuierten Interpretation begleitet das Instrumental-Ensemble das Geschehen auf der Bühne. Hinter großer Spielfreude tritt der technische Anspruch der Partitur zurück, und mit Gespür für Brüche und Widersprüchlichkeiten wird die zuweilen groteske musikalische Montage umgesetzt.

Vergrößerung Wer zuletzt lacht...

Tja, so läuft das im Märchen. Da kommt ein findiger Heiler, im hiesigen Fall unser Soldat mit zurückeroberter Fidel. Der kuriert mal eben die kränkelnde Thronfolgerin und heilt sich selbst zum ersten Mann im Land. Glücklich könnten Sie dann eigentlich sein. Bis an ihr Lebensende... Wäre da nicht ein betrogener Teufel.


FAZIT
Strawinsky wird gespielt und es kommt gut an. So einfach ist das.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Eckhard Wycik

Inszenierung
Siegfried Schoenbohm

Ausstattung
Sybille Schmalbrock

Dramaturgie
Karin Holzmann



Mitglieder des
Orchesters des Pfalztheaters


Solisten

Soldat
Frank Lentz

Erzähler
Peter Nassauer

Teufel
Dietmar Durand


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




Da capo al Fine

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