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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Raffinement in bewusster Einfachheit
Von Nora Heyos
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Fotos von Klaus Baqué
Doch umsetzen werden Strawinsky und Ramuz das Gebot jeder auf seine Weise. Um Klarheit bestrebt, beschränkt sich Ramuz bei seiner Parabel auf vier Personen, und sein Sprachduktus versucht eine Annäherung an den Ton des russischen Volksmärchens. Strawinsky zieht gleichsam für seine kraftvoll-sperrige Komposition Jahrmarktsmusik, Volkstanz und Soldatenmarsch heran. Nur beleuchtet er das Material aus einer kühlen, fast sterilen Perspektive, die deren ursprüngliche Semantik in der Distanz zitierter Versatzstücke gerinnen lässt. So weit, so anders die Auffassungen zum Thema "wir machen 'einfaches' Musiktheater".
Kaiserlsautern, 29.09.2001, auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters premiert die Geschichte vom Soldaten.
Einen Epiker gibt es auch. Peter Nassauer ist der Erzähler. Ein sympathischer Typ Märchenonkel mit dickem Bauch und dickem Buch, erklärt, enträtselt und vermittelt er bis das Licht angeht. Naiv mit großen Augen und einem unbedarften Gesichtsausdruck gibt Frank Lentz seinen Soldaten. Das ist eher ein vertrauensseeliger Junge, ein Kriegsheimkehrer, der Halt sucht in einer ihm fremd gewordenen Welt - kein übersättigter Faust. Arglos tauscht so einer Fidel und Seele gegen ein verheißungsvolles Buch. Da hat der Teufel leichtes Spiel. Nun spätestens seit Goethes Mephistopheles den Teufel zur schillerndsten Figur der Theatergeschichte erhoben hat, hat so ein Teufel immer leichtes Spiel - zumindest wenn es darum geht, das Publikum zu bannen . Er taugt nicht mehr nur zur mittelalterlichen Hörnerfratze mit Schwanz und Klumpfuß, nein, der weltgewandte Grandseigneur, der zünftige Wandersmann, der Typus Versicherungsvertreter, Börsenspekulant, ein Paganini, das sind die modernen Reinkarnationen des Bösen. Mephistos Kostüme sind ein Augenschmaus und Dietmar Durand verleiht seinem Theaterteufel mit dreckigem Timbre, Agilität und präsentem Spiel eine genial-gefährliche Scheußlichkeit.
Beispielhaft schnell lernt nun unser Soldat, dass Geld allein nicht glücklich macht, und luchst sich flugs die Fidel zurück. Ein herrlich-schräges Bild ergibt die Szene der Prinzessin. Die Holzpanellen der Bühnenrückwand klappen nach hinten weg und machen den Blick frei auf einen apfelgrünen Kokon. Dieser hängt wie ein nasser Sack auf einem rosa Plüschthron - darauf so massiv-mächtig, wie skuril die Königskrone. Irgendwie wirkt die Puppenkistenszenerie vertraut, und es überrascht kaum, als sich aus diesem Stoffberg eine stumme Prinzessinen-Marionette schält. Mit punktgenauer Haltlosigkeit tanzt Juliane Hollerbach ihre Prinzessin, sackt immer wieder in sich zusammen, oder zirkelt wie von unsichtbaren Fäden gelenkt um sich selbst.
Kraftvoll und schräg wirkt nun das Spiel zwischen Posse und Drama. Virtuos stampft und zappelt der Teufel den Tanz eines wütenden Rumpelstilz, und mit einer präzise-scharf- akzentuierten Interpretation begleitet das Instrumental-Ensemble das Geschehen auf der Bühne. Hinter großer Spielfreude tritt der technische Anspruch der Partitur zurück, und mit Gespür für Brüche und Widersprüchlichkeiten wird die zuweilen groteske musikalische Montage umgesetzt.
Tja, so läuft das im Märchen. Da kommt ein findiger Heiler, im hiesigen Fall unser Soldat mit zurückeroberter Fidel. Der kuriert mal eben die kränkelnde Thronfolgerin und heilt sich selbst zum ersten Mann im Land. Glücklich könnten Sie dann eigentlich sein. Bis an ihr Lebensende... Wäre da nicht ein betrogener Teufel.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungEckhard Wycik
Inszenierung
Ausstattung
Dramaturgie
SolistenSoldatFrank Lentz
Erzähler
Teufel
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- Fine -