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Der Barbier von Sevilla
Almaviva ossia L`inutile precauzione

Komische Oper in zwei Akten
Libretto von Cesare Sterbini
nach Pierre-A.C. de Beaumarchais
Musik von Giacchino Rossini

Premiere im Pfalztheater Kaiserslautern am 24. Februar 2002



Logo: Pfalztheater Kaiserslautern

Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)

Ein Dirigent und der Rest

Von Sebastian Hanusa


Das Primat der Musik auf der Opernbühne: Wenngleich Kostüm und Bühne, Szene, Gesang und Orchester ineinandergreifen, um das Gesamtkunstwerk zu erschaffen, ist es im Moment der Aufführung die Musik, die als Basis und Einheit stiftendes Moment eine Oper erst zum Leben erweckt. Da mag die Regie mittelmäßig, ein Bühnenbild abschreckend altbacken sein – sofern es zwischen Graben und Sängern stimmt, ist ein grundsätzliche Gelingen der Aufführung garantiert. Verfehlt jedoch der Dirigent diese fundamentale Aufgabe, so sind die Folgen verheerend.

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Ein drastisches Beispiel dieser tiefen Weisheiten bot Siegmund Weinmeister am Pult des Orchesters des Pfalztheaters. Rossinis Barbier, der - wiewohl üppigst mit spieltechnischen Klippen und grazil klingenden Gemeinheiten versehen – von musikalischen Selbstläufern nur so wimmelt, zerfiel unter seiner Stabführung in ein unkoordiniertes Agieren zwischen Durcheinander und Hilflosigkeit. Schon die Ouvertüre beginnt zu langsam, sie wirkt weniger Esprit-geladen, denn wie ein starkes Barbiturat. Hinzu gesellen sich unüberhörbar technische Mängel: Einsätze sind unsauber, selten sind die Tutti-Streicher im Laufwerk, die vielen repetitiven Begleitfiguren wirklich zusammen. Die tiefen Streicher kommen selten zeitgleich mit den Kollegen der anderen Stimmen am Ende einer Passage an, auch unter den Bläsern herrscht selten Einigkeit hinsichtlich Tempo und Phrasierung. Weinmeister misslingt so ziemlich alles: Auch im weiteren Verlauf der Oper hört man selten einen präzisen Einsatz, unmotivierte Temposchwankungen insgesamt sowie zwischen einzelnen Orchestergruppen häufen sich, ganz zu schweigen von der nicht vorhandenen Koordinination mit den Sängern.

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Unter diesen Vorzeichen ist es schwierig, über die sängerische Leistung halbwegs angemessen zu urteilen. Insgesamt wurde auf stimmlich sehr hohem Niveau gesungen, alle Ensemble-Mitglieder boten technisch mehr als makellose Leistungen. Von ihrer musikalischen Gestaltung her wäre zunächst Mezzo-Sopranistin Judith Genrich zu nennen. Während sie souverän Koleraturen und Verzierungen sang, verlieh sie andererseits ihrer Rosina eine große Bandbreite differenzierten Ausdrucks und füllte die kompositorische Anlage dieser nicht nur verliebt-mädchenhaften Figur glänzend aus. Franscesco Facini als Bartolo bestach zunächst durch einen profunden, wohlklingenden Bass, überraschte aber zudem in den Ensembles des zweiten Akts mit gestochen scharfem, hinreißend präzis-geistreichem Parlando. Omar Jara entwickelte die tenorale Lyrik seines Almaviva erst im Verlauf des Stückes, während gerade sein Ständchen zu Beginn etwas indifferent und rustikal geriet. Hier bleibt indes fraglich, was von der Ermangelung einer angemessenen musikalischen Unterstützung herrührt. Alan Cemore als Figaro schien insgesamt ein relativ rustikales Rollenbild zu haben: Einiges an Nuancenreichtum und ziemlich der gesamte Esprit litt unter dem anhaltenden Forte seines stimmgewaltigen Baritons.

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Dass auch Axel Kresins Inszenierung ein wenig ins Hintertreffen geriet, versteht sich aus dem voran Gesagten. Die Szene wirkte verloren, fast verschmäht von einer hilflosen Musik, das Agieren der Sänger war nicht gelöst, sondern wirkte insgesamt unsicher und stets verkrampft um die Wahrung der musikalischen Richtigkeit bemüht. Dabei war Kresins Inszenierung sowohl hinsichtlich der Konzeption, als auch der Ausführung en Detail eine runde Sache: Im Kleinen mit geistreichen Einfällen und szenischen Differenzierungen durchgearbeitet, war besonders die Gesamtanlage äußerst stimmig. Der Ort der Handlung ist in einen surrealen Raum verlegt: Bühnenbildnerin Uta Fink hat ein gewaltiges rosa Sparschwein gefüllt mit Euro-Stücken vor einem mit Magritte-Wölkchen verzierten Rückprospekt geschaffen. Das drehbare Schwein ist gleichzeitig Bartolos Haus wie seine Schatzkammer, Rosinas Gefängnis und übergroßes Symbol dafür, dass hier Geld eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Durch die Doppelfunktion des Schweins als Symbol und gleichzeitig als vielseitig bespielbarer Bühnenraum ist ein grundlegender Aspekt der Inszenierung angelegt: Eine latente Doppeldeutigkeit von traditionell realisiertem, fiktionalem Musiktheater und einer eindeutig Stellung beziehenden Interpretation. Erst durch eine stete Präsenz beider Aspekte wird aber ein Abgleiten sowohl in den naiven Theaterzauber einer gutgläubig erzählten Liebesgeschichte – die von Beaumarchais, dann von Mozart doch allzu bald enttarnt wird – als auch in platte Einseitigkeit der Interpretation vermieden. Das Bühnengeschehen erscheint als surreales Phantasma schnöden Mammons, und bricht derartige Einseitigekeit durch das zutiefst menschliche Unkalkül einer Liebeshandlung. Kresins Kunst hierbei ist daher nicht die eines radikalen Querstandes, sondern eher eine kunstfertige Schraffur ins Mehrdimensionale, gestützt durch handwerkliche Seriosität und eine vornehme Ironie.


FAZIT
Viva la Musica!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Siegmund Weinmeister

Inszenierung
Axel Kresin

Bühne
Uta Fink

Kostüme
Monika Lanz

Choreinstudierung
Ulrich Nolte

Dramaturgie
Christina Schmidt



Orchester, Chor und Statisterie
des Pfalztheaters Kaiserslautern


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Graf Almaviva
Omar Jara

Bartolo
Francesco Facini* /
Mauricio Picconi

Rosina
Judith Genich* /
Carola Gruber

Figaro
Filippo Bettoschi /
Alan Cemore*

Basilio
Plamen Hidjov

Fiorillo
Mathias Mann* /
Dmitri Oussar

Berta
Deborah Lynn Cole /
Gaby May*

Ein Offizier
Carlos Andueza* /
Hubertus Bohrer

Ein Notar
Wolf Hirsch


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Pfalztheater Kaiserslautern
(Homepage)




Da capo al Fine

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