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Hamlet oder nicht Hamlet?Von Stefan Schmöe / Fotos von Klaus Lefebvre
Dass im Programmheft einer Opernproduktion die Inhaltsangabe des Stückes steht, ist nichts besonderes, und gerade bei einer Uraufführung (die noch dazu den wenig aussagekräftigen Titel The Players trägt) darf man vorab ein paar Bemerkungen zur Handlung erwarten. Wenn aber dort den Inhalt eines hinlänglich bekannten Stücks, nämlich des Hamlet, dort findet, und gleichzeitig zu lesen ist, dass es sich nicht um eine Hamlet-Oper handelt, dann ist das erst einmal irritierend. The Players ist eine Oper über die Proben zu Hamlet. Demnach könnte die Oper eigentlich auch Making of Hamlet heißen - tut sie aber aus gutem Grund nicht, denn eigentlich ist es doch eine Hamlet-Oper. So viel vorab zur verwirrenden Konzeption von The Players.
Hamlet proben: Dieses Ensemble benötigt zunächst noch das kleine gelbe Relam-Heftchen ...
Acht Schauspieler/Sänger proben Hamlet, und dazu ergänzt Regisseur Christian Schuller noch eine weitere Figur, nämlich einen Regisseur. Eine eigene, unabhängige Handlung ergibt sich daraus aber nicht; Komponist Juraj Bene verwendet ausschließlich den Shakespeare'schen Text. Bene spielt die Theater-auf-dem-Theater-Situation, die ohnehin den Hamlet durchzieht (auf dem Höhepunkt des Dramas lässt Hamlet dem Mörder seines Vaters den Mord als Theaterstück vorspielen), in konsequenter Dopplung durch. Einzelne Szenen werden angespielt und abgebrochen, und etwas ratlos und ein bisschen gelangweilt fragt sich das Publikum, warum eigentlich Bene nicht gleich eine richtige, vermutlich spannendere Hamlet-Oper geschrieben hat, wo er doch weitgehend linear der Vorlage folgt.
... taucht aber schon bald in elisabethanischen Theaterzauber ein ...
Irgendwann kommt natürlich die Königsmord-Theater-Szene, und in diesem Moment passiert etwas Ungeheuerliches: Die Szene beginnt zu leben. Aus der tristen Probensituation erwächst urplötzlich ein faszinierendes Spiel, ein wirklicher Hamlet. Der Regisseur kann getrost in die Pause gehen (tut er auch), aber Spieler und Publikum bleiben und lassen sich fesseln. Das Umschlagen von der (Proben-)Realität in eine Theaterwelt, der Zauber von Theater, das ist das eigentliche Thema von The Players - und gleichzeitig auch Schwachpunkt der Oper und auch der Inszenierung, denn dieser Umschwung kommt zu plötzlich. Bezeichnenderweise wirft der Hamlet-Darsteller krachend die Rückwand des engen Probenraumes um, der das Bühnenbild des ersten Teiles darstellt, und öffnet dadurch neue Theaterwelten - ein allmählicher Übergang ist das nicht. Zwischen der recht langatmigen ersten und der hinreißenden zweiten Hälfte geht ein Bruch durch das Stück. Allerdings macht dieser Bruch das Faszinierende von funktionierendem Theaters frappant deutlich.
... hier sinnieren Gertrude und Laertes über das düstere Schicksal ...
Für sich allein wäre diese Verwandlung eines Textes in Theaterwirklichkeit aber noch nicht tragfähig. Bene hat aber durch den Trick, sein Spiel als Theaterprobe zu verkleiden, besondere Freiheiten im Zugang auf den Hamlet-Stoff gewonnen, denn er kann die ausgewählten Szenen vertonen, ohne sich durch Details in der Handlung aufhalten lassen zu müssen. So kann er sich auf einzelne fragmentarische Momente reduzieren, die für sich exemplarisch sind. Und der Regisseur kann in elisabethanischen Kostümen spielen lassen, ohne dass die Inszenierung zum Kostümspektakel verkommt. Durch diese Brechungen wird der Weg zu einer echten Hamlet-Oper frei, die aber zu Recht nicht Hamlet, sondern The Players heißt: Die Player sind die Akteure, die Hamlet spielen und in deren Spiel die Hamlet-Welt verwirklicht wird.
... und was wäre Hamlet ohne seinen Totenkopf?
Bene setzt den acht Sängern 18 solistisch besetzte Instrumente gegenüber, die einen transparenten, dabei aber durchaus dichten und expressiven und stark dissonanten Klangraum erzeugen. Häufig dominieren perkussive Elemente, und auch mikrotonale Strukturen und Glissandi prägen das Klangbild. Durch die Gliederung in viele kleine Szenen ergibt sich eine an der klassischen Nummernoper orientierte Form. Die Dramaturgie des Stückes zwischen Proben- und Spielsituation lässt sich musikalisch zumindest beim ersten Hören nicht nachvollziehen. Vielmehr erscheint die durchaus reizvolle Musik wie ein Sammelbecken von Kompositionstechniken des (späten) 20. Jahrhunderts zwischen Penderecki und Reimann, lässt aber nur selten einen wirklich individuellen Kompositionsstil erkennen.
Schluss! Aus! Vorbei! Auch das schönste Theaterspiel muss einmal enden.
Regisseur Christian Schuller greift nicht unbedingt zum Vorteil des Werkes in die Struktur ein, indem er die Figur des Regisseurs hinzufügt; dies verstärkt eher den Bruch zwischen erster und zweiter Hälfte als diesen abzumildern. Den Sängern lässt er aber viel Freiheiten. Das Hamlet-Spiel ist klassisch-konventionell angelegt, entwickelt aber genau darin seinen Reiz, da es durch die Proben-Situation ironisch verfremdet erscheint. Miljenko Turk imponiert mit hoher Präsenz spielerisch wie sängerisch als Hamlet. Insun Min singt die Ophelia akkurat, aber sehr brav. Ansonsten ist das sängerische Niveau solide. Johannes Stert leitet Sänger- und Instrumentalensemble souverän.
Der Ansatz, sich dem Hamlet von einer Theaterprobe ausgehend anzunähern, bringt einen interessanten Blickwinkel - aber vollständig gelöst hat Juraj Bene die damit verbundenen Formprobleme nicht. Ergebnis ist ein nur in Teilen interessanter Theaterabend - aber die gelungenen Teile lohnen den Besuch allemal.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
SolistenOphelia/Sopran 1 Insun Min
2. Clown/
Gertrude/
Polonius/
1. Clown/
Hamlet/
Laertes/
Claudius/
Regisseur
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- Fine -