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Musiktheater
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Semele
Vergrößerung Musikalisches Drama in drei Akten
nach William Congreves gleichnamigem Opernlibretto
bearbeitet vermutlich von Newburgh Hamilton
Musik von Georg Friedrich Händel
Fassung der English National Opera


In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Eine Koproduktion der Vlamse Opera Antwerpen, der English National Opera
und dem Festival International d'Art Lyrique et de Musique Aix-en-Provence

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Köln
am 27. Oktober 2001


Logo: Oper Köln

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)
"Neues" von den Royals, "The same procedure ..."

Von Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre



Die Barockoper boomt! Zu Beginn dieser Spielzeit folgte in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe eine Premiere nach der anderen: Cavallis La Calisto in Gelsenkirchen, Monteverdis L'Orfeo in Düsseldorf, Vivaldis Oper Ottone in villa in Essen, und nun Händels Semele in Köln.

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Queen Juno (Kathleen Kuhlmann) ist fassungslos über die neuesten Schlagzeilen der Tagespresse: schon wieder eine skandalöse Affäre ihres Gemahls.

Auch, wenn Semele aus Händels umfangreichem Oratorienschaffen stammt, besitzt das Werk doch mehr szenische Dramatik, als so manche Oper aus dieser Zeit. Daher bietet es sich für eine szenische Umsetzung geradezu an. Zeittypisch für seine Entstehungszeit ist vor allem die satirische Portraitierung historischer Persönlichkeiten, namentlich aus dem englischen Königshaus. Das Interesse an Skandalgeschichten aus der High-Society ist ja bis heute ungebrochen und immer noch Thema Nr. 1 in der Yellow-Press.


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Jupiter (Daniel Kirch) hat sich mit seiner neuen Gespielin Semele (Rosemary Joshua) in ein abgelegenes "Liebesnest" zurückgezogen.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Rosemary Joshua als Semele
(MP3-Datei)


Regisseur Robert Carsen und sein Ausstatter Patrick Kinmonth nahmen sich dieses zeitlosen Stoffes mit Hingabe an, ganz unverkrampft und natürlich wirkend. In einem Einheitsraum, der von einer riesigen, zweiflügligen Tür dominiert wird und hauptsächlich durch Stühle, ein Bett und die prägende Beleuchtung von Peter van Praet gestaltet wird, erleben wir, wie sich der Prinzgemahl der englischen Königin in ein amouröses Abenteuer verstrickt, das - how shocking - tragisch endet.


Vergrößerung Foto links:
Juno (Kathleen Kuhlmann) bekommt von ihrer treuen Dienerin und Vertrauten Iris (Claudia Rohrbach) den Plan für die Rache an dem treulosen Gatten erklärt.

Auslöser scheint in dieser Produktion allerdings weniger der besagte Prinzgemahl (Jupiter) zu sein, der so etwas von unerotisch wirkt und zu keiner Zeit den sexsüchtigen Machtmenschen bzw. Gott glaubwürdig vorstellen kann, als die attraktive Blondine, die mit allen Mitteln "unsterblich" werden will. Daniel Kirch bleibt mit seiner sehr einfarbig timbrierten Stimme, den qualvoll "abgearbeiteten" Koloraturen und der nicht vorhandenen darstellerischen Ausstrahlung, der Figur des Jupiter alles schuldig. Rosemary Joshua als Temperamentsbündel Semele begeistert dagegen in allen Bereichen. Gestalterisch und stimmlich - ihre spielerisch dahingezauberten und fein variierten Tongirlanden perlen wie der feinste Champagner - dominiert sie von Anfang an die Bühne.

Darstellerische Präsenz und musikalische Variabilität weist auch Kathleen Kuhlmann als ihre Gegenspielerin Juno auf. Ihr nimmt man in jeder Sekunde die große Dame, die betrogene Gattin und die besorgte Regentin ab. Ganz hervorragend präsentiert sich auch Claudia Rohrbach als deren Dienerin Iris. Ryland Angel (Athamas), Katja Boost (Ino), Andrew Collis (Cadmus / Somnus) und Karl Huml (Priest) ergänzen das - bis auf Daniel Kirch - treffend besetzte Ensemble.

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In der Verkleidung als Semeles Schwester Ino leitet Juno (Kathleen Kuhlmann) die Selbstvernichtung der vermessenen Semele (Rosemary Joshua) ein.

Dem Dirigenten Nicholas Kok gelang es mit den Mitgliedern des Gürzenich-Orchester Kölner Philharmoniker leider nur bedingt, einen adäquaten orchestralen Rahmen für Händels Musik zu schaffen. Bemühungen um einen lebendiges und affektgesteuertes Musizieren waren zwar zu erkennen, doch es wirkte doch alles zu ungelenk und uninspiriert. Der von Albert Limbach einstudierte Opernchor schlug sich dagegen beachtlich und sorgte für klanglich eindrucksvolle Momente.


FAZIT

So aktuell wie damals: eine zeitlose Geschichte aus Regierungskreisen in einer stringenten Inszenierung mit Unterhaltungswert. Rosemary Joshua als Maßstäbe setzende Semele ragt aus einer sonst allzu braven musikalischen Interpretation weit heraus.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Nicholas Kok

Regie
Robert Carsen

Ausstattung
Patrick Kinmonth

Choreographie
Philippe Giraudeau

Licht
Peter van Praet

Dramaturgie
Ian Burton

Spielleitung
Carlos Wagner

Chor
Albert Limbach



Opernchor der Bühnen
der Stadt Köln

Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker

Statisterie der Bühnen
der Stadt Köln


Solisten

Semele
Rosemary Joshua

Jupiter / Apollo
Daniel Kirch

Juno
Kathleen Kuhlmann

Ino
Katja Boost

Athamas
Ryland Angel

Cadmus / Somnus
Andrew Collis

Iris
Claudia Rohrbach

Priest
Karl Huml *


* Mitglied des Kölner Opernstudios



Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)



Da capo al Fine

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