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Musiktheater
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Don Pasquale
Opera buffa in zwei Akten
Musik von Gaetano Donizetti
Libretto von Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere im Opernhaus Köln
am 6. April 2002

Logo: Oper Köln

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)

Wenn Männerträume wahr werden

Von Silvia Adler / Fotos von Klaus Lefebvre


Bilder sind die besseren Menschen - Don Pasquale hätte es wissen sollen. Wie hingegossen ruht der weibliche Akt auf der Ottomane. Anbetungswürdig schön. Und vor allem: kein Widerwort kommt je über die gemalten Lippen, nur süßes Schweigen. Der alternde Junggeselle Pasquale hat es sich behaglich gemacht: Sein Haus gleicht einem Museum: Ingres verführerischer Frauenakt; umgeben von anderen halb bekleideten Schönen. An den Wänden ein Bilderreigen männlicher Phantasie. Ein Ort des stillen Genusses. Doch wie es nun mal ist. Der Männertraum soll plötzlich Wirklichkeit werden. Don Pasquale will heiraten. Schon deshalb, damit Neffe Ernesto nicht mit seiner hübschen Norina das reiche Erbe verprasst. Die Aussicht auf ein junges Bräutchen bringt sein Blut in Wallung. Das Herz rast, der Blutdruck steigt... Alter Narr sucht junge Schöne - das Sujet ist bestens bekannt, der Reinfall garantiert.

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Dottore Malatesta (Scott Hendricks) und Norina (Iride Martinez): Das Komplott wird geschmiedet.

Mit Witz und Tempo lässt Uwe Hergenröder in seiner Kölner Inszenierung den Traum zum Albtraum werden. Die Leinwand des überdimensionierten Gemäldes hebt sich. Dahinter räkelt sich in gleicher Pose die bezaubernde Norina. Als fleischgewordene Phantasie klettert sie im hauchdünnen Negligee aus dem vergoldeten Rahmen. Kaum ist der letzte Ton ihrer Arie verklungen, ist der intrigante Dottore Malatesta schon zur Stelle. In bester Commedia dell'arte-Manier wird das Komplott geschmiedet. Unter falschem Namen, als engelsgleiche Klosterschülerin verkleidet, soll sich Norina zum Schein mit Pasquale vermählen. Nach der Hochzeit den Alten aber so gründlich quälen, bis er ihr schließlich den geliebten Ernesto zum Mann gibt.

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Der Opernchor: Wenn Kunst zum Albtraum wird.

Mit slapstickartiger Komik probt das durchtriebene Duo Norina/Malatesta die Posen der Unschuld. Auch bei der ersten Begegnung mit Don Pasquale werden komödiantisch alle Register gezogen. Witzig und anrührend zugleich verkörpert Maurizio Muraro den feurig-verliebten Alten, der schon beim ersten Händedruck ins emotionale Delirium gerät. Die Eheschließung erfolgt blitzschnell. Doch nach dem ersehnten Ja-Wort muss sich der frischgebackene Ehemann auf allerhand gefasst machen. Die Traumfrau diskutiert nicht, sie kommandiert und ohrfeigt nach Belieben. Vor allem die altmodische Inneneinrichtung ist ihr ein Dorn im Auge. In einer augenzwinkernden Reminiszenz an Jacques Tati verwandelt Bühnenbildner Ulrich Schulz das altehrwürdige Heim nach der Hochzeit in eine modernistischen Wohnlandschaft mit Bassin und skurriler Fischfontäne. Die Gemälde verbannt - die Wände in Türkis und Gelb. Das schreiende Tapetenmuster gibt selbst beim Morgenrock des Gatten den Ton an. Moderne Kunst, wohin man sieht - sogar Ingres muss Picasso weichen... Die unbeirrbare Perfektionistin hat die Daumenschrauben erbarmungslos angelegt - es ist wohl nur noch nur eine Frage der Zeit, bis Don Pasquale klein bei gibt. Nicht nur die witzig-pointierte Sprache des Bühnenbildes und das komödiantische Feuerwerk der commedia dell'arte machen die Aufführung zum Erlebnis. Vor allen beeindruckt die feinabgestufte Psychologie der Charaktere. Immer eng am Verlauf der Musik orientiert, verleiht die Personenregie den Figuren erstaunlichen emotionalen Tiefgang.

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Endlich vereint: Ernesto (Daniel Kirch) und Norina (Iride Martinez).

Zum großen Erfolg der Inszenierung trägt nicht zuletzt die überragende Qualität des prominent besetzten Sängerensembles bei. Die junge Sopranistin Irinde Martinez - von der "Opernwelt" zur Nachwuchssängerin 1998 gekürt - besticht mit makellosen Technik und erotisch-agilem, facettenreichem Spiel. Auch die Titelpartie ist mit Maurizio Muraro - der mit seinem profunden, doch immer flexiblen Bass und seiner großen Bühnenpräsenz für sich einnimmt - ideal besetzt. Höhensicher und klangschön gestaltet auch der Tenor Daniel Kirch die anspruchsvolle Partie des Ernesto. Hinreißend komisch verkörpert Scott Hendricks den intriganten Dottore Malatesta.
Organisch und präzise begleitet das Gürzenich-Orchester unter der engagierten Leitung von Johannes Stert das turbulente Bühnengeschehen. Allerdings hätte man sich vor allem in der Ouvertüre mehr Klangintensität und mutigere Akzente gewünscht.


FAZIT

Erfrischend heutige Variation des bekannten Themas "Wenn alte Männer zu sehr lieben". Komödiantisches Feuerwerk mit vielen musikalischen Glanzpunkten.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Johannes Stert

Regie
Uwe Hergenröder

Bühne und Kostüme
Ulrich Schulz

Licht
Manfred Voss

Choreinstudierung
Horst Meinardus

Dramaturgie
Hans-Joachim Wagner

Dramaturgie-Mitarbeit
Steffi Turre



Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker

Bühnenmusik:
Sebastian Dörries
Martin Klausmeier

Opernchor der
Bühnen der Stadt Köln


Solisten

Don Pasquale
Maurizio Muraro

Dottore Malatesta
Scott Hendricks

Ernesto
Daniel Kirch

Norina
Iride Martinez

Ein Notar
Francisco Vergara

Drei Diener
Norbert Achener
Peter Bernes
Orazio Romano

Ernesto- Double
Werner Lahnsteiner

Doubles
Martina Pohl
Guillermo Malfitani
Dirk Mand




Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)




Da capo al Fine

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