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Frei wie ein Vogel im Käfig - Eine überzeugende "Katja Kabanova" an der Hamburgischen Staatsoper
Von Iris Hennig
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Fotos von Thilo Beu
Eine Frauengestalt von hinten in einem grauen, bedrückend engen Bretterraum. Beide Arme wie zum Fliegen vom Körper gestreckt, imitiert sie die Bewegung der Vogelsilhouette im Bühnenhintergrund. Der Wunsch Katjas, der kleinbürgerlichen Enge zwischen Muttersöhnchen-Ehemann und despotischer Schwiegermutter zu entfliehen, frei wie ein Vogel zu sein, ist Leitmotiv dieser autobiografisch gefärbten Oper Leoš Janáceks. Es wird im Anfangsbild dem Zuschauer direkt vor Augen geführt.
Die Tristesse dieses Frauenschicksals spiegelt sich in Wolfgang Gussmanns nüchternem Bühnenbild vor allem in dem grauen Bretterkasten, der das Eingeschlossensein Katjas symbolisiert und durch Schiebetüren in seiner Durchlässigkeit zwar nach außen variiert, aber alle 3 Akte hindurch erhalten bleibt. Im fahlen Lichteinfall, im Spiel mit Licht, Gegenlicht und Schatten, verbleibt der Raum tendenziell in der Dunkelheit. Und selbst die Gartenszene im 2. Akt, wo Katja diesem dunklen Innenraum einmal zum Rendez-vous mit Boris entkommen kann, dort wo man sich Licht und Farbe wünscht, ist nur durch grünes Licht angedeutet.
Die Enge des russischen Kleinbürgertums im 19. Jahrhundert zeigt sich auch in der Ausstattung: schwarze Kostüme und Anzüge, sie wirken fast wie Uniformen. Die Dorfbewohner sind, im wahrsten Sinne des Wortes, "zugeknöpft". Da, wo Katja und auch Varvara ihren Gefühlen nachgehen, erscheinen sie in weißen Unterröcken, mit und ohne schwarze Strümpfe. Das sind die einzigen Lichtblicke. Die Inszenierung Willy Deckers ist in ihrer Personenführung nüchtern, zuweilen statisch, lediglich in der Szene zwischen der zänkerischen Kabanicha und dem betrunkenen Dikoj darf auch mal geschmunzelt werden. Die starke visuellen Überzeugungskraft dieser Inszenierung wurde nur manchmal enttäuscht, so wurde das Vogelbild, fast bis ins Kitschige hinein, allzu sehr beansprucht.
Das Philharmonische Staatsorchester unter Leitung von Ingo Metzmacher, der gerade von einer erfolgreichen USA-Tournee zurückgekehrt ist, entführte das Publikum mit dieser "Katja", in tschechischer Originalsprache gesungen, im großen Bogen in die slawische Musik. Insbesondere das Volkslied oder die gleichzeitige Stimmungsschilderung der zwei Liebespaare im 2. Akt, vermittelten dem Publikum Janaceks Gespür für musikdramatische Wirkung. Adrianne Pieczonka als Katja verlieh dieser tragischen Frauenfigur überzeugend Stimme und Ausdruck. Insbesondere Julia Juon als Kabanicha beeindruckte schauspielerisch durch die Zweideutigkeit zwischen böser und sittenstrenger Schwiegermutter und Frau mit unerfüllten Wünschen, die sich mit dem betrunkenen Dikou abgibt. Zwischen den manchmal etwas zu agil wirkenden Sängern, wirkte die Liebeszene zwischen Wanja (Michael Smallwood) und Varvara (Luisa Islam-Ali-Zade) erfrischend lebendig, fast wie in einer Mozartoper.
Insgesamt ist die Hamburger Inszenierung eine gelungene bedrückende Aufführung dieser Frauenoper. Am Anfang hatte Intendant Louwrens Langevoort noch Demonstrationen in der Hamburger Innenstadt und Probleme mit der Beleuchtung im Orchestergraben als Grund für den verspäteten Beginn zu beklagen gehabt. Beides tat dieser sehr gut besuchten Aufführung keinen Abbruch. Nach 1 3/4 Stunden tosender Applaus. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Mitarbeit Bühnenbild
Licht
Chor
Spielleitung
SolistenSavjol DikojHermann Becht
Boris Grigorjewitsch
Marfa Kabanova
Tichon Kabanoff
Katherina (Katja)
Wanja Kudrjasch
Varvara
Kuligin
Glascha
Fekluscha
Frau aus dem Volk
eine Stimme
Weitere Informationen erhalten Sie von der Hamburgischen Staatsoper (Homepage) |
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