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Reif für die Zauberinsel - Gefeierte Erstaufführung von Händels "Alcina" in Hamburg
Von Iris Hennig
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Fotos von Thilo Beu
Fast dreihundert Jahre hatte die Hansestadt warten müssen, bis sie eine "eigene" Alcina präsentiert bekam. Das Warten hat sich gelohnt. Denn, was am Freitag in der Hamburgischen Staatsoper zu sehen war, entführte das begeisterte Publikum mit allen Sinnen geradewegs in das Zauberreich der Barockoper. In Händels 1735 in London nach Ariosts "Orlando Furioso" uraufgeführter Oper geht es um die Zauberin Alcina, die auf ihrer Insel ihre abgelegten Liebhaber in Tiere, Pflanzen oder Steine zu verwandeln pflegt. Gewalt und Zärtlichkeit, Liebe und Rache - ein spätes Glanzstück der opera seria. Die besondere Spielart des "who is who" einzelner Zuschauer während der Pausen (" Die mit der Hose war doch der Mann, oder?"), mit der versucht wird, den verwickelten Beziehungen zwischen den Figuren auf die Schliche zu kommen, tritt schon bald zurück: Gespannt lauscht man Händels wunderschöner Musik, die die unmittelbaren Gefühlszustände, Rache, Liebe, Schmerz, schildert.
Foto links:1. Akt: Alcina (Véronique Gens) und ihre Höflinge
Herbert Murauer siedelt die Bühne, eine Mischung aus Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts und der Jetztzeit, zwischen den Welten an. Der schlichte Guckkasten mit transparenter Folie, darin das Felsenreich der Alcina, lässt sowohl vielfältige Ortswechsel der Sänger zu als auch eine Parallelführung von "Innen-" und "Außenraum". Dieser Guckkasten öffnet sich im 2. Akt und wird zum "Labor" der Alcina, wo sie ihre verwunschenen Liebhaber in Schränken aufbewahrt. Der 3. Akt kommt nur noch mit zwei Wänden aus und läßt sogar den barocken Theaterdonner zeitgemäß wieder erstehen.
Foto rechts:1. Akt: Alcina (Véronique Gens) auf der Zauberinsel
Regisseur Christof Loy setzt aufs Wesentliche: Seine Figurenführung in den einzelnen Szenen lässt Entwicklung zu ohne im Tableauartigen, Statischen zu erstarren. Nicht zuletzt der Humor und die zeitgemäß umgesetzten Theatereffekte der Barockoper machten den Reiz dieser Aufführung aus. Véronique Gens als Alcina, Maite Beaumont als Ruggiero, Gabriele Rossmanith als Morgana, Sabine Ritterbusch als Oberto und Christoph Genz als Oronte bestachen durch ihre sängerische Hochleistung. Antigone Papoulkas in der Rolle des Bradamante bewies eine hervorragende Bühnenpräsenz. Henry Kiichli lieh dem erkrankten Jörn Schümann (Melisso) auf der Bühne vom Orchestergraben aus souverän seine Stimme. Das Philharmonische Staatsorchester unter der musikalische Leitung des englischen Barockspezialisten Ivor Bolton zeigte sich in Bestform: ein frischer Klang tönte aus dem Orchestergraben. Das Orchester bewies hier seine Flexiblität sich mit authentischer Aufführungspraxis in Gestik, Artikulation und Instrumentation unverstaubt und motiviert auseinander zu setzen.
Foto rechts:2. Akt: Alcina (Véronique Gens) und Ruggiero (Maite Beaumont)
Alcina, eine fast 4-Stunden-Oper, wurde in Hamburg fast ohne Kürzungen gespielt. Durch die Balletteinlagen, wunderbar choreographiert von Paula Lansley, gewann sie sogar zusätzlich an Reiz: ob der Tanz der Höflinge, der Geister oder der Soldaten, es gab keine starren höfischen Tänze: Auch hier wurde der Schritt in die Jetztzeit gewagt, ohne den Charakter von Händels Musik zu verleugnen Tosender Applaus holte uns nach vier Stunden von der Zauberinsel zurück in den nasskalten Hamburger Abend. Diese Alcina verfiel nicht in museale Statik, sondern macht Lust auf mehr Barockoper in Hamburg: Da capo! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Choreografie
Licht
SolistenAlcinaVéronique Gens
Ruggiero
Bradamante
Morgana
Oberto
Oronte
Melisso
Weitere Informationen erhalten Sie von der Hamburgischen Staatsoper (Homepage) |
- Fine -