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Kalauernde Windflügelfechtereien in der Disco-Höhle
Von Stefan Schmöe
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Fotos von Olaf Struck
Unlängst wurde Miguel de Cervantes' Don Quijote zum bedeutendsten Roman aller Zeiten gewählt. Unabhängig von Sinn und Unsinn solcher Urteile muss man zugeben: Don Quijote hat Konjunktur. Ob Globalisierungsgegner oder Kritiker von Genmaniulation - wer den Gesetzen von Markt und Medien mit moralischen Argumenten entgegen tritt, der gerät leicht in den unlösbaren Konflikt zwischen Idealismus und Realität, so wie der spanische Romanheld. Don Quijote ist im Scheitern seiner Ideale und seines Wertesystems eine der großen Symbolfiguren der abendländischen Kultur. Nur auf der Theaterbühne ist er verhältnismäßig wenig präsent.
Mitch Leigh und Dale Wasserman haben das riesige Epos Cervantes' auf einige wenige Episoden zusammengestrichen, dafür aber eine Rahmenhandlung ergänzt: Der Dichter Cervantes, der in seinem Beruf als Steuereintreiber die Pfändung eines Klosters verfügt hat, wird von der Inquisition in den Kerker geworfen (darin wird die Biographie des realen Cervantes aufgegriffen). Dort ist er der Brutalität seiner Mitgefangenen ausgesetzt, und um sein Manuskript zu retten, beginnt er, die Geschichte von Don Quijote vorzuspielen, wobei die Mitgefangenen nach und nach einbezogen werden. Dadurch ergibt sich eine Verdopplung der Handlung: Don Quijotes tugendhafter Kampf gegen alles Böse wird gleichzeitig zur Gruppentherapie für asoziale Straftäter, deren Aggressionen Cervantes die Ideale seines Romanhelden entgegen hält. Mit dem Tod des Ritters von der traurigen Gestalt endet auch das Spiel, und Cervantes wird dem Inquisitionsgericht vorgeführt.
In der Hagener Produktion kann Arnd Gothe als Cervantes/Quijote durch seine eindrucksvolle schauspielerische Leistung Publikum wie Mitgefangene wirkungsvoll in den Bann seines Theaterspiels ziehen. Dadurch wird die Konzeption, mit dem "Stück im Stück" der greifbaren körperlichen Gewalt entgegenzutreten, glaubwürdig. Leider quält Gothe sich mühsam über die Gesangsnummern, die ihn, sobald es ein bisschen in die Höhe geht, deutlich überfordern da ist es schnell vorbei mit der Souveränität dahin, die er ansonsten ausstrahlt. Auch sängerisch überzeugen kann dagegen Elvira Soukop als Hure Aldonza (in der Quijote sein Edelfräulein Dulcinea erblickt), die den Selbsthass der Figur beeindruckend deutlich macht. Richart van Gemert ist ein Sancho Pansa von nerviger Naivität und penetrant guter Laune, und auch die weiteren Figuren werden von Regisseur Werner Hahn (erfolglos) in den Dienst des Lustspiels gestellt, das Der Mann von La Mancha nun wahrlich nicht ist.
Die Melancholie, die den traurigen Romanhelden umgibt, ignoriert die Regie und will lieber unterhalten. Natürlich muss ein Musical Unterhaltungsqualitäten haben (und Der Mann von La Mancha hat sie auch), aber so vordergründig, wie Hahn mit zotigen Wortspielen und recht hausbackener Personenführung Spaß erzeugen will, muss es denn doch nicht sein. Zum Glück erweist sich das Stück selbst als einigermaßen resistent gegen solches humorige Ansinnen. Die zündende Musik (die sich allerdings in einigen wenigen, oft wiederholten Nummern mit hohem Wiedererkennungswert erschöpft), vom Hagener Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Arn Goerke recht schwungvoll und in den elegischeren Passagen mit schönen Holzbläsersoli präsentiert, und das geschickt angelegte Textbuch entfalten ihre eigene Wirkung. Letztendlich aber wird das beinahe kaputt inszenierte Stück durch das Spiel die Hauptdarsteller gerettet.
Das größte Ärgernis jedoch ist die unsägliche Ausstattung (Jürgen Aue). Der Kerker ist hier eine in knallbunten Farben nach Disco-Manier ausgeleuchtete Höhle wie aus einem drittklassigen Fantasy-Film und besitzt dabei den Charme einer abgewrackten Geisterbahn. Da kann man mit sehr viel gutem Willen ja noch argumentieren, die Märchenwelt des Don Quijote habe hier ihr heutiges Pendant irgendwo zwischen der Unendlichen Geschichte und dem Herrn der Ringe gefunden, aber das ästhetische Desaster wird dadurch nicht vermieden. Auch die Kostüme sind teilweise von atemberaubender Scheußlichkeit die zerlumpten Gefangenen mag man noch als mäßig kitschig durchgehen lassen, aber Quijotes aufklärerische Widersacher (die den verwirrten Herrn in die Realität zurückführen) sind bodenlos albern eingekleidet. Zum Glück für das Publikum kommen Quijote und Aldonza/Dulcinea mit nicht übermäßig originellen, aber soliden Kostümen glimpflich davon.
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Produktionsteam* Besetzung der Premiere
Musikalische Leitung
Inszenierung
Ausstattung
Dramaturgie
Solisten*Besetzung der PremiereDon Quichote (Cervantes) Arnd Gothe
Sancho Pansa
Aldonza
Elvira Soukop*
Wirt
Padre
Dr. Carrasco
Antonia
Haushälterin
Barbier
Pedro
Anselmo
José
Juan
Paco
Tenorio
Maria
Hauptmann
Pferd
Esel
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- Fine -