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Musiktheater
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La Scala di Seta
(Die seidene Leiter)

Farsa comica in einem Akt
Text von Giuseppe Maria Foppa
Musik von Gioacchino Rossini

In italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 10' (eine Pause)

Konzertante Aufführung
am 21. April 2002


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Musiktheater im Revier
(Homepage)
Kulinarischer Rossini

Von Thomas Tillmann / Fotos von Rudolf Finkes



Mit Speck fängt man Mäuse, weiß der Volksmund, und so gab es an diesem Spätnachmittag im April im Musiktheater im Revier nicht nur eine unterhaltsame konzertante Aufführung von La Scala di Seta zu erleben, sondern auch ein Dinner im Foyer, bei dem - nach des Meisters Originalrezepten zubereitet - Maccheroni alla Rossini, Fettuccine alla Romana, Poularde Royal und Risotto Pesaro serviert wurden. Wie schon bei der Belcanto-Gala im November hatten Intendant Peter Theiler und sein Musikdirektor Samuel Bächli die Moderation des Abends übernommen, die auch in der kommenden Spielzeit unbeirrt an der Idee festhalten, Belcantoopern zu einem wesentlichen programmatischen Schwerpunkt zu machen (gespielt werden Rossinis Il Viaggio a Reims und Verdis erste Schiller-Vertonung I Masnadieri, die man wohl auch noch dieser Epoche zurechnen kann), und die das Streichen der langen Rezitative selbstbewusst-ironisch damit erklärten, dass sie selber ohnehin witziger seien. Und tatsächlich konnte man der von ihnen lustig plappernd präsentierten Mischung aus musikwissenschaftlichen Kommentaren, biografischen Bemerkungen und inhaltlichen Erklärungen gut zuhören.

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Intendant Peter Theiler, einer der Moderatoren des Abends, vor "seinem" MiR.

Rossinis angenehm kurze, im Alter von nur zwanzig Jahren geschriebene Farce bietet sich wohl tatsächlich nur für eine konzertante Aufführung an: Das Libretto mit seinen Anklängen an Cimarosas Il matrimonio segreto, Mozarts Così fan tutte und des Meisters Barbiere di Siviglia ist gleichermaßen vordergründig wie kompliziert und an den Haaren herbeigezogen, die Musik ist mitreißend, aber für die kleine Orchesterbesetzung und das Solistensextett eine immense Herausforderung, so dass besonders letztgenannte nicht zu traurig gewesen sein dürften, dass sie nicht auch noch komplizierte darstellerische Anforderungen erfüllen mussten.

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Der Spezialist für launige musikwissenschaftliche Details: Musikdirektor Samuel Bächli, der zweite Moderator der Gala.

Es spricht für die Disposition des MiR, dass alle sechs der unglaublich ausgezierten Gesangspartien mit Ensemblemitgliedern besetzt werden konnten, auch wenn mir Regine Herrmann nach dem Anhören der von der hellen Piccoloflöte dominierten Lucilla-Arie keine Virtuosa im engeren Sinne zu sein scheint und ihr Sopran mir wie meistens zu kühl und ausdrucksarm ist, und auch wenn Erin Caves mit seiner immer noch zwischen Bariton und Tenor schwankenden, recht direkt und laut produzierten Stimme ebenso wie Joachim G. Maaß sich als stilistisch nicht sehr überzeugender, letztlich aber rollendeckender Comprimario erwies.

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Sie war die Idealbesetzung für die umschwärmte, intelligente Giulia: Anke Sieloff.

Besser war es um die drei größeren Rollen bestellt: "Allrounderin" Anke Sieloff bestach einmal mehr durch ihre persönliche Präsenz und die erstaunliche Rollenidentifikation, mit der sie die von allen umschwärmte Giulia zum Leben erweckte, sie ist einfach eine kommunikative Interpretin, die aber auch die beträchtlichen vokalen Hürden mit geläufigem, in allen Lagen gut ansprechenden, auch die ruhigere Stimmung des "Il mio ben" mit fraulich-üppigen Tönen und betörender messa di voce exzellent einfangenden Mezzosopran bewältigte. Nyle P. Wolfe sicherte sich die Sympathien des Publikums schnell in der Partie des Tölpeldieners Germano, den er mit flexiblem lyrischen, allerdings nicht durch die Qualität des Timbres auffallenden Bariton, einem Händchen fürs Komische und für textliche Valeurs portraitierte - die originelle Liebesarie, bei der gegen Ende fast einschlief, geriet zurecht zu einem Showstopper.

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Er gab Giulias heimlichen, unheimlich eifersüchtigen Gatten: Tenor Mark Adler.

Dagegen kämpfte Mark Adler offenkundig mit einer Indisposition, die ihn die ansonsten schon prekären, extrem hochliegenden Töne nicht leichter erreichen ließ; im Prinzip scheint mir sein biegsamer, durchaus koloraturfähiger, legatostarker, besonders in der Mittellage und Vollhöhe angenehm farbig (und nicht zu hell und quäkig) timbrierter Tenor genau richtig für dieses Fach zu sein.

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Sie hatte musikalisch die Fäden in der Hand: Cosima Sophia Osthoff, 1. Kapellmeisterin des MiR.

Cosima Sophia Osthoff setzte sich mit viel Gespür für die Ausführung der ausgedehnten Crescendi der großen Ensembleszenen (wie etwa das hinreißende Quartett "Si che unito") und für eine dezente Sängerbegleitung für das mitreißende, auch viel musikalischen Witz enthaltende Werk ein; allerdings fehlte es dem Spiel der Neuen Philharmonie mitunter doch ein wenig an Drive und Präzision. Vielleicht hätte man doch ein paar Proben mehr gebraucht, was sich - ich gebe es zu - leichter sagt als angesichts einer hohen Vorstellungsdichte in die Tat umsetzen lässt.




FAZIT

Es kann nicht nur das (kostengünstige) Dinner nach dem Konzert gewesen sein, das dem MiR an diesem späten Sonntagnachmittag ein fast volles Haus bescherte: Es gibt ein Publikum für Belcanto, das sich auch freuen wird über eine konzertante Aufführung von Händels Rinaldo am 8. 12. 2002 und einen Bellini, Bellini! überschriebenen Abend am 28. 6. 2003, bei dem Ausschnitte aus dessen Il Pirata und La Sonnambula auf dem Programm stehen und unter anderen Spezialistin Gabriella Morigi dabei sein wird.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Cosima Sophia Osthoff

Moderation
Samuel Bächli
Peter Theiler



Neue Philharmonie Westfalen


Solisten

Dormont,
Giulias Vormund
Erin Caves

Giulia,
Dormonts Mündel
Anke Sieloff

Germano
Diener Dormonts
Nyle P. Wolfe

Dorvil,
Giulias Ehemann
Mark Adler

Lucilla,
Giulias Cousine
Regine Herrmann

Blansac,
Verehrer Giulias
Joachim G. Maaß



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Musiktheater im Revier
(Homepage)



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