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Musicalspaß mit Herz und Charme
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Rudolf Finkes
Es ist gar nicht einfach, ein landläufig bekanntes Musical, das bereits 1948 uraufgeführt wurde und eine so leicht zu durchschauende Handlung zwischen Shakespeare-Vorlage und typischen, aber immer wieder gern gesehenen Backstage-Affären aufweist wie Kiss me, Kate, im Jahre 2001 überzeugend auf die Bühne zu bringen, zumal die finanziell weitaus besser gestellte Konkurrenz der kommerziellen Musicals in den Nachbarstädten trotz mancher Flops in der letzten Zeit bekanntlich nicht schläft. Timothy Coleman, ehemaliger Chefdramaturg der Deutschen Oper am Rhein (warum hat er eigentlich dort nicht inszeniert?), hat das leichte Herz, die leichte Hand und den augenzwinkernden Humor für ein solches Unternehmen, und so lehnt man sich begeistert in die bequemen Sessel des Musiktheaters zurück und lässt sich bezaubern von der Spielfreude des hochengagierten, kompetenten und attraktiven Ensembles, den hübsch bemalten, leicht verschiebbaren und damit praktischen Kulissen von John Otto, den schicken, einfallsreichen Kostümen von Gabriele Jaenicke, der spritzig-kreativen, temporeichen Choreografie der broadwayerfahrenen Jane Elliott und dem schon nach wenigen Sekunden zum Mitwippen inspirierenden Sound, den Gelsenkirchens neue Kapellmeisterin Cosima Sophia Osthoff (im wirklich gewagten schwarzen Mini-Schlauchkleid) gekonnt und mit viel Gespür fürs Genre der Neuen Philharmonie Westfalen entlockt.
Lilli (Anke Sieloff) präsentiert ihrem Ex-Mann Fred (Erin Caves) stolz den Ring ihres neuen Geliebten Harrison Howell.
Sicher, an manchen Stellen hätte das Orchesterspiel noch etwas lockerer und flotter sein können, die Umbauten wären bei mehr Proben sicher auch noch etwas zügiger zu bewerkstelligen, die angenehm kurzen, frischen Dialoge könnten von den Nicht-Muttersprachlern noch etwas textverständlicher und sinnstiftender, die erfreulicherweise im amerikanischen Original gegebenen Songs noch etwas idiomatischer präsentiert werden, aber das ist nichts weiter als Beckmesserei, die den Erfolg dieser Produktion kaum wird schmälern können (was dem Rezensenten ohnehin fern liegt!). Und schließlich ist es dieses nicht ganz Perfekte, das Stadttheaterproduktionen wie diese so ehrlich und liebenswert macht!
Lasst Blumen sprechen! Petruchio (Erin Caves) versucht auf diesem Weg, die widerspenstige Kate (Anke Sieloff) zu zähmen.
Die vielseitige Anke Sieloff ist einfach eine Wucht als zickiges blondes Gift Lilli Vanessi, sie singt hinreißend und einschmeichelnd, sie kann sich bewegen, sie weiß, wie man mit dem Publikum flirtet und im kessen Mini-Dirndl gute Figur macht, und eine schöne Frau ist sie auch. Als Sympathieträger und talentierter Musicaldarsteller erwies sich Erin Caves, der mir als Fred ausgezeichnet gefiel (während mir der hörbar noch nicht bewältigte Fachwechsel Sorgen macht - nur weil die Tiefe schwach und die Höhe gut ist, ist ein lyrischer Bariton ja noch nicht gleich ein Tenor!).
Wie im Leben so auf der Bühne: Petruchio-Darsteller Fred (Erin Caves) verzweifelt, ahnt er doch, dass seine Kate-Partnerin Lilli (Anke Sieloff) bald merken wird, dass die Blumen eigentlich für eine andere gedacht waren.
Dagegen verschenkte Elise Kaufman manche Chance, die die Rolle der Lois (Bianca) in sich trägt, und die mitunter recht tiefe Tessitur machte ihr auch zu schaffen, während Bühnenpartner Georg Hansen als Bill keine Wünsche offen ließ. Eva Tamulénas strafte den zweiten Teil der Fachbezeichnung "komische Alte" in ihren wenigen, aber prägnanten Auftritten als Garderobiere mit flotten Tanzschritten Lüge, der kräftig gebaute Nikolai Miassojedov, sonst ehrwürdiger Kavalierbariton des Hauses, und das neue Ensemblemitglied Nyle P. Wolfe (er kann sogar steppen!) schlugen als theaterenthusiasmisierte Ganoven eifrig bei Shakespeare nach und hatten immer wieder die Lacher auf ihrer Seite, während man des Staunens nicht müde würde ob der ungebrochenen Vitalität eines Waldemar Mauelshagen - 1946 wurde er zum ersten Mal in Gelsenkirchen engagiert und ist seit 1960 ununterbrochen am Haus! Nicht vergessen werden dürfen Chefdisponent Bjoern Peleikis, der als Howell assistierte, die drei sympathischen Paare vom Ballett - Francesc Abós und Thomas Maucher machten "ganz nebenbei" auch noch in kleineren Partien mit und absolvierten auch ihre Gesangsverse ohne Fehl - und der vielbeschäftigte Chor, der den eigenen Spaß an der Arbeit glaubwürdig und mit viel Herz auf die Zuschauer übertrug. Überhaupt weht einem da ein angenehmer Ensemblegeist entgegen - man wünscht dem jungen Team um Generalintendant Peter Theiler mehr solcher mit langanhaltendem Beifall bedachten Premieren!
Klangbeispiel:
Fred Graham (Erin Caves) versucht vor aller Augen und Ohren (Ensemble und Chor des Musiktheaters im Revier) die zänkische Lilli Vanessi (Anke Sieloff) zu zähmen.(MP3-Datei)
Und am Ende kriegen sie sich doch, und das Volk (Ensemble und Chor und des Musiktheaters im Revier) freut sich gebührend mit: Bianca (Elise Kaufman), Lucentio (Georg Hansen), Petruchio (Erin Caves, kniend) und Kate (Anke Sieloff) beziehungsweise deren Darsteller.
Eine kurzweilige, bunte Show mit hohem Unterhaltungswert für die ganze Familie, präsentiert von einem mitreißend agierenden und singenden Ensemble! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreografie
Dramaturgie
Chor
SolistenLilli Vanessi/KateAnke Sieloff
Fred Graham/Petruchio
Lois Lane/Bianca
Hattie, Garderobiere
Erster Ganove
Zweiter Ganove
Bill Calhoun/Lucentio
Hortensio
Gremio
Baptista
Harrison Howell
Paul, Garderobier
Tänzer
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