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Musiktheater
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Béatrice und Bénedict
Opéra-comique in zwei Akten
Musik von Hector Berlioz
Text vom Komponisten
nach William Shakespeares Much Ado about Nothing


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen
am 22. Juni 2002


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Musiktheater im Revier
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Geschichten aus dem Alltag der Neuen Philharmonie Westfalen

Von Stefan Schmöe / Fotos von Rudolf Finkes



Am Ende seines kompositorischen Schaffens schrieb Hector Berlioz, der große Meister des Dämonischen, eine leichte und spritzige Opernkomödie nach Shakespeaere. Die Parallelen zum Falstaff, mit dem Giuseppe Verdi ebenfalls mit einer Shakespeare-Komödie ein ansonsten wenig komödiantisches Œuvre abschließt, liegen auf der Hand, allerdings war Béatrice und Benedict (entstanden 1860 – 62) keineswegs der Erfolg von Verdis letzter Oper beschieden, die zwar nicht die Popularität von Traviata und Aida erlangt hat, aber einen festen Platz im Repertoire einnimmt. Ein wenig haftet dem Falstaff dabei der Ruf eines Werkes mehr für Kenner als für das breite Publikum an, und ähnlich könnte es eigentlich auch dem Werk Béatrice und Benedict gehen, denn die delikate, oft ironisch gebrochene Musik hat große Qualität. Allerdings steht wohl die vergleichsweise schlichte Dramaturgie, die nicht annähernd die Raffinesse des Falstaff-Librettos besitzt, einer weiteren Verbreitung entgegen.

Vergrößerung Béatrice und Benedict mögen sich nicht ...

Der Stoff ist Shakespeares Komödie Viel Lärm um Nichts entnommen, wird allerdings von Berlioz stark verkürzt. Es geht um das komische Paar Béatrice und Bénedict der Shakespeare-Komödie, die sich nicht ausstehen können und wortgewaltig bekämpfen, bis sie durch eine List ihrer Freunde zum Liebespaar verkuppelt werden. Bei Shakespeare kontrastiert diese Episode das (durch eine Intrige auseinander gerissene) „hohe Paar“ Hero und Claudio, bei Berlioz wird umgekehrt das komische Paar in den Mittelpunkt, das ernste Paar an den Rand gerückt. Außerdem reduziert Berlioz alle Handlung auf das Notwendigste, fügt aber noch eine typische Buffo-Figur hinzu, die überhaupt nichts mit der Handlung zu tun hat, nämlich den trotteligen Kapellmeister Somarone. Man kann Béatrice und Bénedict als Bilanz der komischen Oper von Cosí fan tutte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lesen, wobei Berlioz mit der Gattung spielt und Artifizielles mit Schlichtem verbindet.

Vergrößerung ... und pflegen im Umgang miteinander gewisse Eigenwilligkeiten ...

Mit der Entscheidung, die Oper im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier zu spielen, heben die Verantwortlichen den Kammerspielcharakter des Werkes hervor. Ganz so klein ist das Stück mit mittelgroßem Orchester und Chor aber auch nicht, und es würde die Dimensionen des Kleinen Hauses sprengen, würde nicht Regisseur Immo Karaman alle beteiligten Musiker in seine szenische Konzeption einbeziehen. Die Grundidee besteht darin, das Stück als Probe des Orchesters beginnen zu lassen; die beiden Hauptdarsteller sind dabei Orchestermusiker, die sich im Verlauf der Probe in die Haare geraten. Karaman knüpft dabei an die Figur des Kapellmeisters Somarone an, der hier als amüsante Parodie auf Gelsenkirchens Chordirektor Nandor Ronay angelegt ist (wobei Darsteller Joachim Gabriel Maaß zu Hochform aufläuft). Béatrice (Anke Sieloff), die biestige graue Maus an der Oboe, und der verklemmte Kontrabassist Bénedict (James McLean) bringen den Probenalltag der Neuen Philharmonie Westfalen ziemlich durcheinander.

Vergrößerung ... aber durch eine kluge List ihrer Orchesterkolegen werden sie bald ein glückliches Paar.

Karaman bewegt sich dabei auf einer nicht ungefährlichen Gratwanderung zwischen Klamauk (wenn sich das andere Paar, Geigerin Hero und Posaunist Claudio, zum Sex in einen Instrumentenkoffer zurückziehen) und Biederkeit (die sich vor allem einzuschleichen droht durch das Bühnenbild von Stephanie Nobis, das mit überdimensionierten, halb im Boden versinkenden Instrumenten den Realismus der Probensituation wenig überzeugend konterkariert). Störend sind an vielen Stellen die Dialoge, deren Sprache eben nicht die ist, die in einer Orchesterprobe gesprochen wird – bei diesem Regiekonzept hätte es nahe gelegen, auch die Texte zu überarbeiten. Dennoch ist das Spiel durch die Spielfreude der Akteure und viele witzige Details über weite Strecken sehr amüsant. Zum Ende hin stürzt Karaman dann allerdings regelrecht ab, denn dann lässt er die Probe völlig unmotiviert in einer Karnevalsparty eskalieren – das ist gerade nicht mehr der Probenalltag, der zuvor durchaus erfolgreich aufs Korn genommen wurde, und darüber hinaus ist der Schluss (das zwangsverliebte Paar wird aneinander gefesselt in die Höhe gezogen) hanebüchen albern geraten.

Vergrößerung Grund genug für eine zünftige Orchesterparty. Helau!

Auch in den gelungenen Teilen der Regie hat die Musik einen schweren Stand, denn die gerät durch die turbulenten Aktionen zu sehr in den Hintergrund. Zwar singt das Ensemble ordentlich (das Orchester lässt es dagegen häufig an der notwendigen Leichtigkeit fehlen), aber das Bühnengeschehen ist so dominant, dass der Musik nur Begleitcharakter zukommt. In dem Maße, in dem Karaman die parodistischen Elemente auch szenisch hervorhebt, verdeckt er die eigentliche Substanz der Komposition. Alles Schwebende, Leichte ist angesichts der tollpatschig und derb dargestellten Figuren von vornherein chancenlos. Es gelingt Karaman nicht, die Musik überzeugend in seine Konzeption, die sich schnell verselbständigt, einzubinden. Der Regisseur ringt den Komponisten nieder: Von Berlioz ist in dieser Produktion verhältnismäßig wenig zu spüren.


FAZIT

Spaß muss sein: Der Regisseur mutiert die elegante Komödie zum Rüpelspiel mit gelungenen Unterhaltungsmomenten und völlig missratenem Finale. Musik gibt's dabei auch, aber leider nur am Rande.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Samuel Bächli

Inszenierung
Immo Karaman

Bühne
Stephanie Nobis

Kostüme
Andreas Meyer,
Wolfgang Scharfenberger

Dramaturgie
Wiebke Hetmanek



Chor des
Musiktheaters im Revier
Neue Philharmonie Westfalen


Solisten

* Besetzung der Premiere

Béatrice
Anke Sieloff

Bénedict
Mark Adler/
*James McLean

Hero
Noriko Ogawa-Yakate

Claudio
Erin Caves

Ursule
Anna Agosthonos

Don Pedro
Nicolay Karnolsky

Somarone, Chordirektor
Joachim Gabriel Maaß

Orchesterwart
H. Artur Göbel

Notenwart
Rolf Franz



Weitere Informationen
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