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Diskrete Routinearbeit
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Bettina Strauss Ein neuer Höhepunkt des Frankfurter Puccini-Zyklus hätte sie werden können, die Tosca-Neuproduktion, die vom Premierenpublikum in überwiegender Mehrzahl abgelehnt wurde, freilich nicht, weil der (für seine subtilen La Bohème- und Manon Lescaut-Deutungen am selben Ort gerühmte) Regisseur das ihm anvertraute Stück provozierend gegen den Strich gebürstet hätte, sondern weil man den ganzen Abend über das Gefühl nicht los wurde, Gleiches oder Ähnliches schon allzu oft gesehen zu haben - der im Programmheft zitierte Satz Attila Csampais, nach dessen Überzeugung "nun endlich auch die Aktualität und Modernität von Tosca zu erkennen und zu würdigen" seien, fand leider keine Berücksichtigung. Immerhin, Alfred Kirchner hat eng am Text inszeniert und den Hauptfiguren klare Konturen beigegeben, es gab auch einige wenige dichte Momente - den so große Empörung erregenden Griff des sich während des Te Deum seiner Kleider entledigenden Scarpias in die zu eng werdende Hose rechne ich nicht dazu -, aber insgesamt plätscherte die Handlung doch reichlich belanglos und allzu diskret vor sich hin, und das darf nicht passieren bei dieser ja durchaus Spannung atmenden Vorlage.
Foto links:Der Mesner (Carlos Krause) und Baron Scarpia (Claudio Otelli) entdecken Spuren der Flucht Angelottis.
Nicht weiter originell oder aufregend gerieten auch die wechselnden, von meinem seitlichen Rangplatz bedauerlicherweise nicht gänzlich einsehbaren, eher naturalistischen Bühnenbilder von Karl Kneidl, während die aktuellen Kostüme von Margit Koppendorfer - die Diva etwa erscheint in sportlicher weißer Hose mit passender Hemdbluse und leger zurückgegelten Haaren in modernem Rotton - wie ein Fremdkörper wirkten, zumal etwa durch das Zerreißen der Tricolore durch die Kirchenbesucher im ersten Akt die historische Fixierung des Stoffs beibehalten wurde. Die rechte Spannung wusste diesmal auch der viele Details hervorhebende und den Sängern glänzend zuarbeitende Paolo Carignani am Pult des durchaus delikat und differenziert musizierenden Museumsorchesters nicht zu entfachen, da hätte man sich manche Passage doch direkter, kraftvoller und mitreißender gewünscht.
Foto rechts:Tosca (Maria Pia Ionata) liest in Gegenwart des von ihr ermordeten Scarpia (Claudio Otelli) den von ihm ausgestellten Brief, der dem Liebespaar freies Geleit garantiert.
Maria Pia Ionata schonte sich keine Sekunde in der Titelpartie, weder szenisch noch vokal, wobei ihr die wilden Ausbrüche des zweiten Aktes weitaus mehr lagen als die Feinzeichnung etwa im zwar tadellos, aber nicht sehr raffiniert gesungenen "Vissi d'arte". Immerhin entlockte sie ihrem eigenwilligen, charaktervoll-reifen, nicht wirklich dramatischen, von mancher Unebenheit und nicht geringem Flackern befallenen, mitunter auch schrillen Sopran einiges an interpretatorischen Zwischentönen, wobei besonders die enorm durchschlagskräftige, sichere Höhe Erwähnung verdient. Ganz anders verhielt es sich mit Martin Thompson, dessen in der Mittellage durchaus klangschöner, dunkel-kräftiger Tenor sich leider in der hohen Lage, die merkwürdig belegt, eng und farblos klang, ja bei entsprechendem Orchestergegengewicht kaum noch hörbar war, nicht recht entfaltete.
Foto links:Cavaradossi (Martin Thompson) und Tosca (Maria Pia Ionata) träumen kurz vor der Katastrophe von einer gemeinsamen Zukunft.
Es spricht nichts dagegen, die Partie des Scarpia einmal nicht mit einem älteren, eleganten Herrn zu besetzen, sondern mit einem stattlichen, jungen Sänger mit lässig herabfallenden Locken, der in erotischer Hinsicht eine wirkliche Konkurrenz zu dem von der Primadonna präferierten Maler darstellt; die Autorität eines bigotten, sadistischen Polizeichefs indes verkörperte Claudio Otelli nicht in ausreichendem Maße, sondern eher einen recht eindimensional gestrickten, Gläser und Stühle durch die Gegend werfenden, testosterongesteuerten Choleriker. Auch seine sängerische Leistung gab manchen Grund zum Klagen: Immer dann, wenn die Stimme an natürliche Grenzen kam, forcierte der Wiener seinen nicht besonders voluminösen Bariton bis hin zu tonlos-rauhem Brüllen und pseudodramatischem Sprechgesang, was mir nach kürzester Zeit immens auf die Nerven ging - ein paar wenige mezza-voce- und Pianoversuche konnten von diesem zentralen Negativum nicht ablenken. István Kovács war ein junger, attraktiver Angelotti, Carlos Krause ein herrlich trotteliger Mesner, Peter Marsh ein devoter Spoletta mit hellem, durchdringenden Tenor, und auch bei den übrigen Mitwirkenden gab es keine nennenswerten Ausfälle. Ein Sonderlob verdient Kai Kluge, der den Part des Hirten erstaunlich sicher und tonschön bewältigte.
Foto rechts:Tosca (Maria Pia Ionata) ist fassungslos angesichts der Ermordung Cavaradossis (Martin Thompson).
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Dramaturgie
Licht
Chor
SolistenFloria Tosca, SängerinMaria Pia Ionata
Mario Cavaradossi, Maler
Baron Scarpia, Polizeichef von Rom
Cesare Angelotti
Der Mesner
Spoletta, Polizeiagent
Sciarrone, ein Polizist
Ein Schließer
Ein Hirt
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