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Tosca

Melodramma in drei Akten
Dichtung nach dem Drama von Victorien Sardou
von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa
Musik von Giacomo Puccini
Kritische Ausgabe von Roger Parker


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h (zwei Pausen)

Premiere im Aalto-Theater Essen am 22. März 1997
Wiederaufnahme am 2. Juni 2002

Besuchte Vorstellung: 4. Juni 2002


Logo:  Theater Essen

Theater Essen
(Homepage)
Trostlose Tosca
Von Thomas Tillmann


Manchmal erfährt man über die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Opernhauses, seines Ensembles und seines Orchesters mehr, wenn man Repertoirevorstellungen besucht, als wenn man sich durch den mitunter monatelang vorbereiteten Premierenglanz täuschen lässt - das ist beim Aaltotheater nicht anders als anderswo. Die von mir besuchte Tosca indes war erst die zweite einer Wiederaufnahmeserie, und da hätte man sowohl szenisch als auch musikalisch mehr erwarten dürfen als man tatsächlich geboten bekam. Ein großer Wurf war Christine Mielitz' wohl eigenwillige, aber nicht übermäßig originelle, trotz allem szenischen Aufwand ins Leere führende Inszenierung der dieser Tage allerorts in der Region gespielten Puccini-Oper ohnehin nie. Dadurch, dass sich außer der Scarpia-Darsteller aber offenbar niemand an die Originalanweisungen erinnern mochte oder mit diesen nicht bekannt gemacht worden war, wurde auch die damals gelobte Personenführung (vgl. unseren Premierenbericht) kein bisschen spannender, sondern ähnelte über weite Strecken einem unmotivierten Gezappel, das zur Erhellung des Werkes aber auch gar nichts beitrug, was das Publikum folgerichtig mit schleppendem Beifall kommentierte.

Größten Anteil am szenischen Debakel hatte zweifellos Jeffrey Dowd, der sich als auf jugendlich getrimmter, weichlicher Cavaradossi (der sich hinsichtlich der darstellerischen Mittel nur unwesentlich von seinem Kaiser, Lohengrin oder Laca unterschied) meistens eitel an der Rampe postierte oder sich idiosynkratisch von Kirchenbänken gleiten ließ - dass er sich für revolutionäre Ideen und für die Frau hinter der Sängerin interessierte, mochte man kaum nachvollziehen, die Aussprache- und Textfehler auch nicht. Die meiste Zeit war er ohnehin mit der vokalen Bewältigung seiner Partie beschäftigt - mit mehr als zweifelhaftem Erfolg, denn der Verfall dieser bei der Premiere vor fünf Jahren noch vielversprechenden, vom Rezensenten gelobten Stimme ist inzwischen unüberhörbar: Im ohnehin selten versuchten Piano brechen die Töne ebenso weg wie bei den wenigen nicht durch Atempausen unterbrochenen längeren Phrasen, Töne oberhalb der Mittellage klingen gepresst, gestemmt und ausgebleicht und werden durch ein übermäßiges Vibrato zusätzlich entstellt, und so kann man bei aller ansonsten angebrachten Skepsis über die Besetzungspolitik des Ruhrgebiethauses schon nachvollziehen, warum man für Partien, die eigentlich im Aufgabenbereich Dowds liegen (Bacchus, Dick Johnson und Max) inzwischen Gäste engagiert; ängstlich fragt man sich, wie der Künstler in dieser Verfassung eine so diffizile Rolle wie Pollione in Norma schaffen will.

Aber auch Vlatka Orsanic vermochte in der Titelpartie nicht zu überzeugen: Besonders in der Mittellage und der Tiefe fehlt es ihrem unzweifelhaft lyrischen Sopran an Gewicht und Farbenreichtum, in der metallisch-scharfen Höhe an Intonationssicherheit und Glanz, in interpretatorischer Sicht an Persönlichkeit und Ausstrahlung. Die seriöseste, kultivierteste Leistung des Abends steuerte ohnehin der zuletzt in Dortmund für seinen Gérard in Andrea Chenier so gefeierte Károly Szilágy bei, auch wenn ihm der Scarpia hörbar ein bisschen zu tief liegt und ihn die Rolle auch schauspielerisch an Grenzen führt. Über die mitunter desaströse "Leistung" der Comprimari, die ja zum Gesamteindruck eines Abends gar nicht so wenig beitragen, gibt es kein weiteres Wort zu verlieren, da hatte der solide Chor im ersten Akt noch mehr zu bieten.

Wenig Impulse gingen auch von den Essener Philharmonikern aus, die auf Patrik Ringborgs breite, nicht gerade spannende Tempi bevorzugendes, insgesamt doch recht allgemeines Dirigat lethargisch und unkonzentriert reagierten, deren Spiel im dritten Akt jedoch trotz nicht weniger Spielfehler mehr Farbe hatte als an manchen vom Hausherrn geleiteten Abenden.


FAZIT

In dieser Besetzung und auf diesem Einstudierungslevel lohnt sich ein Besuch dieser Produktion wahrlich nicht.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Patrik Ringborg

Inszenierung
Christine Mielitz

Bühne
Reinhart Zimmermann

Kostüme
Susanne Hubrich

Chor
Alexander Eberle

Dramaturgie
Andreas Wendholz



Die Essener Philharmoniker



Solisten

Floria Tosca,
berühmte Sängerin
Vlatka Orsanic

Mario Cavaradossi,
Maler
Jeffrey Dowd

Baron Scarpia,
Chef der Polizei
Károly Szilágy

Cesare Angelotti,
politischer Flüchtling
Almas Svilpa

Der Mesner
Richard Medenbach

Spoletta, Polizeiagent
Herbert Hechenberger

Sciarrone, Gendarm
Karl-Ludwig Wissmann

Ein Schließer
Heinz Potztal

Stimme des Hirten
Marie-Helen Joel






Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Essen (Homepage)




Da capo al Fine

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