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Der fliegende Holländer
Romantische Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner

Aufführungsdauer: ca. 2 h 15' (keine Pause)

Übernahme-Premiere im Theatre der Stadt Duisburg
am 8. Dezember 2001


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Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Nichts Neues in Norwegen

Von Thomas Tillmann / Fotos von Eduard Straub



De mortuis nil nisi bene - mehr gibt es zu der vom inzwischen verstorbenen Adolf Dresen konzipierten Inszenierung des Fliegenden Holländer nicht zu sagen (Stefan Schmöe hat sich dazu an dieser Stelle bereits deutlich geäußert, vgl. unsere Kritik), die jetzt im technisch überarbeiteten, einige Monate geschlossenen Theater Duisburg als Übernahme-Premiere gezeigt wurde. Spielleiter David Walsh hatte offenbar zu viel Respekt vor dem großen Namen und brachte keine nennenswerten eigenen Ideen ein, und man kann es ihm letztlich auch nicht übel nehmen. Die Darsteller waren so einmal mehr weitgehend auf sich selbst gestellt, was in dem einen oder anderen Fall ja auch ein Vorteil sein kann. Susan Owen etwa, noch immer in Darmstadt engagiert, aber inzwischen auch an der Deutschen Oper Berlin als Isolde und an der Dresdener Semperoper als Färbersfrau in Die Frau ohne Schatten gefeiert, stürzte sich mit leidenschaftlichem Darstellungswillen in die Produktion, fand aber kaum Unterstützung bei ihren männlichen Partnern.

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Der Steuermann (Dietmar Kerschbaum) und Kapitän Daland (Hans-Peter König) zeigen sich allen Stürmen gewappnet.

Vokal indes blieb die energische Künstlerin der Senta, mit der sie ihren europäischen Durchbruch erzielte und jetzt ihr längst überfälliges Rheinoperndebüt bestritt, an diesem Abend manches schuldig: Die Stimme klingt in der Mittellage und der Tiefe jetzt deutlich dunkler, die Verblendung der sehr unterschiedlich gefärbten Register ist unzureichend, die sonst so bewunderte Geschmeidigkeit, die Fähigkeit zu zwar kraftvollem, aber doch lyrischem Singen und einer den Vorgaben entsprechenden, sinnstiftenden Phrasierung, zu zarten, aber gut gestützten Pianotönen vermisste man schmerzlich. Stattdessen war man irritiert und besorgt angesichts der häufig mehr als wagen Intonation (besonders im Passaggio zwischen Mittellage und Höhe), angesichts des Anbequemens der Partie an die eigenen Möglichkeiten, angesichts der Schwierigkeiten, Phrasen organisch und auf der ursprünglich erreichten Höhe zu Ende zu bringen, angesichts der mitunter sekundenlangen Verzögerung, bis die dann allerdings trompetenhaft lauten, imposanten, aber merkwürdig steif klingenden, häufig zu tiefen und mit spürbarem Kraftaufwand herausgeschleuderten Spitzentöne kommen, ohne sich in eine musikalische Linie einzufügen und ohne die jugendliche (!) Emphase und Strahlkraft aufzuweisen, die man sich gerade bei dieser Rolle doch wünscht. Es gibt auch einige überzeugende Momente, etwa im Duett mit Erik, in dem die sonst so gerühmten Vorzüge des Soprans hörbar sind, der vielleicht doch zu schnell und zu exzessiv im hochdramatischen Fach verschlissen wurde, anstatt in Ruhe reifen zu können.

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Der Holländer (Ronnie Johansen) sucht nach sieben Jahren eine neue Chance.

Die profilierteste Leistung gelang Hans-Peter König, der den Daland mit schlichten, aber glaubwürdigen Mitteln, einer wirklich vorbildlichen Sorgfalt in der Textpräsentation und rhythmischer Präzision zeichnete und mit seinem durchaus die nötige Schwärze aufweisenden, in allen Lagen leicht ansprechenden Bass auch musikalisch keine Wünsche übrig ließ, während Ronnie Johansens Bassbariton inzwischen von einem stellenweise schwer erträglichen wobble entstellt ist, im (viel zu selten versuchten) Piano unangenehm brüchig klingt und überhaupt zu viele heisere Nebengeräusche aufweist. Die stimmlichen Verschleißerscheinungen konnte der Sänger leider auch nicht durch eine suggestive Darstellung weniger gravierend erscheinen lassen: Viel mehr als eine imposante physique du rôle brachte er nämlich nicht mit für die Titelpartie. Pär Lindskog kämpfte streckenweise mit dem deutschen Text und gab den Erik weitgehend im Dauerforte, das er seinem höhenbetont-metallischen jugendlichen Heldentenor nicht ohne Krafteinsatz abrang. Dietmar Kerschbaum war mit durchdringend-hellem, agilen und legatostarken Tenor ein überzeugender Steuermann, Taru Sippola eine sehr junge, beherzt agierende Mary mit robustem Vokalmaterial.

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Tochter Senta (Susan Owen) und Vater Daland (Hans-Peter König) sehen entscheidenden Veränderungen entgegen.

Zu den Positiva der Aufführung rechne ich auch den von Christoph Kurig offenbar sorgfältig vorbereiteten, weitgehend kongruent musizierenden Chor. Ira Levin bevorzugt eine vorwärtsdrängende, kraftvoll-spannende, ja mitunter geradezu aggressiv wirkende, die naturalistische Werksicht der Regie unterstreichende Lesart der Partitur, die die glänzend disponierten Duisburger Philharmoniker klar strukturiert und in mitunter die Grenze des Tolerablen streifender Lautstärke zur Aufführung brachten, ohne jedoch den Sängern auf der Bühne das Leben unnötig schwer zu machen. Schade, dass der Amerikaner demnächst seltener Gast der Deutschen Oper am Rhein sein wird: Im März nächsten Jahres tritt er sein Amt als Generalmusikdirektor des Theatro Municipal de Sao Paolo an und wird dort neben diversen Opernproduktionen auch acht Sinfoniekonzerte pro Saison dirigieren (Generalintendant Richter informierte vor der Vorstellung die erschienenen Pressevertreter über vorsichtig ins Auge gefasste Kooperationsprojekte).


FAZIT

Eine musikalische durchwachsene Übernahme-Premiere einer biederen Inszenierung, die das Publikum nicht ohne Grund zu Missfallensbekundungen provozierte!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ira Levin

Inszenierung
Adolf Dresen

Regiemitarbeit
Marion Winter

Choreografische Mitarbeit
Falco Kapuste

Bühne und Kostüme
Wolf Münzner

Licht
Klaus Gärditz

Chor
Christoph Kurig

Spielleitung
David Walsh



Chor und Statisterie
der Deutschen Oper
am Rhein


Die Duisburger
Philharmoniker


Solisten

Der Holländer
Ronnie Johansen

Daland,
ein norwegischer Seefahrer
Hans-Peter König

Senta,
seine Tochter
Susan Owen

Erik
ein Jäger
Pär Lindskog

Mary,
Sentas Amme
Taru Sippola

Steuermann Dalands
Dietmar Kerschbaum



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutschen Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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