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Liebe träumt sich in den Tod
Von Meike Nordmeyer
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Fotos von Andrea Kremper Eine junge Frau, die herzlich ihre kleinen Geschwister versorgt und darüber ganz sich selbst vergisst - zum Idealbild wird dem schwärmerischen Werther dieses Wesen. Dass dieses Bild der angebeteten Frau nicht viel mit der wirklichen Person zu tun haben muss, wird deutlich - dass sie vielleicht sogar ganz und gar nur ein Traumbild von Werther ist, bleibt möglich. In der Opernfassung des Werther-Stoffes bietet sich diese Ansicht durch die starke Konzentration auf wenige Begegnungen der Hauptfiguren tatsächlich besonders an. Leicht lässt sich die Geschichte als Projektion Werthers schildern, wie Regisseur Torsten Schröder das in seiner Dortmunder Ausführung anbietet.
Da sieht Werther (Ruben Broitman) Charlotte (Sonja Borowski-Tudor) mit Albert (Thomas de Vries) sitzen.
Die Liebesgeschichte spielt sich demnach konsequenterweise in einem einzigen großen Raum ab. Es ist der Raum, in dem Werther lebt, in dem er zunächst unruhig versunken hin und her geht, bis ihm die vorgestellten Figuren in ihrer Umgebung lebendig werden. Eingelassen in die Rückwand ist eine offene begehbare Fläche, in der sich die Natur in formelhaften Prospekt zeigt, in Farben, in die sie die jeweilige Stimmung einfärbt. Außenszenen mit Baum und Bank holt Werther auch zu sich. Dann sitzt er am Tisch und stellt sich Charlotte in ihrem Wohnzimmer vor, seine Liebesbriefe lesend bis sie zu ihm rübertaumelt. Schließlich mit der Sterbeszene ist Werthers Vorstellung drängend nah, mittem im Raum erlebt er sich in den Armen Charlottes liegend und der Schnee fällt auf sie beide. Bühne und Kostüme werden von Heidrun Schüler zeitlos schlicht gehalten. Im zweiten Akt zeigt sich Charlotte als zukünfitge Gattin von Albert im modernen Damenkostüm. Als erträumte Episode eines schwärmerisch verliebten jungen Mannes kann der erzählte Stoff als zeitlos, und eben auch als heutiger melancholischer Tagtraum gezeigt werden. Es gibt sie wie eh und je, die todessehnsüchtigen Phantasmen von Schwerverliebten.
Genussvoll stirbt sich Werther (Ruben Broitman) in die Arme von Charlotte (Sonja Borowski-Tudor) hinein.
Ein anspruchsvolles Ensemble mit einem glänzenden Hauptpaar lässt die geträumte Geschichte klangvoll hörbar werden. Ruben Broitman gestaltet mit geschmeidiger, kultiviert geführter Stimme einen ausdrucksstarken Werther. Sonja Borowski-Tudor als Charlotte gelingt mit leicht dunklem Timbre ein stets gehaltvoller, gemessen trauriger Ton. Ihre Briefszene und anschließend das Liebesgeständnis gegenüber Werther weiß sie packend zu gestalten. Jillian Anderton ergänzt das Paar trefflich als Schwester Sophie mit feiner, frei klingend heller Stimme, dabei nicht ohne Substanz in der Nebenrolle. Thomas de Vries gibt einen gefassten Albert, genau ausgeführt mit warmer Stimme, die noch etwas konzentriert werden sollte. Höchst erfreulich, denn fein zusammenstimmend erklingt der Kinderchor, ausgeführt von den Solisten des Monteverdi Junior Chores unter der Leitung von Zeljo Davutovich. Axel Kober entwickelt mit den Dortmunder Philharmonikern die farbreiche Partitur äußerst plastisch. Neben dichten impulsiven Aufwallungen werden die einzelnen Stimmen fein herausgearbeitet. Vornehmlich im zweiten Akt fallen die zügigen Tempi auf, so werden sicherlich falsche Sentimentalitäten vermieden. Mitunter bleibt es aber auch nicht aus, dass den Sängern wichtige Entfaltungsfreiheit genommen wird, an höchst anspruchsvollen Stellen der Partie werden sie getrieben. Insgesamt überzeugt aber die gute Zusammenstimmung von Bühne und Orchester. FAZIT Die unglückliche Liebesgeschichte als eine erträumte zu zeigen geht auf und ergibt eine zeitlos aktuelle, konzentrierte Inszenierung. Das gut besetzte Ensemble, allen voran das klangvolle Hauptpaar, sorgen mit dem gelungenen Orchesterpart für eine äußerst lohnenswerte Aufführung, die mehr Publikum verdient hat, als in der nur spärlich besuchten Premiere. Also, keine Angst vor französischen Opern - schauen Sie und hören Sie diesen Werther an! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Regie
Bühne und Kostüme
Einstudierung des Kinderchores
Dramaturgie
SolistenWertherRuben Broitman
Charlotte
Albert
Sophie
Le Bailli, der Amtmann
Schmidt, ein Freund des Amtmanns
Johann, ein Freund des Amtmanns
Kinder
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