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Musiktheater
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Werther
Oper in vier Akten
Nach Johann Wolfgang von Goethe
Text von Edouard Blau, Paul Millet, Georges Hartmann
Musik von Jules Massenet

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 7. April 2002


Homepage

Theater Dortmund
(Homepage)
Liebe träumt sich in den Tod

Von Meike Nordmeyer / Fotos von Andrea Kremper



Eine junge Frau, die herzlich ihre kleinen Geschwister versorgt und darüber ganz sich selbst vergisst - zum Idealbild wird dem schwärmerischen Werther dieses Wesen. Dass dieses Bild der angebeteten Frau nicht viel mit der wirklichen Person zu tun haben muss, wird deutlich - dass sie vielleicht sogar ganz und gar nur ein Traumbild von Werther ist, bleibt möglich. In der Opernfassung des Werther-Stoffes bietet sich diese Ansicht durch die starke Konzentration auf wenige Begegnungen der Hauptfiguren tatsächlich besonders an. Leicht lässt sich die Geschichte als Projektion Werthers schildern, wie Regisseur Torsten Schröder das in seiner Dortmunder Ausführung anbietet.

Vergrößerung

Da sieht Werther (Ruben Broitman) Charlotte (Sonja Borowski-Tudor) mit Albert (Thomas de Vries) sitzen.

Die Liebesgeschichte spielt sich demnach konsequenterweise in einem einzigen großen Raum ab. Es ist der Raum, in dem Werther lebt, in dem er zunächst unruhig versunken hin und her geht, bis ihm die vorgestellten Figuren in ihrer Umgebung lebendig werden. Eingelassen in die Rückwand ist eine offene begehbare Fläche, in der sich die Natur in formelhaften Prospekt zeigt, in Farben, in die sie die jeweilige Stimmung einfärbt. Außenszenen mit Baum und Bank holt Werther auch zu sich. Dann sitzt er am Tisch und stellt sich Charlotte in ihrem Wohnzimmer vor, seine Liebesbriefe lesend bis sie zu ihm rübertaumelt. Schließlich mit der Sterbeszene ist Werthers Vorstellung drängend nah, mittem im Raum erlebt er sich in den Armen Charlottes liegend und der Schnee fällt auf sie beide.

Bühne und Kostüme werden von Heidrun Schüler zeitlos schlicht gehalten. Im zweiten Akt zeigt sich Charlotte als zukünfitge Gattin von Albert im modernen Damenkostüm. Als erträumte Episode eines schwärmerisch verliebten jungen Mannes kann der erzählte Stoff als zeitlos, und eben auch als heutiger melancholischer Tagtraum gezeigt werden. Es gibt sie wie eh und je, die todessehnsüchtigen Phantasmen von Schwerverliebten.

Vergrößerung Genussvoll stirbt sich Werther (Ruben Broitman) in die Arme von Charlotte (Sonja Borowski-Tudor) hinein.

Ein anspruchsvolles Ensemble mit einem glänzenden Hauptpaar lässt die geträumte Geschichte klangvoll hörbar werden. Ruben Broitman gestaltet mit geschmeidiger, kultiviert geführter Stimme einen ausdrucksstarken Werther. Sonja Borowski-Tudor als Charlotte gelingt mit leicht dunklem Timbre ein stets gehaltvoller, gemessen trauriger Ton. Ihre Briefszene und anschließend das Liebesgeständnis gegenüber Werther weiß sie packend zu gestalten. Jillian Anderton ergänzt das Paar trefflich als Schwester Sophie mit feiner, frei klingend heller Stimme, dabei nicht ohne Substanz in der Nebenrolle. Thomas de Vries gibt einen gefassten Albert, genau ausgeführt mit warmer Stimme, die noch etwas konzentriert werden sollte. Höchst erfreulich, denn fein zusammenstimmend erklingt der Kinderchor, ausgeführt von den Solisten des Monteverdi Junior Chores unter der Leitung von Zeljo Davutovich.

Axel Kober entwickelt mit den Dortmunder Philharmonikern die farbreiche Partitur äußerst plastisch. Neben dichten impulsiven Aufwallungen werden die einzelnen Stimmen fein herausgearbeitet. Vornehmlich im zweiten Akt fallen die zügigen Tempi auf, so werden sicherlich falsche Sentimentalitäten vermieden. Mitunter bleibt es aber auch nicht aus, dass den Sängern wichtige Entfaltungsfreiheit genommen wird, an höchst anspruchsvollen Stellen der Partie werden sie getrieben. Insgesamt überzeugt aber die gute Zusammenstimmung von Bühne und Orchester.


FAZIT

Die unglückliche Liebesgeschichte als eine erträumte zu zeigen geht auf und ergibt eine zeitlos aktuelle, konzentrierte Inszenierung. Das gut besetzte Ensemble, allen voran das klangvolle Hauptpaar, sorgen mit dem gelungenen Orchesterpart für eine äußerst lohnenswerte Aufführung, die mehr Publikum verdient hat, als in der nur spärlich besuchten Premiere. Also, keine Angst vor französischen Opern - schauen Sie und hören Sie diesen Werther an!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Axel Kober

Regie
Thorsten Schröder

Bühne und Kostüme
Heidrun Schüler

Einstudierung des Kinderchores
Zeljo Davutovich

Dramaturgie
Albrecht Faasch



Statisterie
des Theater Dortmund
Das Philharmonische
Orchester Dortmund


Solisten

Werther
Ruben Broitman

Charlotte
Sonja Borowski-Tudor

Albert
Thomas de Vries

Sophie
Jillian Anderton

Le Bailli, der Amtmann
Thomas Mehnert

Schmidt, ein Freund des Amtmanns
Alois Riedel

Johann, ein Freund des Amtmanns
Carl Kaiser

Kinder
Solisten des
Monteverdi Junior Chores



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



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