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Niedliches Kammerspiel mit Kompromissen
Von Thorsten Leonhardt
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Fotos von Andrea Kremper Wer sich auf die Premiere von Orpheus in der Unterwelt im Theater Dortmund als ein rauschendes Fest hintergründiger, offenbachscher Parodien gefreut hat, wird mit einem eher gemütlichen Operettenabend überrascht. Fast wie ein Kammerspiel wirkt die Inszenierung von Brigitte Fassbaender, die ihre Fassung vom Landestheater Innsbruck auf die Dortmunder Bühne übertragen hat. Die erfrischend gekürzte Textbearbeitung geht den Sängern, das ist auffällig, allerdings nicht leichter über die Lippen als die üblichen Fassungen (sie raubt dem Operettenbesucher lediglich einige lieb gewordenen Pointen). Und eine direkte Gesellschaftskarikatur oder scharfe Kultursatire sind weniger spürbar als eher ein geschickt verpackter Blick auf die (zeitlosen) Kehrseiten der Gesellschaft.
Orpheus, der Professor und Schürzenjäger, quält
seine Frau mit seinem neuesten Violinkonzert
Mit Wehmut vermisst mancher der Premierenbesucher die gängige Ouvertüre, die dem ganzen Stück - vielleicht - den nötigen Anfangsschwung gegeben hätte. Stattdessen präsentierte sich die Öffendliche Meinung, als meinungsbildendes Medium unserer Zeit aus einem Fernsehgerät sprechend. Ein an sich guter Gedanke, gerade in unserer medial beherrschten Gesellschaft, der aber eine pfiffigere Ausführung fordert als die schnell durchschaubaren Auftritte im Fernsehkasten. Die Bewegung der Aufführung nimmt - nach dem eher müden ehelichen Stellungskrieg - im weiteren Verlauf zum Glück wesentlich zu, nicht zuletzt dank des agilen und klanglich kraftvollen Chores (Granville Walker). Die Choristen verstehen es überzeugend, die Götterschar auf dem Olymp gelangweilt und müde sowie in der Unterwelt berauscht, ja fast agressiv ausgelassen darzustellen.
Abbitte unter Druck der öffentlichen Meinung, im zeitgemäßen Medium an Jupiter übermittelt
Der fast schon zerfallene Fährmann der Unterwelt erfreut sich
am Frischfleisch
Die Schwächen dieser Inszenierung zeigen sich deutlich in den oft nur mäßig komischen Szenen. Mit allem Respekt vor der Schwierigkeit der Darstellung von Komik kann man sich, beispielsweise bei der
Verwandlung Jupiters in eine Fliege, dem Eindruck tolpatschig-alberner "Hoffentlich-ists-bald-vorbei-Darstellung" nur schwer entziehen. Gleichwohl ist zu hoffen, dass die Akteure in den weiteren Aufführungen überzeugender zu ihren Rollen finden. Man muss dem Ensemble alerdings die Größe des für eine solche Inszenierung überdimensionierten (und bei der Premiere höchstens zu zwei Drittel belegten) Saales und eine an diesem Abend störende weil defekte Obermaschienerie, welche den Vorhang nicht restlos nach oben gezogen hatte, als zusätzliche Stimmungstöter zugute halten. Gute Voraussetzungen für gelungene Operette bietet dieses Ambiente sicher nicht.
Apetitthäppchen Euridike wird zu(m) Bacchus gereicht: Unbedenkliche Fröhlichkeit siegt über alle Probleme
Alois Riedel, der in der Titelrolle mit einer wehenden Perrücke erscheint, die sowohl den Teufelsgeiger Paganini als auch den klassischen Clown assoziieren lässt, meistert seine Rolle stimmlich versiert, aber ohne großen Überschwang. Er läßt sich widerwillig von der öffendlichen Meinung komandieren. Elisabeth Lachmann findet in dieser Partie leider weder zu ihrer Rolle noch zu ihrer oft gelobten Stimme. Lynda Kemeny trifft als Euridike zunächst nicht den geschmeidigen Ton, der hier nötig wäre, um das Vordergründige und Berechnende dieser Figur ghörbar zu machen. Allerdings steigerte auch sie sich im Verlauf der Premiere, wie überhaupt das gesamte Ensemble. Hannes Brock (Pluto) sowie Andreas Becker (Jupiter) zeigen sich stimmlich wie szenisch routiniert. Erfrischend, obwohl auch mit Problemen bei der Textverständlichkeit kämpfend, erscheinen Johanna Schoppa (Juno), Jillian Anderton (Diana), Susanne Panzer (Venus), Diane Blais (Cupido) und Karin Robben (Minerva). Dagegen bleiben Christian Pienaat (Mercur) und Hans-Werner Trede (Mars) eher farblos. Die Rolle des John Styx wurde im Wesentlichen auf den Vortrag des unbedingt nötigen Textes reduziert und schöpft das Potenzial eines Uwe Falkenbach nur unzureichend aus. Ralf Lange musiziert mit dem Philharmonischen Orchester solide, wenn auch nicht begeisternd spritzig. Das während der Aufführung ziemlich regungslose Premierenpublikum belohnte die bemühte Aufführung mit freundlichem Applaus.
Bemühter Operettenabend, der aber Steigerungsmöglichkeiten erhoffen lässt. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Ausstattung
Choreinstudierung
Solisten
Orpheus, ein Musiklehrer
Eurydike, seine Gemahlin
Die Öffentliche Meinung
Jupiter, Vater der Götter
Juno, seine Gemahlin
Diana, Göttin der Jagd
Mars, Kriegsgott
Merkur, Götterbote
Minerva, Göttin der Weisheit
Venus, Göttin der Liebe
Cupido, Sohn der Venus
Pluto, Herrscher der Unterwelt
John Styx, Faktotum des Pluto
Morpheus
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