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Orpheus in der Unterwelt

Operette in zwei Akten
Text von Hector Cremieux und Ludovic Hàlevy
Deutsch von Ludwig Kalisch
Textfassung von Brigitte Fassbaender

Aufführungsdauer: ca. 2 h 15' (eine Pause)

Premiere am 13. Oktober 2001
(Übernahme vom Landestheater Innsbruck)


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Theater Dortmund
(Homepage)
Niedliches Kammerspiel mit Kompromissen

Von Thorsten Leonhardt / Fotos von Andrea Kremper



Wer sich auf die Premiere von Orpheus in der Unterwelt im Theater Dortmund als ein rauschendes Fest hintergründiger, offenbachscher Parodien gefreut hat, wird mit einem eher gemütlichen Operettenabend überrascht. Fast wie ein Kammerspiel wirkt die Inszenierung von Brigitte Fassbaender, die ihre Fassung vom Landestheater Innsbruck auf die Dortmunder Bühne übertragen hat. Die erfrischend gekürzte Textbearbeitung geht den Sängern, das ist auffällig, allerdings nicht leichter über die Lippen als die üblichen Fassungen (sie raubt dem Operettenbesucher lediglich einige lieb gewordenen Pointen). Und eine direkte Gesellschaftskarikatur oder scharfe Kultursatire sind weniger spürbar als eher ein geschickt verpackter Blick auf die (zeitlosen) Kehrseiten der Gesellschaft.

Vergrößerung Orpheus, der Professor und Schürzenjäger, quält seine Frau mit seinem neuesten Violinkonzert

Mit Wehmut vermisst mancher der Premierenbesucher die gängige Ouvertüre, die dem ganzen Stück - vielleicht - den nötigen Anfangsschwung gegeben hätte. Stattdessen präsentierte sich die Öffendliche Meinung, als meinungsbildendes Medium unserer Zeit aus einem Fernsehgerät sprechend. Ein an sich guter Gedanke, gerade in unserer medial beherrschten Gesellschaft, der aber eine pfiffigere Ausführung fordert als die schnell durchschaubaren Auftritte im Fernsehkasten. Die Bewegung der Aufführung nimmt - nach dem eher müden ehelichen Stellungskrieg - im weiteren Verlauf zum Glück wesentlich zu, nicht zuletzt dank des agilen und klanglich kraftvollen Chores (Granville Walker). Die Choristen verstehen es überzeugend, die Götterschar auf dem Olymp gelangweilt und müde sowie in der Unterwelt berauscht, ja fast agressiv ausgelassen darzustellen.

Vergrößerung Abbitte unter Druck der öffentlichen Meinung, im zeitgemäßen Medium an Jupiter übermittelt


Die Ausstattung von Bettina Munzer, die recht beengt wirkt und ganz offensichtlich für ein kleineres Theater konzipiert ist, greift diesen Stimmungsumschwung szenisch auf: Zur Darstellung der Unterwelt wird der Olymp kurzerhand auf den Kopf gestellt. Und wenn zum Schluss die in Bacchus' Reihen übergebene Euridike als Apetithäppchen auf einer tropfenden Weinflasche in die Szene geritten kommt, ist dies wohl als eine Botschaft zu verstehen, die in der späteren Operettengeneration des Johann Strauss, in einer gleichfalls dekadenten Gesellschaft, explizit ausgesprochen wird: „Champagner hats verschuldet..."
Damit wird  für nicht ganz korrekte Benehmen der Götter in der Unterwelt wie für die anderen Skandälchen von gehörnten Ehemännern und hintergangenen Frauen die denkbar einfachste Entschuldigung gewählt.

Vergrößerung Der fast schon zerfallene Fährmann der Unterwelt erfreut sich am Frischfleisch

Die  Schwächen dieser Inszenierung zeigen sich deutlich in den oft nur mäßig komischen Szenen. Mit allem Respekt vor der Schwierigkeit der Darstellung von Komik kann man sich, beispielsweise bei der Verwandlung Jupiters in eine Fliege, dem Eindruck tolpatschig-alberner "Hoffentlich-ists-bald-vorbei-Darstellung" nur schwer entziehen. Gleichwohl ist zu hoffen, dass die Akteure in den weiteren Aufführungen überzeugender zu ihren Rollen finden. Man muss dem Ensemble alerdings die Größe des für eine solche Inszenierung überdimensionierten (und bei der Premiere höchstens zu zwei Drittel belegten) Saales und eine an diesem Abend störende weil defekte Obermaschienerie, welche den Vorhang nicht restlos nach oben gezogen hatte, als zusätzliche Stimmungstöter zugute halten. Gute Voraussetzungen für gelungene Operette bietet dieses Ambiente sicher nicht.

Vergrößerung Apetitthäppchen Euridike wird zu(m) Bacchus gereicht: Unbedenkliche Fröhlichkeit siegt über alle Probleme

Alois Riedel, der in der Titelrolle mit einer wehenden Perrücke erscheint, die sowohl den Teufelsgeiger Paganini als auch den klassischen Clown assoziieren lässt, meistert seine Rolle stimmlich versiert, aber ohne großen Überschwang. Er läßt sich widerwillig von der öffendlichen Meinung  komandieren. Elisabeth Lachmann findet in dieser Partie leider weder zu ihrer Rolle noch zu ihrer oft gelobten Stimme. Lynda Kemeny trifft als Euridike zunächst nicht den geschmeidigen Ton, der hier nötig wäre, um das Vordergründige und Berechnende dieser Figur ghörbar zu machen. Allerdings steigerte auch sie sich im Verlauf der Premiere, wie überhaupt das gesamte Ensemble. Hannes Brock (Pluto) sowie Andreas Becker (Jupiter) zeigen sich stimmlich wie szenisch routiniert. Erfrischend, obwohl auch mit Problemen bei der Textverständlichkeit kämpfend, erscheinen Johanna Schoppa (Juno), Jillian Anderton (Diana), Susanne Panzer (Venus), Diane Blais (Cupido) und Karin Robben (Minerva). Dagegen bleiben Christian Pienaat (Mercur) und Hans-Werner Trede (Mars) eher farblos. Die Rolle des John Styx wurde im Wesentlichen auf den Vortrag des unbedingt nötigen Textes reduziert und schöpft das Potenzial eines Uwe Falkenbach nur unzureichend aus. Ralf Lange musiziert mit dem  Philharmonischen Orchester solide, wenn auch nicht begeisternd spritzig. Das während der Aufführung ziemlich regungslose Premierenpublikum belohnte die bemühte Aufführung mit freundlichem Applaus.


FAZIT

Bemühter Operettenabend, der aber Steigerungsmöglichkeiten erhoffen lässt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ralf Lange

Inszenierung
Brigitte Fassbaender

Ausstattung
Bettina Munzer

Choreinstudierung
Granville Walker



Chor und
Statisterie des
Theater Dortmund

Das Philharmonische
Orchester Dortmund


Solisten

Orpheus, ein Musiklehrer
Alois Riedel

Eurydike, seine Gemahlin
Lynda Kemeny

Die Öffentliche Meinung
Elisabeth Lachmann

Jupiter, Vater der Götter
Andreas Becker

Juno, seine Gemahlin
Johanna Schoppa

Diana, Göttin der Jagd
Jilian Anderton

Mars, Kriegsgott
Hans-Werner Trede

Merkur, Götterbote
Christian Pienaar

Minerva, Göttin der Weisheit
Karin Robben

Venus, Göttin der Liebe
Susanna Panzner

Cupido, Sohn der Venus
Diane Blais

Pluto, Herrscher der Unterwelt
Hannes Brock

John Styx, Faktotum des Pluto
Uwe Falkenbach

Morpheus
Bernhard Modes



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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