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Wie sich die Bilder gleichen ...
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Andrea Kremper Nicht nur den Hippie- bzw. Sixties-Look der Kostüme, der in den unvergessenen Louise- und Julien-Produktionen von John Dew vor Jahresfrist so großen Eindruck gemacht hatte, sondern auch die meisten szenischen Einfälle meinte man entweder in anderen Produktionen von La Bohème schon einmal gesehen zu haben oder sie waren derart vorhersehbar, dass wenigstens der Rezensent nicht selten gegen ein Gähnen anzukämpfen hatte und ungewöhnlich häufig auf die Uhr schaute. Da wären die Guckkastenbühne zu nennen, die sich immer dann verengt, wenn Mimì und Rodolfo allein sind (aha, Intimität!), der in platter Symbolik farblich variierte Himmelsprospekt im Bühnenhintergrund (Ausstattung: Karin Fritz), die in Regietheater-Produktionen, die etwas auf sich halten, offenbar unverzichtbaren Koffer und vieles mehr. Letztlich wenig überzeugend fand ich auch das heftig akklamierte kommerzielle Glitzerweihnachten, das uns das Regieteam im zweiten Bild präsentiert, das mit den überdimensionalen Geschenkpaketen (dass einem davon Musetta entsteigt, versteht sich da ja fast von selbst) und dem auf ein Laufband im Hintergrund verdrängte Kitsch-Krippenspiel irgendwo zwischen Kaufhausglamour, Familienfeier und durchgestylter Endemol-Show angesiedelt ist und natürlich damit endet, dass die Bühnenkapelle, der Chor und die Statisten durchs Parkett paradieren - was für ein frischer, innovativer Einfall! Vieles bleibt offen in diesem Sammelsurium von nicht besonders originellen Einzelideen und konventionellem Rampentheater, besonders aber die Frage, wer diese Menschen auf der Bühne eigentlich sind, mit welchen Problemen sie denn nun wirklich kämpfen (Schwindsucht ist keine Krankheit der sechziger Jahre!) - Fragen, deren Beantwortung man doch wohl von einem Regisseur erwarten kann.
Foto links:Frisch verliebt betrachten Rodolfo (Jeff Martin) und Mimì (Barbara Dobrzanska) das vorweihnachtliche Treiben.
Unproblematisch war aber auch die musikalische Seite nicht: Hans Wallat verantwortete zweifellos eine beeindruckende Werkwiedergabe von großer Transparenz, dynamischer Differenzierung, rhythmischer Prägnanz und Präzision und mitunter betörender Schönheit, er arbeitete mustergültig sonst häufig übergangene Details heraus und schaffte es trotzdem, von der ersten bis zur letzten Minute den Spannungsbogen zu halten, er hat es nicht nötig, sich hinter äußerer Brillanz zu verstecken, ich fand auch die sehr breiten Tempi an sich nachvollziehbar und richtig, aber sie waren einfach die falschen für dieses überwiegend sehr lyrische (übrigens ohne teure Gäste auskommende, bis auf wenige Ausnahmen sehr gut studierte) Ensemble, und da hätte man von einem so erfahrenen Musiker einfach mehr Flexibilität erwartet.
Foto rechts:Wie ein schillernder Travestiestar präsentiert Musetta (Lynda Kemeny) ihren berühmten Walzer - Schaunard (Sven Ehrke) und der von einem Christmas Bunny betreute Colline (Karl-Heinz Lehner) nehmen es zur Kenntnis.
Ich mag das Timbre der von Schärfen nicht freien, angenehm vibrierenden Stimme von Barbara Dobrzanska, besonders im Piano und in der mezza voce, aber für manche Passage fehlt es ihrem im Forte mitunter klingelnde Nebengeräusche produzierenden Sopran einfach an Körper und Farbe, namentlich in der Mittellage und Tiefe. Jeff Martin war zwar ein durchaus um Italianità bemühter, auch darstellerisch sehr involvierter Rodolfo, aber diese Partie sollte für seinen metallisch timbrierten, leichten lyrischen Tenor mit wenig resonanter, mitunter auch merkwürdig rauer Tiefe und grundsätzlich verlässlicher Höhe die absolute Grenze sein - schon nach kurzer Zeit war die Anstrengung beim (insgesamt zu offenen) Singen zu hören, da halfen auch keine außermusikalischen Mittel wie Schluchzer und Schreie.
Foto links:Weihnachten ist vorbei, die Beziehung zwischen der kranken Mimì (Barbara Dobrzanska) und dem eifersüchtigen Rodolfo hat auch erste Risse bekommen.
Die erfahrene Lynda Kemeny beherrscht die große Geste der Operettendiva und weiß auch, wie man ein Publikum um den Finger wickelt oder zu Tränen rührt, aber vokal hatte sie als Musetta mit ihrem inzwischen doch reichlich klirrenden, unruhigen Sopran nur noch wenig anzubieten. Hannu Niemelä singt sonst mit einiger Wirkung Partien des Heldenbaritonfachs - ein Marcello ist er sicher nicht, denn da benötigt man nun wirklich eine tonschöne, geschmeidige Stimme, der man den strapazierenden Einsatz im zu schweren Fach nicht so deutlich anhört. Kein Gewinn war auch einmal mehr Sven Ehrke, der den Schaunard mit sehr hellem, lyrischen Bariton und sehr "deutschem" Italienisch gab, während sich Karl-Heinz Lehner erneut auf die Wirkung seines gut geführten Prachtbasses verlassen konnte. Keinen schlechten Eindruck hinterließen die übrigen Mitwirkenden, namentlich Ks. Andreas Becker, Blazej Grek, Francisco Vergara, Hans-Werner Trede und Eric Visser sowie die von Granville Walker (Hauschor) und Zeljo Davutovic (Monteverdi-Junior-Chor) auf ihre Aufgaben vorbereiteten Kollektive.
Foto rechts:Rodolfo (Jeff Martin) und Marcello (Hannu Niemelä) erörtern Beziehungsprobleme.
Eine letztlich sehr konventionelle, vordergründige Neuinszenierung des Puccini-Meisterwerks mit einer zu leichten Besetzung und beglückenden Momenten im Graben! Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Regie
Bühne und Kostüme
Chor
Kinderchor
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten Aufführung
Rodolfo
Schaunard
Marcello
Colline
Benoit
Mimì
Musetta
Parpignol
Alcindoro
Schließer
Clochard
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