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Musiktheater
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Tosca
Melodramma in tre atti
Musik von Giacomo Puccini
Text von Giuseppe Giocosa und Luigi Illica
Nach dem Drama
La Tosca von Victorien Sardou

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

ca. 2h 45' (eine Pause)


Premiere im Opernhaus Düsseldorf
am 29. Juni 2002

Besuchte Vorstellung: 2. Juli 2002


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Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Non lucevan le stelle

Von Thomas Tillmann / Fotos von Eduard Straub



Man kann Dietrich Hilsdorf vieles vorwerfen, aber nicht, dass er die Werke, denen er sich zuwendet, nur oberflächlich liest. Auch Puccinis viel gescholtener Tosca lässt er letztlich mehr inszenatorischen Ernst zuteil werden als manche seiner Kolleginnen und Kollegen (vgl. unseren Bericht von der Duisburger Premiere, die zugleich das Rheinoperndebüt des bisher vor allem durch seine Mozart- und Verdi-Exegesen hervorgetretenen Regisseurs war), wenn er die gefeierte Primadonna als eigentliches Opfer von Scarpias Folter zeigt, wenn er den Polizeichef Spolettas Unfähigkeit vorführen oder einen Klempner das Waschbecken im Palazzo Farnese reparieren lässt, das Symbol für die Banalität der Macht ist, wenn er Scarpia auf der vermeintlich überflüssigen Frage nach dem Aufenthaltsort des ja auf der Bühne präsenten Angelotti beharren (ein eindringliches Beispiel für Machtwillkür!) und Tosca in den Wahnsinn flüchten lässt - eine Idee freilich, mit der man letztlich jeden Eingriff in jede Handlung rechtfertigen kann, die dem dritten Akt jedoch eine völlig neue Dimension verlieh. Und doch: Auch wenn sich einem der tiefere Sinn manches Einfalls nicht sofort erschließen mag und man auf das eine oder andere Mätzchen auch gut hätte verzichten können, besticht diese Produktion nicht zuletzt durch ihre spannende, sorgfältige Erzählweise und die exzellente Figurenzeichnung und Personenführung.

Dass der Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein nun gerade für diese dichte, eine ausgedehnte Probenzeit erfordernde Produktion drei vermeintliche Stargäste einkaufen musste, erscheint indes künstlerisch fragwürdig. Und hätte man nicht, wenn man Geld für die sicher nicht unbeträchtlichen Gagen der Gäste hatte, ein paar Euro mehr aufbringen können, um nach der Vorstellung auch den Ensemblemitgliedern einen Blumenstrauß zu überreichen, unter denen sich Michail Milanov mit charaktervollem Bass als Angelotti und Peter Nikolaus Kante als mit vollem Mund das Angelus anstimmender, dezent komischer Sagrestano hervortaten? Der glänzend geführte, legato- wie höhenstarke Tenor von Mario Malagnini, der einen untrügliches Gespür dafür bewies, sich über weite Strecken an der Rampe zu platzieren und die zum überwiegenden Teil schwer beeindruckten Zuschauer mit nicht enden wollenden Fermaten und zweifellos imposanten "Vittoria"-Rufen zu elektrisieren, ist natürlich alles andere als die hier an sich nötige dunkle, dramatische Stimme, aber seine Phrasierungssorgfalt und der gestalterische Geschmack, mit der er die zweite Arie gab, entschädigten für vieles. Gordon Hawkins meinte sich als Scarpia im Wesentlichen auf die Wucht seines üppigen, jedoch ziemlich eindimensionalen Organs und ein paar grimmige oder geile Blicke verlassen zu können, wirkliches Charisma entwickelte er als Scarpia damit aber nicht, und auch musikalisch konnte er wenig wettmachen: Die Höhe wird allein mit großem Kraftaufwand bewältigt, was manche zu Unrecht mit Dramatik verwechseln, und etwas weniger heisere Nebengeräusche dürften es auch sein.

Vergrößerung Scarpia (Gordon Hawkins) begrüßt Floria Tosca (Catherine Malfitano) formvollendet in Sant'Andrea della Valle.

Und die Diva? Catherine Malfitano, die kurzfristig die Produktion von der erkrankten Carol Vaness übernommen und die Tosca nicht zuletzt vor zehn Jahren bei der von den Originalschauplätzen in Rom in alle Welt übertragenen Fernsehproduktion interpretiert hatte, ist zweifellos eine schöne, aufregende Frau und eine in den Bann ziehende Actrice, die sich in den schicken Kostümen von Johannes Leiacker natürlich stets die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern verstand. Die Stimme indes ist nicht mehr in dem Zustand von 1992, was bei der immer riskanten Technik und dem kühnen Repertoire kaum erstaunt: Besonders in der recht steif, hart und hinsichtlich der Intonation ziemlich vagen Höhe hatte man einen die Toleranzgrenze mehr als streifenden wobble, ein mühsames Anbohren von flackernden Tönen und ein lautstarkes Lufteinziehen nach beinahe jedem zweiten Ton zu tolerieren, von denen streng genommen nicht wenige korrekterweise als Schreie oder Geräusche bezeichnet werden müssten, pardon, auch wenn sie die Orchestertutti durchschnitten, was nicht wenig ist bei einem an sich doch wohl lyrischen Sopran, dessen mangelndes Volumen ab der unteren Mittellage den Einsatz einer oberflächlich expressiven, brustigen Chansonettentiefe nötig machte und der im ohnehin selten versuchten Piano kaum noch ansprach, und so geriet das "Vissi d'arte" erwartungsgemäß zum vokalen Offenbarungseid, dem auch Stummfilmästhetik in Mimik und Gestik nichts von seiner Schärfe nahm.

Vergrößerung Nicht der mit Theaterblut verschmierte Cavaradossi (Mario Malagnini, sitzend) steht im Zentrum der Foltergelüste Scarpias (Gordon Hawkins) und seiner Schergen, sondern die Diva selbst (Catherine Malfitano).

Schon vor Beginn der Vorstellung wurde John Fiore mit Bravorufen begrüßt, was zeigt, dass große Teile des Publikums ihn inzwischen in ihr Herz geschlossen haben. Für mein Empfinden zeichnete der Amerikaner, der den Solisten ein paar Freiheiten zuviel ließ, einmal mehr mit einem allzu breiten Pinsel, vieles geriet zu wenig durchdacht, zu wuchtig, mitunter auch schlicht zu laut und unkonzentriert (Streicher!), während man auf das Herausarbeiten von Feinheiten vergebens hoffte.


FAZIT
Einmal mehr bewahrheitete sich der Eindruck des Rezensenten, dass vermeintliche Stars auch nur mit Wasser kochen; man sollte sich Hilsdorfs inspirierende Werksicht in jedem Fall noch einmal mit der ursprünglichen Hausbesetzung ansehen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
John Fiore

Inszenierung
Dietrich Hilsdorf

Bühne und Kostüme
Johannes Leiacker

Chor
Christoph Kurig

Spielleitung
Alexandra Ilickovic



Der Chor der Deutschen
Oper am Rhein

Der Kinderchor des Görres
Gymnasiums Düsseldorf
(Ltg. Ulrich Brall)

Die Statisterie der Deutschen
Oper am Rhein

Die Düsseldorfer Symphoniker


Solisten

Floria Tosca,
berühmte Sängerin
Catherine Malfitano

Mario Cavaradossi,
Maler
Mario Malagnini

Baron Scarpia,
Polizeichef
John Wegner

Cesare Angelotti,
ehemaliger Konsul von Rom
Michail Milanov

Sagrestano
Peter Nikolaus Kante

Spoletta,
Polizist
Torsten Hofmann

Sciarrone,
Gendarm
Thorsten Grümbel

Tosca als Kind
Julia Petereit



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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