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Non lucevan le stelle
Von Thomas Tillmann
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Fotos von Eduard Straub
Man kann Dietrich Hilsdorf vieles vorwerfen, aber nicht, dass er die Werke, denen er sich zuwendet, nur oberflächlich liest. Auch Puccinis viel gescholtener Tosca lässt er letztlich mehr inszenatorischen Ernst zuteil werden als manche seiner Kolleginnen und Kollegen (vgl. unseren Bericht von der Duisburger Premiere, die zugleich das Rheinoperndebüt des bisher vor allem durch seine Mozart- und Verdi-Exegesen hervorgetretenen Regisseurs war), wenn er die gefeierte Primadonna als eigentliches Opfer von Scarpias Folter zeigt, wenn er den Polizeichef Spolettas Unfähigkeit vorführen oder einen Klempner das Waschbecken im Palazzo Farnese reparieren lässt, das Symbol für die Banalität der Macht ist, wenn er Scarpia auf der vermeintlich überflüssigen Frage nach dem Aufenthaltsort des ja auf der Bühne präsenten Angelotti beharren (ein eindringliches Beispiel für Machtwillkür!) und Tosca in den Wahnsinn flüchten lässt - eine Idee freilich, mit der man letztlich jeden Eingriff in jede Handlung rechtfertigen kann, die dem dritten Akt jedoch eine völlig neue Dimension verlieh. Und doch: Auch wenn sich einem der tiefere Sinn manches Einfalls nicht sofort erschließen mag und man auf das eine oder andere Mätzchen auch gut hätte verzichten können, besticht diese Produktion nicht zuletzt durch ihre spannende, sorgfältige Erzählweise und die exzellente Figurenzeichnung und Personenführung. Dass der Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein nun gerade für diese dichte, eine ausgedehnte Probenzeit erfordernde Produktion drei vermeintliche Stargäste einkaufen musste, erscheint indes künstlerisch fragwürdig. Und hätte man nicht, wenn man Geld für die sicher nicht unbeträchtlichen Gagen der Gäste hatte, ein paar Euro mehr aufbringen können, um nach der Vorstellung auch den Ensemblemitgliedern einen Blumenstrauß zu überreichen, unter denen sich Michail Milanov mit charaktervollem Bass als Angelotti und Peter Nikolaus Kante als mit vollem Mund das Angelus anstimmender, dezent komischer Sagrestano hervortaten? Der glänzend geführte, legato- wie höhenstarke Tenor von Mario Malagnini, der einen untrügliches Gespür dafür bewies, sich über weite Strecken an der Rampe zu platzieren und die zum überwiegenden Teil schwer beeindruckten Zuschauer mit nicht enden wollenden Fermaten und zweifellos imposanten "Vittoria"-Rufen zu elektrisieren, ist natürlich alles andere als die hier an sich nötige dunkle, dramatische Stimme, aber seine Phrasierungssorgfalt und der gestalterische Geschmack, mit der er die zweite Arie gab, entschädigten für vieles. Gordon Hawkins meinte sich als Scarpia im Wesentlichen auf die Wucht seines üppigen, jedoch ziemlich eindimensionalen Organs und ein paar grimmige oder geile Blicke verlassen zu können, wirkliches Charisma entwickelte er als Scarpia damit aber nicht, und auch musikalisch konnte er wenig wettmachen: Die Höhe wird allein mit großem Kraftaufwand bewältigt, was manche zu Unrecht mit Dramatik verwechseln, und etwas weniger heisere Nebengeräusche dürften es auch sein.
Scarpia (Gordon Hawkins) begrüßt Floria Tosca (Catherine Malfitano) formvollendet in Sant'Andrea della Valle.
Und die Diva? Catherine Malfitano, die kurzfristig die Produktion von der erkrankten Carol Vaness übernommen und die Tosca nicht zuletzt vor zehn Jahren bei der von den Originalschauplätzen in Rom in alle Welt übertragenen Fernsehproduktion interpretiert hatte, ist zweifellos eine schöne, aufregende Frau und eine in den Bann ziehende Actrice, die sich in den schicken Kostümen von Johannes Leiacker natürlich stets die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern verstand. Die Stimme indes ist nicht mehr in dem Zustand von 1992, was bei der immer riskanten Technik und dem kühnen Repertoire kaum erstaunt: Besonders in der recht steif, hart und hinsichtlich der Intonation ziemlich vagen Höhe hatte man einen die Toleranzgrenze mehr als streifenden wobble, ein mühsames Anbohren von flackernden Tönen und ein lautstarkes Lufteinziehen nach beinahe jedem zweiten Ton zu tolerieren, von denen streng genommen nicht wenige korrekterweise als Schreie oder Geräusche bezeichnet werden müssten, pardon, auch wenn sie die Orchestertutti durchschnitten, was nicht wenig ist bei einem an sich doch wohl lyrischen Sopran, dessen mangelndes Volumen ab der unteren Mittellage den Einsatz einer oberflächlich expressiven, brustigen Chansonettentiefe nötig machte und der im ohnehin selten versuchten Piano kaum noch ansprach, und so geriet das "Vissi d'arte" erwartungsgemäß zum vokalen Offenbarungseid, dem auch Stummfilmästhetik in Mimik und Gestik nichts von seiner Schärfe nahm.
Nicht der mit Theaterblut verschmierte Cavaradossi (Mario Malagnini, sitzend) steht im Zentrum der Foltergelüste Scarpias (Gordon Hawkins) und seiner Schergen, sondern die Diva selbst (Catherine Malfitano).
Schon vor Beginn der Vorstellung wurde John Fiore mit Bravorufen begrüßt, was zeigt, dass große Teile des Publikums ihn inzwischen in ihr Herz geschlossen haben. Für mein Empfinden zeichnete der Amerikaner, der den Solisten ein paar Freiheiten zuviel ließ, einmal mehr mit einem allzu breiten Pinsel, vieles geriet zu wenig durchdacht, zu wuchtig, mitunter auch schlicht zu laut und unkonzentriert (Streicher!), während man auf das Herausarbeiten von Feinheiten vergebens hoffte.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Chor
Spielleitung
SolistenFloria Tosca,berühmte Sängerin Catherine Malfitano
Mario Cavaradossi,
Baron Scarpia,
Cesare Angelotti,
Sagrestano
Spoletta,
Sciarrone,
Tosca als Kind
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