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Ein Kindheitstraum(a)
Von Gerhard Menzel
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Fotos von Eduard Straub
Kein Märchen, sondern die erschreckende Geschichte eines traumatischen Erlebnisses eines Jungen präsentiert Youri Vamos in Tschaikowskys Ballett Schwanensee. Als Kind wird der junge Prinz unfreiwillig Zeuge, wie der Liebhaber seiner Mutter sich über diese hermacht. Diese Szene begleitet den Heranwachsenden - ein Einzelgänger, der sich möglichst zurückzieht und lieber den anderen von Ferne aus zuschaut - sein ganzes Leben lang. Ein Schwan, den er im gedankenlosen Spiel erlegt ersteht in seiner Phantasie zu einem Abbild seiner jungen Mutter. Auch als gezwungener Heiratskandidat jagt er seinem Traumbild nach, bis ...
Foto rechts:Für den Prinzen (Guy Albouy) ersteht der von ihm erlegte Schwan (Marina Antonova) als Frau seiner Träume wieder.
Youri Vamos erzählt diese tragischen Begebenheiten in schönen, dekorativen Bildern und märchenhaften Kostümen von Michael Scott ohne ins Kitschige abzugleiten. Dafür sind die spannungsvollen Beziehungen des Prinzen zu seinem anderen Ich und zu seiner Umwelt viel zu intensiv und einprägsam herausgearbeitet. Die eine bedeutende Rolle spielende Lichtregie von Klaus Gaditz sorgt letztendlich dafür, dass man sich den seelischen Kämpfen des jungen Prinzen nicht entziehen kann.
Foto links:Vor aller Augen gelingt es Odile (Marina Antonova), der Tochter des Rotbart, fast, den Prinzen (Guy Albouy) zu verzaubern.
Guy Albouy als Prinz hat in dieser Choreografie von Youri Vamos ein Höchstmaß an psychologischem Ballast zu verarbeiten bzw. zu verkörpern. Seine Technik und sein darstellerisches Format ermöglichen ihm, die ganze Komplexität der Figur eindrucksvoll nachzuzeichnen. Alexander Rulkevich, der sowohl das andere Ich, als auch den Liebhaber Rotbart verkörpert, setzt in der "Doppelgänger-Rolle" gewichtige Akzente, die das Ende des "Helden" tatkräftig vorbereiten. Am meisten gefordert ist jedoch Marina Antonova. Zuerst erscheint sie dem Prinzen als jugendliches Abbild seiner Mutter, danach als wiedererstandener Schwan Odette und schließlich auch als Odile, die Tochter des Rotbart, der seine Mutter damals verführte. Vor allem die unterschiedlichen Erscheinungsformen als Odette und Odile verkörperte sie mit so unterschiedlichem Ausdruck und völlig andersgearteten Bewegungen, dass man glauben konnte, es seinen zwei verschiedene Tänzerinnen; eine schier unglaubliche Verwandlung.
Foto rechts:Die Schwäne (Corps de ballet) werden ihrem Ruf als mythologische Wesen vollauf gerecht.
Neben den zahlreichen kleineren Partien und den putzmunteren Schwänen sorgte das Corps de ballet für einen ungetrübten Ballettgenuss. Die kleinen und großen Ensembles gelangen mit der nötigen Perfektion, ohne maschinell zu wirken. In den "Massenszenen" bildeten die Statisterie und die Schüler der Ballettschule der Deutschen Oper am Rhein schöne Tableaus, die durch die (meist) einfallsreiche Choreografie von Youri Vamos lebendig gestaltet wurden. Beschwingt und munter ging es unter der musikalischen Leitung von Martin Fratz auch im Orchestergraben zu. Auch wenn einige Violinsoli etwas intonationssicherer und eleganter und viele Tuttistellen weniger robust und polternd hätten klingen können, sorgte die Musik für das notwendige metrische Gerüst und die erforderlichen Klangfarben, um die tänzerische Umsetzung des Stückes zu gewährleisten.
Eine ungewöhnliche, aber stringent und schlüssig erzählte Geschichte über das erleben und verarbeiten von prägenden Eindrücken aus der Kindheit. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung und Choreografie
Choreografische Assistenz
Bühne und Kostüme
Licht
SolistenProlog
Die Großfürstin
Ihr Kind, der Prinz
Ihr Liebhaber Rotbart
1. Bild
Die Großfürstin
Ihr jugendliches Abbild
Der junge Prinz
Der Prinz
Sein anderes Ich
Adamo und Benno
2. und 4. Bild
Odette, der Schwan
Kleine Schwäne
Große Schwäne
3. Bild
Odile, Tochter des Rotbart
Neapolitaner
Prinzessinnen
Spanier
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