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La dame blanche
(Die weiße Dame)

Opéra comique en trois actes
Text von Eugène Scribe
Musik von Francois Adrien Boieldieu

Premiere im Opernhaus Düsseldorf am 7. Oktober 2001


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Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Ende des Dornröschenschlafs

Von Silvia Adler /



Nach mehr als hundertjähriger Erfolgsgeschichte wäre sie beinahe in Vergessenheit geraten - nun wurde sie doch noch wachgeküsst: Vom Staub befreit, feierte La dame blanche von Adrien Boieldieu an der Düsseldorfer Rheinoper ein mit viel Beifall bedachtes Comeback... Märchen gehen eben gut aus!
Das heitere Stück aus der Feder Eugène Scribes, das auf Motive des Erfolgsautors Walter Scott zurückgeht, traf mit seiner Mischung aus schottischer Schauerromantik und französischem Esprit genau den Nerv seiner Zeit. Leicht war es nicht: Bevor das Stück nach der umjubelten Uraufführung 1825 die europäischen Bühnen eroberte, hatte Boieldieu eine Vielzahl komischer Opern produziert, die- bis auf wenige Ausnahmen – kaum Beachtung fanden. „Das ist Reiz, das ist Humor!“ begeisterte sich Carl Maria von Weber, nachdem er 1826 eine Aufführung von La dame blanche in Paris erlebt hatte. Auch Rossini und Wagner urteilten euphorisch.

Dass die Oper heute weitgehend von den Spielplänen verschwunden ist, scheint mit Blick auf die recht dürftige Handlung um ein verwunschenes Schloss, einen korrupten Verwalter und sein schlaues Mündel nicht weiter verwunderlich. Wenig inspirierend erscheint vor allem die harmlose Eindimensionalität der Charaktere. Umso erstaunlicher ist es, dass es Tobias Richter in seiner Düsseldorfer Inszenierung über weite Strecken gelingt, die in die Jahre gekommenen Opéra comique neu zu beleben. Mit leichter Hand werden die romantischen Versatzstücke der Schauer-Komödie in Szene gesetzt: Mal ironisch verfremdet, mal romantisch verklärt. Im ersten Bild wird der Ausblick in die verwunschene schottische Landschaft kurzerhand auf den Kopf gestellt. Stetig platzt dumpfes Blöken ins ländliche Idyll. Ein Schaf aus Pappmaché klebt kopfüber an der Decke. Unheimliches Pfeifen dringt aus dem Orchestergraben. Unverblümt wird der obligatorische Kamin ganz einfach aus der Wand geklappt.

Ihren großen Effekt verdankt die Inszenierung nicht zuletzt dem extrem wandlungsfähigen Bühnenbild von Johannes Leiacker. In einer gelungenen Gradwanderung verbindet sich hintersinnige Abstraktion mit der faszinierenden Bilderwelt der Romantik. Geschickt wird das dominante Schottenmuster auf Vorhang, Bühne und Kostümen als integratives Element genutzt, um die gegensätzlichen Stilrichtungen miteinander zu verbinden.

Auch musikalisch ist die Wiederentdeckung von La dame blanche ein voller Erfolg. Die abwechslungsreichen Musiknummern, die durch gesprochenen Dialog miteinander verbunden sind, bieten den Solisten erstaunlich viele Entfaltungsmöglichkeiten. Aus dem erfreulich homogenen Ensemble, sticht vor allem der leuchtende Sopran von Nataliya Kovalova hervor. Mit herrlichem Piano und aufblühender Dramatik gestaltet sie die Ballade der Weißen Dame mit großer Strahlkraft.

Ausgestattet mit einem idealen Timbre für französische Musik gelingt auch Michele Capalbo als Anna ein eindruckvolles Rheinoperndebüt. Stimmlich profund und zugleich flexibel gestaltet der junge Bassist Michael Dries die Partie des verschlagenen Verwalters Gaveston. Schauspielerisch wie sängerisch überzeugend ist auch der walisische Tenor David Owen als Dickson. Viel Beifall erntet Antonis Koroneos, der die Partie des jungen englischen Offiziers, George Brown sehr glaubhaft verkörpert. Allerdings fehlt es seinem warm timbrierten lyrischen Tenor während der ersten Szenen hörbar an Kern. Dass die Stimme manchmal etwas forciert klingt, liegt allerdings weniger an ihm als am dynamisch auftrumpfenden Orchester. Beachtlicher Mut zur Höhe und bravourös gemeisterte Spitzentöne bescheren Koroneos am Ende dennoch den verdienten Applaus. Auch wenn das Orchester unter Baldo Podic dynamisch manchmal übers Ziel hinausschießt und die Tempi streckenweise etwas gehetzt erscheinen – der farbenreichen Klang und erfreuliche Transparenz können schließlich darüber hinweg trösten. Ein wirklich erfrischendes Wiedersehen also mit der Weißen Dame, die als wandelnde Persilreklame ihr Comeback ins Hier und Heute feiert.


FAZIT

Das Wachküssen hat sich gelohnt! Leichte Muse mit wenig Tiefgang; dafür aber brillant in Szene gesetzt und garantiert staubfrei! Ein neuer Farbtupfer auf der Palette des Opernrepertoires – nicht mehr, aber auch nicht weniger.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Baldo Podic

Inszenierung
Tobias Richter

Bühne und Kostüme
Johannes Leiacker

Chor
Gerhart Michalski



Chor und Statisterie der
Deutschen Oper am Rhein

Die Statisterie der
Deutschen Oper am Rhein

Die Düsseldorfer Symphoniker


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Georges Brown,
ein junger englischer Offizier
Antonis Koroneos

Gaveston,
Verwalter des Schlosses von Avenel
Michael Dries

Dikson, Pächter
David Owen

Mac Irton, Friedensrichter
Bruno Balmelli

Anna, Mündel Gavestons
Michele Capalbo

Jenny, Diksons Frau
Nataliya Kovalova

Margherite, Haushälterin
Monique Simon

Gabriel, Diksons Knecht
Markus Weckesser

Paysan, ein Bauer
Franz-Martin Preihs



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



Da capo al Fine

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