Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-mail Impressum



Operation Mitternacht
Komische Mysterienoper
Text von Yohanan Kaldi
(Übersetzung: Anke Rauthmann)
Musik von Richard Farber

Aufführungsdauer: 1 h 15 min (keine Pause)

Uraufführung im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland Bonn am 128. Februar 2002

Auftragswerk des Theaters der Bundesstadt Bonn
in der Reihe Bonn Chance! Experimentelles Musiktheater
Eine Koproduktion der Oper Bonn mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Logo:  Bonn Chance!

Logo: Oper Bonn

Oper Bonn
(Homepage)
Der Tod ist eine Baustelle

Von Stefan Schmöe / Fotos von Thilo Beu



Ein berühmter Arzt wird um Mitternacht zu einem geheimnisvollen Patienten gerufen, den er heilen soll – und es ist der Tod persönlich, wie sich herausstellt. Den will er mit einem „Kunstfehler“ gleich vollends beseitigen, aber das Vorhaben misslingt natürlich. Diese kleine Geschichte, die der in Washington geborene und in Israel lebende Komponist Richard Farber zu seiner Oper Operation Mitternacht verarbeitet hat, erscheint wie eine ins Komisch-Absurde gewendete Erzählung Kafkas, und Farber selbst bezeichnet sein Werk als „komische Mysterienoper“. Ligetis (in jeder Hinsicht größer dimensionierter) Grande Macabre winkt da zwar herüber, aber Operation Mitternacht, als Auftragswerk für die Reihe Bonn Chance! entstanden, hat schon durch seine kleinformatige Anlage und die Dialog-Lastigkeit mehr von einer Konversationsoper als vom Mysterienspiel.

Vergrößerung

Hier sind die zwei von der Baustelle (unten der Professor, oben sein Assistent) ...

Farber hat vor einigen Jahren mit The Eternal Triangle Trio, in Köln produziert, eine „Comic-Oper“ geschrieben, wobei er Text und Handlung frech auf Sprechblasen-Niveau reduzierte. Operation Miternacht greift dieses Verfahren nicht weiter auf, sondern wendet sich eher der klassischen Spieloper zu – die Handlung ist zwar absurd, aber nicht mehrso drastisch auf klischeehafte Grundsituationen zugespitzt wie das Triangle. Gleiches gilt für die Musik, die den klassisch-romantischen Vorrat an Motivik ironisch ausschöpft und gelegentlich auch parodierend zitiert (und dabei sogar eine Art Leitmotivik gebiert), aber vergleichsweise brav bleibt, wobei man ihr Unterhaltungsqualitäten nicht absprechen kann. Wirklich experimentell, wie die Reihe Bonn Chance! das einfordert, ist das allerdings nicht, und Anstoß für eine Neuausrichtung der zeitgenössischen Oper erst recht nicht.



Vergrößerung ... die mit diesen aufreizend attraktiven Krankenschwestern, die dem Assistenten hier bereits kräftig zusetzen ...

Erheblich gemindert wird der Unterhaltungswert leider dadurch, dass vom Text vieles akustisch unverständlich bleibt. Die Balance zwischen dem (insgesamt ordentlichen, gelegentlich rhythmisch verschwommenen) Kammerorchester (musikalische Leitung: Christoph König) und den Sängern ist insgesamt zu wenig ausgewogen, die Sänger werden oft zugedeckt, lassen es aber – mit Ausnahme von Erik Biegel in der Rolle des medizinischen Assistenten – auch an der notwendigen Deutlichkeit fehlen. Auch versteht es Biegel als einziger, seine Rolle komödiantisch in dem Maße zu überzeichnen, wie es die Abstrusität der Handlung erfordert. Der junge Bariton Michael Kunze singt den Professor zwar tadellos sauber, aber mit seiner hohen Seriösität, mit der er die Figur in der Tradition der opera buffa stellt, wird er der Rolle nur zum Teil gerecht: Etwas abgedrehter dürfte es schon sein. Vergleichsweise blass bleiben Carlos Krause (der greise Herr) und Ingrid Bartz (Sekretär).

Vergrößerung

... und den Professer in albtraumhafte (Literaturfreunde werden sagen: kafkaeske) Situationen versetzen ...

Regisseurin Andrea Schwalbach verlegt das Geschehen in eine Art Hotelhalle, die gerade komplett renoviert wird (Bühne: Anne Neuser): Das Orchester ist unter und zum Teil auch auf einem Baugerüst platziert, und als Pendel der Ewigkeit baumelt die Abrissbirne durch den Saal. Der greise Herr, der sich als Tod entpuppen wird, kommt mit dem Aufzug – das alles ist hübsch anzusehen, und nach der spartanischen Strenge vergangener Produktionen in dieser Reihe ist das phantasievolle Übermaß an gestalterischen Einfällen äußerst wohltuend. Allerdings drohen die Figuren im Aktionismus verloren zu gehen, und die Möglichkeit einer Steigerung hin auf das Ende bietet sich auch nicht: Wozu das alles, fragt man sich zwischenzeitlich, wenn das Stück friedlich-humorig vor sich hin plätschert. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass die Operation Mitternacht bereits nach 75 Minuten, also deutlich vor besagter Stunde, vorüber ist.

Vergrößerung ... eine Operation Mitternacht zur Genesung des Todes durchführen sollen. Man seht: (Bedeutungs-)schwer pendelt über dem Geschehen die Lebenspendelabrissbirne.


FAZIT
Ein braves Mysterien-Kammerspiel im humoristischen Gewand, in Bonn mit mitteprächtigem Unterhaltungswert dargeboten.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

* Besetzung der Premiere

Musikalische Leitung
Christoph König

Inszenierung
Andrea Schwalbach

Bühne und Kostüme
Anne Neuser

Licht
Jürgen Zoch

Dramaturgie
Ulrike Schumann


Orchester der
Beethovenhalle Bonn




Solisten

Professor
Michael Kunze

Assistent
Erik Biegel

der greise Herr
Carlos Krause

Sekretär
Ingrid Bartz

3 Krankenschwestern
*Susanne Engelmann
*Anna Fischer
Stefanie Kunschke
*Ulrike Ludewig
Stefanie Manuela Rodriguez



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Oper der Stadt Bonn
(Homepage)





Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2002 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -